Anhänger-Problematik bei Braunschweig Eintracht sperrt linke Ultra-Gruppe aus

Sie wurden im eigenen Fanblock rassistisch beleidigt und verprügelt - nun dürfen sie nicht einmal mehr ins Stadion. Eintracht Braunschweig hat der als antifaschistisch und antirassistisch bekannten Fangruppe "Ultras Braunschweig" untersagt "als Gruppe" Spiele des Vereins zu besuchen.

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Braunschweiger Fans (in Mönchengladbach): "Völlig inakzeptabel"
DPA

Braunschweiger Fans (in Mönchengladbach): "Völlig inakzeptabel"


Hamburg - Eintracht Braunschweig hat der Fangruppe "Ultras Braunschweig" (UB01) mit sofortiger Wirkung untersagt, künftig "als Gruppe" Spiele des Vereins zu besuchen. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die der Verein am Freitagnachmittag veröffentlicht hat. Darin heißt es unter anderem: "Da die im Rahmen mehrerer Treffen zwischen Eintracht Braunschweig und den Ultras Braunschweig (UB01/Ultras Curva Nord) getroffenen Absprachen und die durch den Verein ausgesprochenen Anordnungen wiederholt von UB01 missachtet worden sind, wird ihnen der Zutritt zu Spielen von Eintracht Braunschweig als Gruppe ab sofort untersagt. Eine entsprechende Information ist heute an UB01 verschickt worden."

Eingebettet ist das Verbot in eine Erklärung, die mit "Null Toleranz bei Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus" überschrieben ist. Hintergrund der Entscheidung sind offenbar Vorfälle am vergangenen Freitagabend beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach. Wie SPIEGEL ONLINE berichtet hatte, waren die als antifaschistisch und antirassistisch bekannten "Ultras Braunschweig" dort während des Spiels verprügelt und rassistisch beleidigt worden. Der Verein sprach von "vereinzelten rechtsradikalen Äußerungen", von denen in der am Freitag veröffentlichten Erklärung allerdings nicht mehr die Rede ist.

"Nicht zuletzt aufgrund der Ereignisse in Mönchengladbach" habe man, so der Verein, "in der vergangenen Woche täglich intensive Gespräche mit der gesamten organisierten und nicht-organisierten Fanszene geführt und noch einmal die Vereinsphilosophie erläutert". Diese basiere auf einer "gesunden Fankultur ohne Gewalt, ohne Rechtsextremismus und ohne Rassismus". Strafrechtlich auffällige Personen "müssten mit weitreichenden Konsequenzen rechnen".

Überraschend an der Erklärung ist, dass weder auf die Vorfälle in Gladbach näher eingegangen wird, noch irgendwelche Konsequenzen für andere Beteiligte genannt werden. Der Verein hatte zu SPIEGEL ONLINE geäußert, "der Beginn der Auseinandersetzung sei keiner bestimmten Gruppe zuzuordnen" und eine "detailliertere Erklärung" für die kommenden Woche angekündigt. Inwieweit das nun veröffentlichte Statement diese Funktion erfüllen soll, blieb zunächst unklar.

Politisch aufgeladener Konflikt in Braunschweig

Nach Angaben eines Sprechers der betroffenen Gruppe wissen die "Ultras Braunschweig" nicht, was ihnen konkret vorgeworfen wird. Der Verein habe ihnen lediglich per E-Mail dieselbe Erklärung zukommen lassen, die er auch veröffentlicht habe. Die Gruppen-Verbotsverfügung, die kein Stadionverbot für einzelne Mitglieder ist, sondern lediglich das Auftreten als erkennbare Gruppe untersagt, hat Eintracht Braunschweig an sämtliche Bundesliga-Vereine, die Deutsche Fußball Liga (DFL), den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und an die Regionalliga Nord geschickt, in der die Braunschweiger U23 spielt.

Nach eigenen Angaben hatten sich die "Ultras Braunschweig" vor dem Gastspiel in Mönchengladbach beim Verein angemeldet, da dies eine der getroffenen Absprachen gewesen sei, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten. Das mehr oder weniger begründungslose Verbot mache die Gruppe "ratlos und fassungslos", so der Sprecher. Bisher betrafen solche Gruppenverbote praktisch ausschließlich offen rechtsradikale oder extrem gewalttätige Gruppen.

In Braunschweig schwelt schon länger ein Konflikt zwischen unterschiedlichen Gruppierungen, der auch politisch aufgeladen ist. Ein Großteil der Braunschweiger Fanszene begegnet den "Ultras Braunschweig" dabei mit Ablehnung. Der Sprecher des Fanrats von Eintracht Braunschweig, Robin Koppelmann, sagte auf Anfrage: "Uns wurde zu Saisonbeginn mitgeteilt, dass Eintracht UB01 untersagt hat, die Südkurve (Heim) und die Stehplatzbereiche (Auswärts) zu betreten, da Verein und Polizei zu der Einschätzung gekommen sind, dass die Gruppe nach wie vor nicht in die Fanszene integriert ist und ein Aufenthalt dort daher ein Sicherheitsrisiko mit sich bringen würde." Diese Einschätzung teile der Fanrat, so Koppelmann.



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