Aufsteiger Frankfurt: Eintracht aufgedreht

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Eintracht Frankfurt ist die Überraschung der Bundesliga-Saison: Nach acht Spieltagen liegt der Aufsteiger auf dem zweiten Tabellenplatz - und scheint ihn so schnell nicht wieder herzugeben. Manche träumen schon vom internationalen Fußball, doch die Verantwortlichen bleiben lieber bescheiden.

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Eintracht-Spieler: Gemeinsam erfolgreich

Hamburg - Als "Anfängerglück" hatte manch einer den starken Saisonauftakt von Eintracht Frankfurt belächelt. Das Lächeln wurde schmaler, als das Team von Trainer Armin Veh mit vier Siegen in Serie den neuen Startrekord eines Aufsteigers in der Bundesliga aufstellte. Und spätestens jetzt, nach dem Sieg der Frankfurter gegen Hannover 96 (3:1), ist klar: Eintracht Frankfurt ist auf dem besten Weg, sich in der Bundesliga zu etablieren. Mit fünf Punkten Abstand folgt der Club in der Tabelle Bayern München (24 Punkte) auf Platz zwei, vor Schalke 04, Meister Dortmund und Bayer Leverkusen.

Dabei war auch die Partie zu Hause gegen Hannover wieder vom Erfolgsrezept der Eintracht geprägt: Nicht mit einem teuren Kader, sondern mit einer funktionierenden Mannschaftsleistung, gut abgestimmtem Umschaltspiel und einer leidenschaftlichen Offensive gelingt es, Gegner wie Dortmund (3:3) oder Leverkusen (2:1) zu überrumpeln.

Auch gegen Hannover präsentierte sich die Eintracht von Anfang an angriffslustig. Früh brachte Karim Matmour (5. Minute) den Club in Führung. Matmour hatte zuvor in dieser Saison noch nie von Beginn an gespielt, doch nun fügte er sich perfekt ein.

Denn auch dem Algerier kam das Eintracht-Konzept zugute, da es weniger auf Individualisten als auf einem flexiblen und taktisch gut eingestellten Ensemble fußt. Damit geht eine andere Stärke der Frankfurter einher: die Ausgeglichenheit des Kaders. Veh ist es gelungen, aus jungen und neuen Spielern wie Stefan Aigner, Bastian Oczipka oder Pirmin Schwegler ein Team mit einer enormen Leistungsdichte zu schaffen. Zehn Profis haben in dieser Saison für die Eintracht schon getroffen, fast eine gesamte Mannschaft.

Der Erfolg ist auf viele Schultern verteilt

Wenn nicht ein überragender Akteur hervorsticht, sondern der Erfolg auf viele Schultern verteilt ist, schafft das breites Selbstvertrauen. Die Frankfurter überrannten ihre Gäste aus Hannover in der Anfangsphase förmlich. Den Unterschied musste auch Hannovers Trainer Mirko Slomka neidlos anerkennen. Er sieht beim Aufsteiger sogar noch Luft nach oben: "Wenn schon in der Bundesliga bei euch der Presseraum so voll ist, müsst ihr für den internationalen Fußball aber anbauen", sagte er nach der Partie. Es klang durchaus, als meine er es ernst.

Anders als in der Vergangenheit gibt man sich in Frankfurt aber bislang bescheiden. Als traue die Mannschaft, deren erklärtes Saisonziel der Klassenerhalt ist, der eigenen Stärke noch nicht recht. "Es wäre der falsche Ansatz, uns jetzt neue Ziele zu setzen", sagte 2:0-Torschütze Sebastian Jung. Und auch Alexander Meier, der mit seinem fünften Saisontreffer (83.) für die Entscheidung gesorgt hatte, stapelte lieber tief: "Unsere Ausbeute ist gut. Aber wichtig ist der Klassenerhalt, alles andere ist zweitrangig."

Die Eintracht-Fans ließen sich nach der Partie allerdings dazu hinreißen, von ihrem Club als dem kommenden Deutschen Meister zu singen. Noch sind 26 Begegnungen zu absolvieren. Am 10. November wird sich zeigen, wie gefestigt und stark die Eintracht tatsächlich ist: Dann geht es zum überragenden Tabellenersten Bayern München.

Eintracht Frankfurt - Hannover 96 3:1 (2:1)
1:0 Matmour (5.)
2:0 Jung (18.)
2:1 Abdellaoue (43.)
3:1 Meier (83.)
Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner (82. Lanig), Inui (73. Celozzi) - Matmour (89. Hoffer), Meier
Hannover: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Haggui, Rausch - Stindl, da Silva Pinto (77. Pander) - Schlaudraff (30. Sobiech), Huszti - Ya Konan, Abdellaoue (64. Diouf)
Schiedsrichter: Dingert
Zuschauer: 50.500
Gelbe Karten: Schwegler (3), Zambrano (3) - Huszti, da Silva Pinto (2), Diouf, Ya Konan (2)

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insgesamt 21 Beiträge
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    Seite 1    
1. Beginn einer Legende?
Hagen_von_Tronege 21.10.2012
Das ist der Stoff aus dem Fußball-Legenden entstehen: eine verschworene Gemeinschaft, jeder steckt den anderen mit seinem Enthusiasmus an, gute Spieler im oberen Drittel der Leistungsskala aber keine "Diven" - kurz: ein tolles Team. Aber zu erwarten ist, dass zumindest eine "kritische Presse" mit vergifteten Komplimenten dafür sorgt, dass das Team auseinander fällt. Oder der Club aus München mit - gezielten Abwerbegerüchten. Ich drücke der Eintracht die Daumen, dass sie das durchsteht.
2. Aus der Vergangenheit gelernt?
vollpfostin 21.10.2012
So schön die Erfolgsserie auch ist, bleibt doch zu hoffen, daß wenigstens die Verantwortlichen aus der Vergangenheit gelernt haben und nicht wieder von der Champions League träumen. Das hatte man in Frankfurt alles schon zur Genüge und ist dann immer umso tiefer gestürzt.
3.
gegenpressing 21.10.2012
Zitat von Hagen_von_TronegeDas ist der Stoff aus dem Fußball-Legenden entstehen: eine verschworene Gemeinschaft, jeder steckt den anderen mit seinem Enthusiasmus an, gute Spieler im oberen Drittel der Leistungsskala aber keine "Diven" - kurz: ein tolles Team. Aber zu erwarten ist, dass zumindest eine "kritische Presse" mit vergifteten Komplimenten dafür sorgt, dass das Team auseinander fällt. Oder der Club aus München mit - gezielten Abwerbegerüchten. Ich drücke der Eintracht die Daumen, dass sie das durchsteht.
Bisher sinds ja die Dortmunder, die angeblich an Rode rumbaggern. Mal sehen, was noch kommt, aber was die Jungs zur Zeit spielen, ist teilweise ganz groß. Das 2:0 und das 3:1 gestern waren Traumfussball. Bayern hat uns aber nicht wirklich auf dem Radar, die spielen ja derzeit in ihrer eigenen Liga. Dass einige jetzt von Meisterschaft träumen, gehört bei der SGE zur Volklore :-)
4. Lesen.....
Freifrau von Hase 21.10.2012
Zitat von vollpfostinSo schön die Erfolgsserie auch ist, bleibt doch zu hoffen, daß wenigstens die Verantwortlichen aus der Vergangenheit gelernt haben und nicht wieder von der Champions League träumen. Das hatte man in Frankfurt alles schon zur Genüge und ist dann immer umso tiefer gestürzt.
Na, zumindest Hagen von Tronege scheint Ihren Beitrag ja nicht gelesen zu haben. Der träumt nach acht Spieltagen schon von Legenden. Man erinnere nur an Hoffenheim, die sogar mal ganz oben standen und dann umso tiefer fielen. Klar, auch ein Platz 8 wäre für die Eintracht ein Erfolg. Aber Legenden verbindet man nicht mit Platz 8.......
5.
der_durden 21.10.2012
Zitat von vollpfostinSo schön die Erfolgsserie auch ist, bleibt doch zu hoffen, daß wenigstens die Verantwortlichen aus der Vergangenheit gelernt haben und nicht wieder von der Champions League träumen. Das hatte man in Frankfurt alles schon zur Genüge und ist dann immer umso tiefer gestürzt.
Nun, ich denke das Management um Bruchhagen und Hübner sind bescheiden genug, das alles korrekt einordnen zu können. Veh ebenfalls und vor allem er muss dies Vorleben. Die größte Gefahr ist, dass die Mannschaft sich irgendwann unschlagbar hält. Dem muss der Trainer begegnen. Im Moment freue ich mich einfach nur über diesen tollen Fußball, den die Frankfurter zur Zeit spielen. Ich musste auch wirklich sehr lange darauf warten ;-)
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