Eintracht Frankfurt gegen die AfD Fischers Mission

Dürfen AfD-Wähler Mitglied bei Eintracht Frankfurt sein? Geht es nach Präsident Peter Fischer, lautet die Antwort: nein. Auf der Mitgliederversammlung untermauerte er seine Kritik - und bekam lautstarke Zustimmung.

Eintracht-Präsident Peter Fischer
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Eintracht-Präsident Peter Fischer

Aus Frankfurt berichtet


Peter Fischer ist Präsident von Eintracht Frankfurt. Und Peter Fischer ist erfahrener Medienprofi, der dem Fußball-Bundesligisten seit August 2000 vorsteht. Bei der Mitgliederversammlung der Eintracht begann er seine mehr als einstündige Bewerbungsrede zur Wiederwahl mit diversen Andeutungen zum Hauptthema der Versammlung, ohne das Schlagwort Alternative für Deutschland (AfD) zu nennen. Fischer hatte Ende des vergangenen Jahres in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit einem Satz für Aufruhr gesorgt: "Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der die AfD wählt."

Zu Beginn seiner Rede verkündete Fischer nun das Wachstum auf 50.000 Mitglieder, nannte diese die "eigentlichen Besitzer des Vereins" und betonte die "gesellschaftspolitische Verantwortung" des größten Sportklubs in Frankfurt. Spätestens mit der Bekanntgabe der lebenslangen Mitgliedschaft des derzeit so erfolgreichen Cheftrainers der Bundesliga-Mannschaft, Niko Kovac, zog er den Großteil der 806 anwesenden Mitglieder auf seine Seite und erntete stehende Ovationen.

Der Spannungsbogen war aufgebaut. Fischer hielt Wort, schon im Vorfeld hatte er eine Stellungnahme angekündigt. Zum Abschluss seiner Rede wiederholte er seine Worte und betonte, er werde "nichts zurücknehmen". Wieder erntete der 62-Jährige viel Applaus.

Keinerlei Widerspruch von den Mitgliedern

Zuvor hatte es Befürchtungen gegeben, es könnte auf der Versammlung lautstarke Reaktionen, womöglich sogar Tumulte geben. Die AfD hatte Fischers Vorlage dankbar aufgenommen: Der Landesverband in Hessen zweifelte die Demokratiefähigkeit des Vereins an, stellte in Person der beiden Landessprecher Robert Lambrou und Klaus Herrmann Mitgliedsanträge, für die es laut AfD noch keine Entscheidung gibt.

Mehrere Frankfurter AfD-Funktionäre sollen bei der Mitgliederversammlung in der Wolfgang-Steubing-Halle unter den Mitgliedern gesessen haben und wollten nach Informationen des "Hessischen Rundfunks" eigentlich beim Tagesordnungspunkt "Aussprache" auf die Fischer-Rede antworten. Zu erkennen gab sich aber niemand. Stattdessen gab die Partei am Nachmittag eine Pressemitteilung heraus. Darin kritisierte die AfD Fischers Rede als "eindimensional" und als Versuch, ihre Wähler "zu stigmatisieren".

Nach den Ovationen für Fischers Rede nutzten sieben Mitglieder die Gelegenheit, ihre Meinung in der Diskussion kundzutun - der Präsident erhielt auch hier volle Zustimmung. Ein Redner brachte die Stimmung auf den Punkt: "Nazi, halt's Maul."

In seiner Rede hatte Fischer auch aus Paragraf 14 der Satzung der Eintracht zitiert, in dem es um das Ende der Mitgliedschaft geht. "Der Ausschluss kann nur bei vereinsschädigendem Verhalten besonderer Schwere, insbesondere bei Fällen von Diskriminierung, Rassismus und Gewalt, erfolgen."

Fischer widersprach der Sorge, die Eintracht könne in Zukunft beim Antrag neuer Mitglieder eine "Gesinnungsprüfung" vornehmen, was auch praktisch kaum durchführbar sein dürfte. Die Eintracht werde "das Wahlverhalten nicht überprüfen". Vielmehr sollte es laut Fischer unvereinbar mit den Werten und Idealen des Vereins sein, als Mitglied gleichzeitig die AfD zu wählen - "wenn man ehrlich zu sich selbst ist".

Geschadet hat das Fischer nicht. Er bleibt für vier weitere Jahre Präsident von Eintracht Frankfurt. Bei der Wiederwahl stimmten 648 der 654 wahlberechtigten Mitglieder für ihn, den einzigen Kandidaten. Das entspricht 99 Prozent der Stimmen.

Mit Material der dpa



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