Frankfurts Halbfinalerfolg im Pokal "Sehr suspekt"

Finale! Nach dem Erfolg auf Schalke steht Frankfurt zum zweiten Mal hintereinander im Pokalendspiel. Doch die Feierstimmung ist getrübt: Es geht erneut um Niko Kovacs Wechsel zu den Bayern.

Niko Kovac
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Niko Kovac

Aus Gelsenkirchen berichtet


Das pure Glück umgab Danny da Costa, als er den größten Moment seiner bisherigen Fußballkarriere feiern durfte. "Sowas habe ich noch nie erlebt", sprudelte es nach dem 1:0-Sieg von Eintracht Frankfurt beim FC Schalke aus dem 24-Jährigen heraus, "ich kann es gar nicht in Worte fassen, es ist einfach unglaublich".

Da Costa zappelte, die Augen leuchteten, Frankfurts Verteidiger feierte, dass sein Team das Finale gegen den FC Bayern erreicht hatte. Reaktionen wie diese sind normal, wenn man ein Halbfinale gewinnt. Bei der Eintracht aber herrschte am Mittwochabend längst nicht überall Freude.

Die Fans sangen zwar und hüpften und Niko Kovac bezeichnete den Coup ganz unbescheiden als "nobelpreiswürdig". Allerdings wirkte der Trainer zum Teil sogar noch mürrischer als sein unterlegener Kollege Domenico Tedesco, der sich zu Recht über den Schiedsrichter Robert Hartmann und ein aberkanntes Ausgleichstor in der Nachspielzeit entrüstete.

Statt seine Mannschaft zu loben und seine Freude kundzutun, wolle er erst mal "etwas platzieren", verkündete Kovac, als er auf der Pressekonferenz um sein Statement zum Spielverlauf gebeten wurde.

Bestimmte Leute würden der Eintracht etwas "reinsingen", behauptete er in Anspielung auf Gerüchte über Konflikte mit Sportdirektor Fredi Bobic und eine mögliche Trennung noch vor Saisonende. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass er im Sommer zum FC Bayern wechseln wird. Sonderlich geschickt kommuniziert wurde rund um den Transfer von keinem der Beteiligten.

Gegen Schalke habe man aber gesehen, dass all die Berichte über Konflikte unzutreffend seien, "auf dem Platz, neben dem Platz, hinter den Kulissen: Wir stehen alle zueinander", sagte Kovac mit schmalen Lippen. Sein Ruf hat in den vergangenen Tagen gelitten, und selbst in diesem Moment des sportlichen Erfolgs war zu sehen, wie sehr das an ihm nagt. Das Wagenburggefühl, in das die Kritik die Frankfurter hineingetrieben hat, trug aber wohl auch zum Halbfinalsieg des Außenseiters bei. Gestört hat es jedenfalls nicht.

Nur die Rolle als Krisenkommunikator hat Kovac wieder nicht überzeugend ausgefüllt. Zumal Fredi Bobic ganz anders und nicht minder unsouverän auf das Thema Wechsel zu den Bayern reagiert hatte. An so einem Abend über diese Geschichte sprechen zu wollen, sei "langweilig", fauchte der Sportdirektor, als ein Reporter ihn auf Gerüchte über eine mögliche Trennung vor dem Finale ansprach. "Das könnt ihr schreiben, ich akzeptiere das, das ist auch gar nicht so schlimm, solche Gedanken zu haben, das ist super", sagte Bobic mit genervter Ironie. Er hätte die Sache stattdessen auch einfach aus der Welt räumen können.

Im Video: "Das ist nobelpreiswürdig"

Und weil die Frankfurter im Finale auf Kovacs künftigen Arbeitgeber treffen - die Bayern hatten im zweiten Halbfinale Leverkusen 6:2 geschlagen - wird diese Geschichte immer wieder aufgewärmt werden. In Berlin könne der Trainer nun endgültig "zeigen, was er draufhat", sagte Manager Bruno Hübner, der versicherte, dass "der Niko immer die Wahrheit gesagt hat, aber es kommt halt im Moment sehr suspekt rüber."

Die Spieler hatten sich ebenfalls mit dem bizarren Theater auseinandergesetzt, wie verschiedene Profis schon am Wochenende rund um das 1:4 gegen Leverkusen einräumten. Aber es passt zu diesem Frankfurter Team, dass es sich von solchen Widrigkeiten nicht aus der Bahn werfen lässt. Bobic sprach von einer "unfassbaren Willensleistung" gegen Schalke, und zumindest dieser Befund bleibt unbestritten.

Eine beachtliche Widerstandsfähigkeit gehört zu den zentralen Merkmalen dieses Teams, das die Schlussphase nach einer Roten Karte für den gerade erst eingewechselten Gelson Fernandes in Unterzahl zu überstehen hatte. Nun wolle die Mannschaft sich "die Krone" aufsetzen, sagte Kovac dann zum Ende seiner Erläuterungen, und weil niemand mehr nach den Wirren der vergangenen Tage fragte, besserte sich seine Laune doch wieder etwas.

Ein Sieg im Endspiel von Berlin wäre nicht nur ein schöner persönlicher Erfolg, er würde auch seinen Einstieg bei den Bayern erleichtern. Als Pokalsieger und Bayern-Bezwinger nach München zu wechseln, würde ihm viel von der Anerkennung verschaffen, die er in den vergangenen Tagen verloren hat.

Schalke 04 - Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)
0:1 Jovic (75.)
Schalke 04: Fährmann - Stambouli, Naldo, Kehrer (81. Teuchert) - Caligiuri, Goretzka, Bentaleb, Schöpf - Harit (88. Di Santo) - Burgstaller, Pjaca (52. Konoplyanka)
Eintracht Frankfurt: Hrádecký - Abraham, Hasebe, Russ - Wolf, Mascarell (78. Fernandes), de Guzmán, Willems (72. da Costa) - Boateng (43. Gacinovic), Jovic, Fabián
Gelbe Karten: Harit / Mascarell, Jovic
Rote Karte: Fernandes (79.)
Schiedsrichter: Hartmann
Zuschauer: 60.000

insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
cmann 19.04.2018
1. Kleiner Optimist!
Aber gut, man weiß wer den Beitrag verfasst hat und der Herr Theweleit nicht unbedingtg zu denjenigen gehört die dem FC Bayern und den damit "Verbundenen", ob zukünftig oder vergangen mit großer Objektivität gegenüber traten. Also lieber im Vorfeld des Finales und der Neuverpflichtun Kovacs einige Unwägbarkeiten zu betonen und Zweifel sähen1
grottenolm1 19.04.2018
2. Zwei Gurkentruppen,
eine gurkiger als die andere...
brotherandrew 19.04.2018
3. Der ...
... Wechsel von Niko Kovac zum FCB sollte doch jetzt wirklich kein Thema mehr sein. Was den vor dem Einschlag ins Frankfurter Tor abgepfiffenen Schuss des Schalker Spielers betrifft, wird eben vergessen, dass regeltechnisch das Tor nicht mehr gegeben werden durfte, weil das Spiel eben abgepfiffen war, bevor das Tor erzielt wurde. Schade für Schalke.
hoppelkaktus 19.04.2018
4. Heute schon gegähnt?
Ach, wie traurig: Sie haben es tapfer miteinander ausgespielt - und am Ende wartet die bayerische Schlachtbank. Keine Sau wünscht sich, dass am Ende nur ein Wurstzipfel von ihr übrig bleibt. Aber die Wahrheit ist gnadenlos.
yoda56 19.04.2018
5. Bobic als "Sportdirektor" zu bezeichnen ist zwar objektiv falsch, denn
...er ist ja Vorstandsmitglied, aber hat schon seine Berechtigung, wenn man sieht, dass er mit Brazzo, dem Sportdirektor des FCB Gespräche führt. Bei seinen eigentlichen Vorstandskollegen vom FCB hätte er sicher nicht mal einen 5-Minuten-Termin bekommen. Das sind eben in der Wirtschaft die kleinen Unterschiede - Vorstand ist nicht gleich Vorstand. Im übrigen ist Bobic für mich der große Verlierer - der ganze Umgang mit dem Kovac-Abgang - extrem unprofessionell und gestern schon wieder dieses Gesülze im Zusammenhang mit der roten Karte: "Das ist nicht mehr mein Fußball...ojeoje". Dann mach doch einfach was anderes Fredi - ich denke, die SGE kann gut auf Dich verzichten und nimm den Bruno gleich mit.
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