Frankfurt-Trainer Kovac Jetzt soll Gott helfen

Die Zeit von Niko Kovac bei Eintracht Frankfurt ist eine Erfolgsgeschichte. Doch seit der Bekanntgabe seines Abgangs nach München spielt das Team schlecht, die Fans sind sauer.

Niko Kovac
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Niko Kovac

Von Manuel Schubert, Frankfurt


Der Raum, in dem bei Eintracht Frankfurt die Pressekonferenzen stattfinden, liegt auf einer Ebene mit der Tiefgarage. Keine Fenster, wenig Charme. Zur Verschönerung der kargen weißen Wände hat jemand rechter Hand des Podiums immerhin eine Bundesligatabelle angebracht, gut zwei Meter hoch, auf Stoff gedruckt.

Niko Kovac würdigte das Tableau am Freitagmittag dennoch keines Blicks. Warum auch? Der Noch-Eintracht-Trainer und baldige Bayern-Coach weiß, dass seine Mannschaft zuletzt immer weiter im Klassement abgesackt ist. Bis auf den siebten Platz ist das Überraschungsteam aus Frankfurt schon durchgereicht worden.

Und so gibt es am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), im letzten Heimspiel der Saison und gleichzeitig Kovacs letztem Heimspiel auf der Frankfurter Trainerbank, einiges zu verlieren für die Eintracht.

"Minderheiten werden immer viel mehr wahrgenommen"

Mit einer Pleite gegen den plötzlich wieder lebendigen Hamburger SV könnte Frankfurt die vor einigen Wochen noch sicher geglaubte Teilnahme am internationalen Wettbewerb verspielen. Nur: Über Fußball spricht in diesen Tagen kaum noch jemand in Frankfurt. Seit Wochen ist das bestimmende Thema der Trainer selbst. Viele machen Kovac dafür verantwortlich, dass die Eintracht zum Ende einer Saison, die sie lange Zeit auf einem Champions-League-Platz verbracht hat, nun um die Teilnahme am Europapokal zittern muss.

Seit der Wechsel des Kroaten zum Rekordmeister publik gemacht wurde, hat seine Mannschaft alle Ligaspiele deutlich verloren, 1:4 gegen Leverkusen, 0:3 gegen die Hertha und zuletzt sogar 1:4 gegen eine Münchener C-Elf. Einzig im Pokal-Halbfinale raffte man sich zu einem 1:0-Erfolg auf Schalke auf. Das Team wirkt ausgelaugt, aus der zweitbesten Defensive der Hinrunde (18 Gegentore) ist die bislang schlechteste der Rückserie geworden (26 Gegentore).

Naturgemäß kamen Stimmen auf, Kovac erreiche die Mannschaft nicht mehr. Dass der 46-Jährige seinen Spielern Tag und Nacht höchste Konzentration auf die gemeinsame Aufgabe eintrichterte, im Hintergrund aber an seiner privaten Zukunft werkelte, könnte tatsächlich ein Problem sein. Er lässt solche Kritik abperlen. "Minderheiten werden immer viel mehr wahrgenommen", sagte er am Freitag. Die Minderheit, das sind in seinen Augen die Kritiker. Auf der Straße und am Rande des Trainingsplatzes habe er "genau das Gegenteil erlebt".

Kovac trifft derzeit die Fettnäpfchen

In den sozialen Netzwerken und Foren aber ist die Entrüstung auch drei Wochen nach Kovacs Entscheidung pro Bayern kein bisschen abgeebbt. Vielmehr wird in diesen Tagen alles, was Kovac sagt und tut, auf die Goldwaage gelegt. Und er macht es den Kritikern mitunter recht einfach.

Vor dem Heimspiel gegen die Hertha vermutete er, die Fans würden ihn mit Applaus empfangen. Stattdessen gab es ein Pfeifkonzert. Auch dass er nach der Klatsche in München auf Distanz zu seiner Mannschaft ging und sinngemäß sagte, die Spieler hätten ihn dazu überredet, die Europa League zum Ziel zu deklarieren, trug nicht zur Beruhigung bei. Obendrein ließ er sich nach dem Spiel vom Bayern-Chauffeur Bruno Kovacevic zur Familie nach Salzburg hofieren. Ein normales Taxi hätte es auch getan.

So ist Kovac vor dem vielleicht wichtigsten Ligaspiel der Saison gefragt, nicht nur die richtigen Worte an seine matte Elf zu richten, sondern auch das aufgebrachte Umfeld zu befrieden. Er verstehe ja die Enttäuschung, sagte Kovac. "Aber das ist kein Grund, alles in Frage zu stellen. Wir haben zwei Jahre sehr gute Arbeit geleistet."

Um die erhitzten Gemüter abzukühlen, hat sich Kovac für das Hamburg-Spiel etwas überlegt: Alexander Meier, der Frankfurter "Fußballgott" und Publikumsliebling, werde im Kader stehen - und vielleicht sogar eingewechselt. "Eine feine Sache", lobte Kovac seine eigene Entscheidung.

Zwischen dem ehemaligen Eintracht-Kapitän, der aufgrund diverser Verletzungen diese Saison noch keine Minute gespielt hat, und seinem Trainer, knirscht es schon länger. Obwohl Meier seit geraumer Zeit wieder voll mittrainiert, wurde er bislang von Kovac ignoriert. Dass Kovac Meier nun plötzlich bringen will und das auch noch selbst emotional auflädt, lässt sich leicht durchschauen als beruhigende Maßnahme für den verstimmten Eintracht-Anhang.



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mangomann 05.05.2018
1. großer Meier, kleiner Kovac...
Alexander Meier ist einer der herausragendsten Spieler der letzten 15 Jahre überhaupt. Treffsicherheit und Torquote sind von einem anderen Stern. Seine Treue zu Stadt und Verein...wo findet man das heute noch? Sehr sehr selten... Ich glaube, dass Meier mit 35 noch wesentlich mehr drauf hat als viele jüngere. Dass die Verantwortlichen überhaupt darüber nachdenken Alexander Meier für ein weiters Jahr an sich zu binden...da fehlen mir die Worte. An den Gehaltsvorstellungen von Meier kann es wohl eher nicht liegen. Der Mann ist auch für seine Bescheidenheit und seinen Realitätssinn bekannt. Vor vier Wochen wurde noch die tolle Stimmung in der Mannschaft gefeiert. Von einer eingeschworenen Truppe war die Rede. Seit dem Beginn von Kovacgate vergehen keine zwei Tage ohne dass irgend ein Spieler bei Frankfurt seinen vorzeitigen Wechsel trotz Vertrag nicht ausschließen will. Keiner bekennt sich klar zum Verein. "Stand jetzt" ist dort das geflügelte Wort gerade. Und Meier...? Für Frankfurt: 118 Tore in der Liga, 11 im Pokal und 7 in Europa...136 Pflichtspieltore, Torschützenkönig, die Eintracht fast jedes Jahr vorm Abstieg bewahrt. Dieser Spieler sagt er ist wieder fit und will weiter spielen und das in Frankfurt...Dass Bobic und Hübner Alex Meier zur Vertragsunterzeichnung nicht persönlich mit Blumen und Sänfte zu hause abholen...irgendwie unglaublich. Statt dessen gehen die im Sommer wieder auf Einkaufstour und holen die nächsten fünf Wundertüten. Wünsche den Frankfurtern, dass diese Posse mit Kovac bald vorbei ist! Dass ein Mann wie Kovac überhaupt noch in der Position sein darf einem Mann wie Meier mit so einer "großzügigen Geste" einen Abschied von den Fans zu ermöglichen... Ich hoffe sehr, dass die Frankfurter Fans heute ein unmissverständliches Zeichen setzen, dass sie den Fußballgott auch noch nächste Saison auf ihrem Platz sehen wollen.
zuckerpuppe 05.05.2018
2. Private Zukunft?
Man muss den Mann nicht mögen und man darf auch daran zweifeln, ob er der richtige für eine neu aufzustellende Mannschaft des FV Bayern ist. Nicht vorwerfen darf man ihm jedoch, er habe in den letzten Wochen im HIntergrund an seiner privaten Zukunft gewerkelt. Denn es war die berufliche. Und das machen Spieler auch.
Das dazu 05.05.2018
3. So ist das eben
Man kann ganz schnell und leicht eine 2 Jahre währende tolle Arbeit mit einer einzigen unbedachten Entscheidung negieren. Keiner wird sich dann mehr an die 2 guten Jahre erinnern, sondern nur an den unrühmlichen Abgang. Auch wenn man die Entscheidung Pro-Bayern beruflich verstehen kann, menschlich kann man sie nicht nachvollziehen. Hoffen wir für ihn, das er sich damit nicht übernommen hat. Denn in München sind schon ganz andere Namen gescheitert.
Duracellhase 05.05.2018
4. Die alte Leier
Nur weil es im SPON steht, heißt es noch lange nicht, dass tatsächlich die Mehrheit der Fans sich immer noch über den Wechsel von Kovac echauffiert. Vielleicht hat er Recht und er erlebt persönlich etwas anderes. Ich weiß es auch nicht, denke aber, Journalisten sollten sich nicht zu sehr an Debatten in sozialen Netzwerken orientieren. Dort trifft man nun mal in erster Linie die Unzufriedenen an, die anderen haben ja auch keinen Grund sich dort großartig zu äußern und genießen lieber das schöne Wetter. Und ehrlich gesagt kann ich auch dieses Gejammere auch nicht mehr hören. Trainer wie Spieler kommen und gehen, Spiele werden gewonnen und verloren, ganz normale Dinge im Fussball. Man kann sich mal darüber aufregen und dann ist auch gut. Leute, die sich über sowas wochenlang ärgern können, haben m.E. ganz eigene Probleme. Sonnigen Gruß!
ritchie2008 05.05.2018
5. Fehlt da was?
Man muss ja nicht lügen, nur was weglassen um Stimmung zu machen. Der „Fahrer des FC Bayern“ ist seit fast 20 Jahren eng mit Nico Kovac befreundet, er hat sich also einfach von einem Freund zum Flughafen fahren lassen. Aber das würde nicht ins „Spiegelbild“ passen. Und natürlich sind die Fans sauer und sie haben recht. Ohne Kocac ich wäre man nicht 7. der Bundesliga sondern 4. in der 2.Liga also weiter vorne.
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