Eklat um HSV-Spieler Guerrero "Ein Fan hätte jetzt zwei Jahre Stadionverbot"

Eine neue Dimension im deutschen Profifußball: HSV-Stürmer Paolo Guerrero hat einen Anhänger tätlich angegriffen. Fanvertreter fordern eine sofortige Entschuldigung. In den Vereinsforen wird über einen Rauswurf des Peruaners, aber auch das Verhalten der Zuschauer diskutiert.

HSV-Profi Guerrero: Fans fordern schnelle Entschuldigung
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HSV-Profi Guerrero: Fans fordern schnelle Entschuldigung

Von und Frieder Schilling


Manchmal ist Humor einfach fehl am Platz. Als HSV-Torhüter Frank Rost kurz nach der Partie gegen Hannover 96 zum Flaschenwurf seines Mitspielers Paolo Guerrero gegen einen Zuschauer befragt wurde, sagte der 36-Jährige: "Da hat er gut getroffen. Die New York Yankees würden ihn wohl gerne verpflichten." Angekommen vor der nächsten Fernsehkamera behauptete Rost sogar, pöbelnde Zuschauer müssten mittlerweile damit rechnen, etwas zurückzubekommen. Eine seltsame Einstellung für einen hoch bezahlten Fußballprofi.

Die Szene um die es ging, hatte sich wenige Minuten zuvor im Eingang des Spielertunnels abgespielt. Guerrero, anscheinend massiv beschimpft von einem Zuschauer, schleuderte diesem aus kurzer Distanz seine Wasserflasche direkt ins Gesicht. Anschließend mussten Ordner und Mitspieler Joris Mathijsen den Peruaner zurückhalten und in die Katakomben des Stadions zwingen. "Das ist natürlich eine Sache, die auf keinen Fall passieren darf", sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann, "das haben wir Paolo auch gleich gesagt".

Bei den HSV-Fans hat Guerrero gegenwärtig sowieso keinen leichten Stand: "Dass er in der Winterpause so lange in Peru geblieben ist, hat schon für viel Diskussionsstoff gesorgt", sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Faninitiative Pro Fans und langjähriger HSV-Anhänger SPIEGEL ONLINE. "Ziemlich viele Leute haben es nicht nachvollziehen können. Er wird seitdem mit viel Skepsis betrachtet." Der Fußballprofi war mehrere Monate lang nicht aus seiner Heimat nach Hamburg zurückgekehrt, hatte als Grund Flugangst angegeben.

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Ausraster im Fußball: Flaschenwürfe, Faustkämpfe und Kopfstöße
"Als erstes muss sich Guerrero jetzt entschuldigen", forderte Ralf Bednarek gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Bislang habe ich noch nicht viel von Einsicht gesehen, aber heute oder morgen sollte da schon was kommen", so der Abteilungsleiter der HSV-Supporters, mit mehr als 50.000 Mitgliedern Deutschlands größte Fußballfanvereinigung. Er ist sich sicher: "Ein Fan hätte jetzt mindestens zwei Jahre Stadionverbot bekommen."

Die Supporters wollen den betroffenen Zuschauer nun finden, ihm Unterstützung zukommen lassen, ihn wenn möglich mit Guerrero an einen Tisch bringen. "Das wäre mittelfristig die beste Lösung des Ganzen", so Bednarek. Den Rauswurf des Peruaners beim HSV fordert keiner der beiden Fanvertreter. Markthardt geht von einer öffentlichen Entschuldigung aus und "dann ist die Sache irgendwann gegessen", Bednarek reagiert zwar zögerlicher auf die Frage des Verbleibs Guerreros beim HSV, ein sofortiger Rausschmiss aber kommt auch für ihn zu früh.

Im Forum wird der Rauswurf Guerreros gefordert

Ein weiterer Bruch zwischen Fans und Team droht in einer anderen Frage. HSV-Profi Dennis Aogo hatte sich nach der Partie beschwert, die Mannschaft hätte "schon ab der 20. Minute Pfiffe bekommen". Diesen Vorwurf kann Bednarek nicht nachvollziehen: "Ich habe bewusst zur Uhr geguckt, die ersten Pfiffe kamen in der 42. Minute. Und wir haben die Mannschaft in den vergangenen Jahren auch in schweren Phasen unterstützt, da muss jetzt auch mal ein bisschen Kritik zulässig sein." Die Reaktion von Aogo findet er "ein bisschen gereizt". Man habe in den zurückliegenden Tagen mit verschiedenen Aktionen wie Aufklebern und Aufrufen in der Stadionzeitung bei den Fans für Unterstützung geworben.

Derweil wird unter den Anhängern des Bundesligisten bereits heftig über den Vorfall diskutiert. Im HSV-Forum gehen die Meinungen auseinander. Die Aktion des Peruaners wird von fast allen Teilnehmern verurteilt. So schreibt "Sporti1887": "Wenn da nicht eine heftige Geldstrafe und/oder Suspendierung drin ist, weiß ich auch nicht mehr, was noch passieren muss." Auch der Rauswurf von Guerrero wird gefordert.

Doch nicht nur der Flaschenwurf, sondern auch das Verhalten einiger Fans wird kritisiert. Insbesondere die Beschimpfungen werden verurteilt. So meint "Lothar 75": "Ich kann es ehrlich gesagt nachvollziehen, wie Paolo reagiert hat. Wenn man aufnehmen würde, was den Spielern während eines Spiels alles hinterhergerufen wird, dann würde die Mannschaft nicht nur mit Flaschen schmeißen." Und auch "Korn" meint: "Der Fan hat bestimmt nicht nur 'schlecht gespielt, Paolo' gerufen."

Einen vergleichbaren Fall hat es in der Bundesliga bislang noch nicht gegeben. In Europa ruft der Ausraster Erinnerungen an den ehemaligen französischen Nationalspieler Eric Cantona wach. Der Profi hatte 1995 in Diensten von Manchester United beim Spiel gegen Cristal Palace einen Fan, der ihn zuvor wüst bepöbelt hatte, in Kung-Fu-Manier attackiert und war weltweit von der Fifa für ein halbes Jahr gesperrt worden.

Der HSV hat bereits Erfahrung mit Konfliktfällen zwischen Spielern und dem eigenen Publikum. Während eines Champions-League-Spiels bei ZSKA Moskau 2006 streckte der mittlerweile abgewanderte Außenverteidiger Timothée Atouba Teilen der mitgereisten Anhängerschaft den Mittelfinger heraus. Zuvor war der Kameruner von den Fans beleidigt worden, angeblich sogar rassistisch. Bei seiner Auswechslung wurde er zudem mit Bierbechern beworfen. Der Abwehrspieler entschuldigte sich schriftlich für seinen Ausfall und wurde vom HSV intern für zwei Spiele gesperrt. Zudem erhielt er noch eine hohe Geldstrafe.

Eine solche wird Guerrero zweifellos auch erwarten, möglicherweise auch noch eine Sperre durch den DFB. Markhardt zeigt unterdessen Humor: "Damit hat Paolo einen tollen Nebenkriegsschauplatz eröffnet", so der HSV-Fan, "damit lenkt er immerhin ein wenig von der Trainerdiskussion ab".

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Seite 1
frozenplasma 05.04.2010
1. ...
Zitat von sysopDer Flaschenwurf von HSV-Stürmer Paolo Guerrero gegen einen Fan ist in der Bundesligahistorie beispiellos. In den deutschen Stadien sind Pfiffe und Beschimpfungen von Fans gegen Profis Alltag. Wie weit dürfen die Pöbeleien gehen, was müssen sich die Fußballer gefallen lassen?
...angesichts der fantasiegehälter die gezahlt werden müssen sich die herren einiges gefallen lassen, sofern es keine tätlichkeit ist... wer beschimpfungen mit seinem kleine ego nicht vereinbaren kann muss sich nen anderen job suchen...für die meisten ist fussball aber die einzige alternative...oder das amt... daher: kein verständnis, kein klitzekleines! zirkus mit dem fussball jedesmal...grauenvolle clownvorstellungen...
frubi 05.04.2010
2. .
Zitat von frozenplasma...angesichts der fantasiegehälter die gezahlt werden müssen sich die herren einiges gefallen lassen, sofern es keine tätlichkeit ist... wer beschimpfungen mit seinem kleine ego nicht vereinbaren kann muss sich nen anderen job suchen...für die meisten ist fussball aber die einzige alternative...oder das amt... daher: kein verständnis, kein klitzekleines! zirkus mit dem fussball jedesmal...grauenvolle clownvorstellungen...
??? Gibt das den Fans denn das Recht dermaßen harte Beleidigungen vom Stapel zu lassen? Es regen sich ja immer alle auf "Die Kinder. Die armen Kinder!". In der nähe des Fans standen bestimmt auch einige Kinder die diese Beleidigungen mitbekommen haben. Find ich auch nicht sooo toll. Ich will die überbezahlten Profi`s nicht unnötig in Schutz nehmen aber Fans müssen auch nicht meinen, dass Sie ein Pauschalrecht auf Kritik hätten. Gerade der HSV hatt auch Zeiten hinter sich in denen sich die Fans über ein 0:0 gegen Hannover gefreut hätten. Also immer mal schön die Kirche im Dorf lassen. Guerrero (Küsschen) gehört gesperrt und die Fanbeauftragten können auch mal dafür sorgen, dass die Spieler nicht persönlich angegriffen werden. Man stelle sich vor, dass der eigene Chef nach jedem schlechten Arbeitstag ins Büro kommt und einen erstmal richtig persönlich beleidigt. Wer fände das toll? Ich nicht. Wenn man im Moment schon jemanden anbrüllen und beleidigen sollte dann diese Finanzheini`s in Frankfurt. Ich habe aber noch keine Menschenmassen vor den Bankzentralen gesehen.
frendo54 05.04.2010
3. Das ko-Argument...
Zitat von sysopDer Flaschenwurf von HSV-Stürmer Paolo Guerrero gegen einen Fan ist in der Bundesligahistorie beispiellos. In den deutschen Stadien sind Pfiffe und Beschimpfungen von Fans gegen Profis Alltag. Wie weit dürfen die Pöbeleien gehen, was müssen sich die Fußballer gefallen lassen?
..."Bei dem Gehalt muß ein Spieler das aushalten" halte ich für vollkommen abwegig und inakzeptabel. Auf Bild.de findet sich übrigens eine Fotostrecke, die den Wurf detailliert nachvollziehen lässt. Von "ins Gesicht geworfen" ist da nichts zu erkennen - G. hat den "Fan" wohl verfehlt. Allerdings - gar keine Frage: Paulo G. hat sich daneben benommen! Dass allerdings das Gehalt eines Spielers oder der selbst gezahlte, oft nicht unerhebliche Eintrittspreis das entlastende Argument für Pöbeleien aller Art sein darf, möchte ich in Frage stellen. Gerade das feine Hamburger Publikum - bis hin zu den Edel"fans" auf den ganz teuren Plätzen - läßt da gelegentlich massive Zweifel an Kinderstube aufkommen - von einer guten gar nicht zu sprechen. Also: Ball flach halten, den Spieler eine fünfstellige Summe an ein Kinderheim spenden lassen und auf das nächste Spiel konzentrieren. Auch wenns der Jouraille nicht gefällt.
Voll Mann, 05.04.2010
4.
Zitat von frozenplasma...angesichts der fantasiegehälter die gezahlt werden müssen sich die herren einiges gefallen lassen, sofern es keine tätlichkeit ist... wer beschimpfungen mit seinem kleine ego nicht vereinbaren kann muss sich nen anderen job suchen...für die meisten ist fussball aber die einzige alternative...oder das amt... daher: kein verständnis, kein klitzekleines! zirkus mit dem fussball jedesmal...grauenvolle clownvorstellungen...
Was für ein windschnittiges Geseier. Das ist die Mentalität eines Freiers - ich bezahle die Dame, also hat sie zu sein wich ich es will. Bei der Arbeit, im Bett wie auf dem Platz, alles geben und sich auch beleidigen lassen. Wenns vorbei ist dem Freier auch noch Komplimente machen - schön wie du mich erniedrigt hast. OK - wer darauf steht, es ist sein Leben. Ich steh nicht auf Nutten, ich will echte Menschen. Menschen die alles geben und auch mal über das Ziel hinausschießen. Natürlich wird auch nicht der zur Rechenschaft gezogen der jemanden beleidigt, nein- dieser Freier hat ja Eintritt gezahlt, es wird ja nicht mal gefragt was gerufen wurde. Es zeigt aber klar das Gesicht des Massensports - wer zahlt hat Recht, wer bezahlt wird muss kuscheln.
Aljoscha der Idiot, 05.04.2010
5.
Natürlich geht jetzt die große Hexenjagd auf Guerrero los – einige Monate nach der im Zusammenhang mit Robert Enke wie ein neues Dogma verkündeten Erkenntnis, daß Fußballspieler auch Menschen sind, und der großen Forderung nach „anderem Umgang miteinander“. Natürlich hätte Guerrero sich im Griff haben müssen, natürlich muß er in jeder Sekunde auch seines zuletzt recht schwierigen Fußballspielerdaseins präsent haben, daß sein Gehalt in so einem Fall bereits Schmerzensgeld beinhaltet, natürlich, natürlich. Vorgeschichte: Guerrero kommt nach halbjähriger Verletzung zum ersten Mal im eigenen Stadion zurück – und hat das Gefühl, ER wird bei Verkündung des Wechsels ausgepfiffen, weil die Zuschauer bei van Nistelrooys Auswechselung lautstark protestieren. Schon mal sehr feinfühlig, Stadion. Dann geht das Spiel den Bach runter, während die Stimmung auf den Rängen endgültig gespenstisch wird, und beim Gang in die Kabine meint jemand, auf seiner Eintrittskarte steht ausdrücklich: VERBALINJURIEN WIE „SCHWULE SAU, VERPISS DICH ZURÜCK NACH PERU!“ IM PREIS INBEGRIFFEN. Das dürfte im übrigen nur das Minimum der Pöbeleien beschreiben, betrachtet man die Reaktion von Joris Mathijsen, der ebenfalls empört stehengeblieben ist und Guerrero sogar zeigt, wo der feine Herr steht. Guerrero wird einsehen, daß er zurecht bestraft wird, Scheiterhaufen wäre allerdings übertrieben, und auf solche Fans kann prinzipiell jedes Stadion auch verzichten. Ich würde allerdings vorschlagen: Guerrero und den anderen Werfer (nicht umsonst hat die deutsche Sprache mal festgestellt, daß man auch Beleidigungen „an den Kopf wirft“) zu einem gemeinsamen Abendessen mit anschließendem Dia-Abend über Heterosexualität in Peru zwangsverpflichten, Entschuldigung von beiden Seiten, empfindliche Geldstrafe für Paolo, der in Zukunft nach dem Spiel nur noch Caprisonne trinken darf.
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