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Einsatz in Fankneipe: FC St. Pauli fordert Polizei zu Stellungnahme auf

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Entsetzen bei Fans und Verein: Nach dem Polizeieinsatz in einer St.-Pauli-Fankneipe hat der FC St. Pauli die Sicherheitsbehörden zu einer Stellungnahme aufgefordert. Die Anhänger haben für Freitag eine Demonstration angekündigt, die Polizei mauert weiter.

"Der FC St. Pauli hat die Berichte über einen Polizeieinsatz in der Fankneipe 'Jolly Roger' mit Entsetzen und großem Bedauern zur Kenntnis genommen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung, die der Zweitligist am Dienstagnachmittag verschickt hat. FC-Präsident Corny Littmann habe die Hamburger Polizei heute in einem Brief um Aufklärung der Ereignisse gebeten, heißt es weiter in der Mitteilung.

Polizei-Einsatz im Schanzenviertel: Um Aufklärung gebeten
AP

Polizei-Einsatz im Schanzenviertel: Um Aufklärung gebeten

Auch FC-Aufsichtsratsmitglied Tay Eich meldete sich drei Tage nach den Vorkommnissen zu Wort: "Der Polizeieinsatz am und im 'Jolly Roger' ist vollkommen inakzeptabel und muss lückenlos aufgeklärt werden", so der Rechtsanwalt. Polizisten hatten Samstagnacht die St.-Pauli-Kneipe gestürmt, in der rund 100 Gäste eine Geburtstagsparty feierten - "obwohl von den Gästen keine gewalttätigen Provokationen gegen die Polizeibeamten ausgingen" - wie der Betreiberverein "Ballkult e.V." am Dienstag erklärte.

Stephan Delius, Geschäftsführer des "Jolly Roger", erlebte den Polizeieinsatz hinter dem Tresen. Innerhalb von wenigen Minuten sei die Bar voll mit Reizgas gewesen. "Die Gäste sind in Panik auf die Toiletten und ins Getränkelager in den Keller geflüchtet, vermummte Polizisten mit Schlagstöcken hinterher," schildert Delius.

Ulrike Swadzba war mit fast 30 weiteren Gästen im Keller: "Wir standen da und konnten nicht raus. Oben im Laden hat man keine Luft mehr bekommen und vor der Tür hielten die Wasserwerfer drauf." Die Bilanz des Abends laut Ballkult e.V.: "Vier ausgeschlagene Zähne, schwere Stauchungen und Prellungen, Massenpanik sowie Dutzende Gäste, die sich aufgrund von Reizgas übergaben."

Ralf Meyer, Pressesprecher der Hamburger Polizei, nennt weiterhin keine Gründe, da sich das Dezernat interne Ermittlungen eingeschaltet habe und "es sich somit um ein laufendes Verfahren handelt." Die Theorie einiger St.-Pauli-Fans, dass es sich bei dem Einsatz um eine Revanche-Aktion einer Eutiner Polizeieinheit gehandelt habe, weist Meyer von sich: "Das ist totaler Unsinn, zumal viele der am Einsatz beteiligten Polizisten aus Hamburg kamen."

Ein Beamter einer Eutiner Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) hatte sich im März bei Auseinandersetzungen nach dem Zweitliga-Derby gegen Rostock bei einer Straßenschlacht zwischen Randalierern und der Polizei schwere Schnittverletzungen in der Straße vor dem "Jolly Roger" zugezogen. Im Juni beklagten zahlreiche St.-Pauli-Fans dann einen überzogenen Polizeieinsatz beim Auswärtsspiel der zweiten FC-Mannschaft in Kiel. Dabei soll es sich laut Augenzeugen ebenso um eine Eutiner BFE gehandelt haben, wie auch in der Nacht zu Sonntag im "Jolly Roger".

Am Montagabend trafen sich rund 100 Betroffene, Zeugen und Anwälte im "Jolly Roger" und besprachen das weitere Vorgehen. Als Sofortmaßnahme wurde für die medizinische und rechtliche Unterstützung der Geschädigten ein Spendenkonto eingerichtet. Außerdem planen die Anhänger für Freitag eine Demonstration nach dem Freundschaftsspiel des FC gegen den schottischen Erstligisten Hearts of Midlothian.

Einen kleinen Vorgeschmack gab es bereits am Montagabend. Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer in einem spontanen Protestmarsch zur benachbarten Polizeiwache. Die Beamten reagierten umgehend und riefen Verstärkung. Diesmal blieb allerdings alles friedlich.

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