HoGeSa-Kundgebung in Hannover Eintracht Braunschweig bittet Fans um Demo-Boykott

Die in Hannover geplante Hooligan-Demonstration gegen Salafisten darf stattfinden - sehr zur Sorge von Eintracht Braunschweig. Die Fanbetreuung bittet die Anhänger des Zweitligisten, nicht nach Hannover zu reisen.

HoGeSa-Demo in Köln: 4500 Hooligans und Rechtsextreme griffen Polizisten an
DPA

HoGeSa-Demo in Köln: 4500 Hooligans und Rechtsextreme griffen Polizisten an


Hannover - "Bitte fahrt nicht dorthin, bitte nehmt nicht an dieser Demo teil!": Die Fanbetreuung von Eintracht Braunschweig ist alarmiert. In einem offenen Brief hat sie die Anhänger des Zweitligisten gebeten, der am Samstag geplante Hooligan-Demonstration gegen Salafisten in Hannover fern zu bleiben. "Damit geratet ihr zum einen in das Visier des Staatsschutzes und der Polizei. Außerdem ist das Risiko, in Straftaten verwickelt zu werden, sehr hoch", heißt es in dem Schreiben.

Besonders interessant ist allerdings die folgende Passage, in der die Fanbeauftragen davor warnen, dass antifaschistische Gruppen "die Demo vor Ort genau beobachten, euch dem rechten Spektrum zuordnen und eure Fotos in diesem Zusammenhang in der Öffentlichkeit auftauchen".

Offenbar ahnt der Verein, dass einige seiner Anhänger eine fragwürdige politische Gesinnung vertreten - und ist besorgt um seine Außenwirkung. Denn auch "das positive Bild unseres Vereins insgesamt würde in Gefahr geraten, wenn sich herausstellen würde, dass sich unter den Teilnehmern auch Braunschweiger Fans befinden", schreibt die Fanbetreuung.

Bundesligist Hannover 96 - dessen Fanszene Eintracht Braunschweig in traditioneller Abneigung verbunden ist - distanzierte sich ebenfalls von der HoGeSa-Demo. Stattdessen haben der Verein und Fangruppen zu einer Mahnwache auf dem Stadionvorplatz aufgerufen. Ultras und Hooligans von Hannover kündigten zwar ihr Fernbleiben bei den Gegenveranstaltungen an, hatten sich zuvor aber auch deutlich gegen die Kundgebung ausgesprochen: "Allein die Tatsache, dass Personen mit vermeintlichem Fußballbezug ungefragt eine Demonstration in unserer Stadt anmelden, fassen wir als respektlose Provokation auf", ließen sie in einem gemeinsamen Statement wissen.

18 Gegendemonstrationen angekündigt

Das Verwaltungsgericht Hannover hatte die geplante Anti-Islamismus-Demonstration in der Landeshauptstadt am Donnerstag unter Auflagen erlaubt. Gründe für ein Verbot lägen nicht vor, teilte das Gericht mit, allerdings dürfen die Demonstranten nicht durch die Stadt ziehen, sondern sich nur an einer Stelle versammeln.

Die Polizei hatte die Demonstration zunächst verboten, weil sie Krawalle befürchtete. Bei einer ähnlichen Veranstaltung in Köln hatten vor Kurzem rund 4500 Hooligans und Rechtsextreme die Polizei angegriffen. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, 49 Polizisten wurden dabei verletzt.

Die Gruppe Hooligans gegen Salafisten steht auch als Initiator hinter der Demo in Hannover. Die Organisatoren hatten sich gegen das Verbot in Hannover vor Gericht gewehrt. Die Polizei in Hannover rechnet mit rund 5000 Teilnehmern, bislang sind 18 Gegendemonstrationen angekündigt.

psk

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