Frankfurt vs. Nürnberg: Wenn zu viel Sicherheit zum Problem wird

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Das Sicherheitspapier der Deutschen Fußball Liga ist unterschrieben, doch in den Stadien gibt es Woche für Woche neue Auseinandersetzungen. So auch beim Spiel zwischen Frankfurt und Nürnberg - Gästefans stießen während einer Protestaktion mit der Polizei zusammen. Eine Ursachenforschung.

Gästeblock in Frankfurt: Leere Ränge als Protest gegen Fahnenverbot Zur Großansicht
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Gästeblock in Frankfurt: Leere Ränge als Protest gegen Fahnenverbot

Da war es wieder, das oft bemühte Sicherheitsspiel. Diesmal war es die Begegnung zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg, die dieses Label erhielt. Umgangssprachlich werden solche Partien auch als "Problemspiele" bezeichnet. Ab und an wirkt es allerdings eher so, als würden diese Begegnungen erst zu Problemspielen, wenn sie als problematisch eingestuft werden. Und wenn sie in Folge dessen von den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen begleitet werden.

So auch im Fall Frankfurt gegen Nürnberg (Endstand 0:0). Weil die Eintracht-Anhänger in der Vergangenheit (meist auswärts) negativ auffielen - wie Ende Januar beim 1:3 in Leverkusen - und eine besondere Rivalität zum 1. FC Nürnberg besteht, wurden spezielle Maßnahmen beschlossen. So hatte der Verein eigens eine hochauflösende Kamera eingesetzt, um Straftäter schneller und besser identifizieren zu können.

Die zweite Maßnahme: Die Polizei hatte das Mitführen von Fahnen und Transparenten im Gästeblock verboten - aus Angst, dass diese zum Sichtschutz umfunktioniert werden, hinter dem dann Pyrotechnik abgebrannt wird. Dann bringt nämlich auch die teuerste Kameratechnik nichts. Weil also Frankfurt-Fans regelmäßig zündeln, dürfen Nürnberg-Anhänger keine Fahnen mit in den Gästeblock nehmen - während in der Heimkurve welche geschwenkt wurden.

"Die Polizei hat das so entschieden, das ist sicherlich aufgrund der Ereignisse eine begründete Maßnahme", sagte Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader am Sonntag im "Doppelpass" von Sport1. Er äußerte gleichzeitig sein Unverständnis, schließlich hätten sich die Clubanhänger in der Vergangenheit in Sachen Pyrotechnik "nicht gerade hervorgetan".

Fans sollen Pfefferspray gegen Polizei eingesetzt haben

Was dann passierte, kommt aus der Rubrik "selbsterfüllende Prophezeiung". Die Nürnberger Fans protestierten gegen diese Maßnahme. Ein Teil der Anhänger ging gar nicht erst ins Stadion, etwa 800 Club-Fans verließen ihren Block mit dem Anpfiff, um sich dem Protest vor den Stadiontoren anzuschließen. Schon beim Verlassen des Stadions kam es laut Augenzeugen zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Diese setzte nach eigenen Angaben Schlagstöcke ein. Die Anhänger sollen sich mit Pfefferspray gewehrt haben. Zumindest Letzteres wäre neu. Die Beamten hätten Schürfwunden und Augenreizungen erlitten, aber auch unter den Fans soll es mehrere Verletzte gegeben haben. Insgesamt sollen laut Polizeiangaben 19 Polizisten und zwei Ordner verletzt worden sein.

"Wir haben die Polizei darauf hingewiesen, dass wir die Gefahr für größer halten, wenn unsere Fans das Stadion verlassen", so Bader, der aber auch klarstellte: "Dass es draußen zu Gewalt kam, ist überhaupt nicht zu entschuldigen, ganz im Gegenteil." Zu entschuldigen vielleicht nicht, aber sicher zu erklären - wenn man es denn will.

Bei der Eintracht war man am Ende des Tages jedenfalls zufrieden. Schließlich habe es ja auch wirklich Probleme bei diesem Problemspiel gegeben. "Ja, es gab ein großes Aufgebot von Polizei und Ordnungskräften. Aber in der Gesamtbetrachtung scheint das notwendig gewesen zu sein", sagte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann.

Es war mit Sicherheit nicht das letzte Problemspiel.

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insgesamt 63 Beiträge
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1.
nasin_ho 10.02.2013
also ich möchte weder das meine steuern für dilettante polizisten noch für randalierende hirnis ausgegeben wird. das problem wäre sehr einfach und kostengünstig lösbar.
2. Einsatzkosten endlich auf die Vereine umlegen
joot 10.02.2013
Keine Lust mehr das Kasperletheater mit meinen Steuern zu finanzieren.
3.
teekesselchen 10.02.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDas Sicherheitspapier der DFL ist unterschrieben, doch in den Stadien gibt es Woche für Woche neue Auseinandersetzungen. So auch beim Spiel zwischen Frankfurt und Nürnberg - Gästefans stießen während einer Protestaktion mit der Polizei zusammen. Eine Ursachenforschung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-vs-1-fc-nuernberg-protest-beim-sicherheitsspiel-a-882478.html
Das tolle Sicherheitspapier hat nicht dafür gesorgt, dass die Stadien sicherer werden, es hat eher das Gegenteil erreicht. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Fans wodurch vor allem die gemäßigten Fans gegenüber den Krawallmachern an Rückhalt verloren haben. Aber trotzdem gehören die Stadien in Deutschland immer noch zu den sichersten überhaupt und es passiert derzeit kaum etwas. Auch wenn die Medien das immer wieder versuchen anders dazustellen. Zum Artikel: Solange die Polizei sich nicht ordentlich auf diese Spiele vorbereitet und weiterhin mit solchen blödsinnigen Vorschriften die Fans gängelt, muss man sich nicht wundern wenn einige auf die Provokationen aggressiv reagieren. Das Verbot der Fahnen hat ja schließlich nicht die Frankfurter getroffen, sondern nur die, die bisher nicht mit Pyros aufgefallen sind. Dass die Fans Pfefferspray mit ins Stadion gebracht haben sollen um damit Polizisten einzusprühen kann ich nicht glauben. Bisher sind die einzigen die Pfefferspray in rauhen Mengen dabei haben, die Polizisten selber. Schätze mal, da wurde von den was versprüht und Kollegen haben was abgekriegt.
4.
sunhaq 10.02.2013
Was, selbsternannte "Fussballfans" gehen nicht ins Stadium, wenn Sie nicht andere gefährden dürfen? Anstattdessen schlagen sie sich draussen vor der Tür mit der Polizei? Da kann man sich nur fragen, wie diese "Fussballfans" eigentlich ticken, wenn sie gewaltlosen Fussball verweigern und vor der Tür zeigen, worum es Ihnen wirklich zu gehen scheint.
5. ja , aber wenn das neue
viceman 10.02.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDas Sicherheitspapier der DFL ist unterschrieben, doch in den Stadien gibt es Woche für Woche neue Auseinandersetzungen. So auch beim Spiel zwischen Frankfurt und Nürnberg - Gästefans stießen während einer Protestaktion mit der Polizei zusammen. Eine Ursachenforschung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt-vs-1-fc-nuernberg-protest-beim-sicherheitsspiel-a-882478.html
"sicherheitskonzept" nur randale und verletzte bringt, dann macht es wenig sinn. wenn fahnen usw verboten werden, dann braucht es auch bald keine fans mehr im stadion. aber wer bezahlt dann die fußballer und das drumrum?
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