DFB-Elf vor Oranje-Spiel: Löws heikles Personalpuzzle

Aus Charkiw berichtet

Gomez oder Klose? Wie lange schwächelt Schweinsteiger noch? Und was wird mit Podolski und Müller? Bundestrainer Löw muss im Spiel gegen die Niederlande heikle Personalfragen lösen. Denn eines steht fest: Im Vergleich zur Partie gegen Portugal muss sich die DFB-Elf gewaltig steigern.

Löws Alternativen für die Niederlande: Die Bank macht Druck Fotos
AFP/ UEFA

Fußball ist irrational. Man kann die Dinge bis ins Kleinste planen, aber am Ende entscheidet nicht selten ein Zufall über Sieg und Niederlage. Bundestrainer Joachim Löw weiß um das Unwägbare dieses Sports, er und seine Entscheidungen sind Teil davon. Wenn es um die Aufstellung geht, dann "lasse ich kurz vor einem wichtigen Spiel manchmal alle Gedanken weg und warte auf eine Eingebung", sagte er vor dem zweiten EM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Eine solche Eingebung hat ihm den Entschluss beschert, es zum EM-Auftakt gegen Portugal mit dem Dortmunder Mats Hummels anstelle des etatmäßigen Abwehrchefs Per Mertesacker in der Innenverteidigung zu probieren. Hummels war anschließend einer der großen Gewinner der Partie, hat seinen Stammplatz vorerst sicher und Löws Nimbus als Mann, der vieles richtig macht, gemehrt.

Die nächste Eingebung wird den Bundestrainer einen Tag vor dem Holland-Spiel in Sachen Sturmspitze beschäftigen. Bleibt er bei dem Siegtorschützen von Portugal, Mario Gomez? Oder setzt er auf den in vielen Turnieren bewährten Miroslav Klose?

Für Gomez spricht sein Tor gegen Portugal

"Ich bin niemand, der sagt: Never change a winning team", so Löw. Dennoch ist der Stand der Dinge derzeit, dass sich an der Aufstellung im Vergleich zum Portugal-Match nicht viel oder gar nichts ändern wird. Gomez selbst geht "fest davon aus, dass ich spielen werde", wie er noch am Montag vor der Presse bekräftigte. Der Münchner hat das Pfund auf seiner Seite, gegen die Portugiesen den Treffer des Spiels erzielt zu haben. Für einen Torjäger ist es das stärkste Argument, das er ins Feld führen kann.

Dass Gomez außer seinem Tor beim Auftaktmatch wenig gelang, hat Löw zwar registriert. Dennoch spricht einiges dafür, dass Konkurrent Klose seinen 118. Länderspieleinsatz nur als Einwechselspieler erleben wird - allein um nicht den Eindruck zu erwecken, der Trainer reagiere nachgiebig auf die Kritik an Gomez. Je länger das Turnier dauert, desto größer stehen allerdings die Chancen auf einen Startelf-Platz für Klose.

Gomez ist nicht der einzige, der sich gegen die unter Druck stehende Oranje-Elf wird steigern müssen. Das gilt genauso für alle seine Offensivkollegen, denen gegen die äußerst diszipliniert verteidigenden Portugiesen wenig einfiel. So stehen Lukas Podolski und Thomas Müller, die beide gegen Portugal nur kämpferisch überzeugten, gegen die Niederlande auf dem Prüfstand.

Schweinsteiger unter besonderer Beobachtung

Löw hat auf diesen Positionen auf den Flügeln hochkarätige Alternativen zur Verfügung: Marco Reus, André Schürrle und auch Mario Götze haben den Bundestrainer in der Vorbereitung überzeugt. Ihre Chance könnte spätestens mit dem Dänemark-Spiel am Sonntag (20.45 Uhr) kommen, wenn Müller und Podolski auch gegen Holland schwächeln.

Und noch einer sollte sich keine weitere Partie unter Niveau erlauben. Bastian Schweinsteiger fiel im Portugal-Spiel im Vergleich zu seinen Teamkollegen deutlich ab. Löw hat am Montag zumindest vordergründig noch einmal eine Ehrenerklärung für den Münchner Mittelfeldspieler abgegeben. Er habe nach seinen diversen Blessuren nun wieder genug Matchpraxis gesammelt, um eine Führungsrolle im Team zu spielen. "Von dieser Hinsicht her mache ich mir um ihn keine Sorgen," so der Bundestrainer. Das allerdings ist ein Satz, der in seiner Vieldeutigkeit den Spieler aufhorchen lassen sollte. Schweinsteiger spielt gegen die Niederlande durchaus auf Bewährung. Sein Vereinskollege Toni Kroos steht schon bereit.

Abgesehen vom Ergebnis hat vieles gegen die Portugiesen noch nicht gestimmt beim deutschen Team. Beim DFB hofft man, gegen die Elf von Bondscoach Bert van Marwijk mehr Freiräume zu bekommen als in der Auftaktpartie. "Die Niederlande müssen auf Sieg spielen, sie stehen schon mit dem Rücken zur Wand", sagt Löw mit Blick auf die Pleite von Oranje gegen Dänemark. So gesehen werden sich der deutschen Elf, so das Kalkül, mehr Konterchancen eröffnen - vor allem wenn Löw in der zweiten Halbzeit mit Klose, Reus oder Schürrle ebenso frische wie schnelle Angreifer von der Bank bringen kann.

So ist der Plan vor dem Spiel. Am Mittwochabend kommt dann noch der Zufall hinzu.

Niederlande - Deutschland 20.45 Uhr (in Charkiw)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Willems - van Bommel, N. de Jong - Robben, Sneijder, Afellay - van Persie
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - T. Müller, Özil, Podolski - Gomez
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)

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insgesamt 58 Beiträge
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    Seite 1    
1. Schweinsteiger
verinet 12.06.2012
Zitat von sysopAFP PHOTO/UEFAGomez oder Klose? Wie lange schwächelt Schweinsteiger noch? Und was wird mit Podolski und Müller? Bundestrainer Löw muss im Spiel gegen die Niederlande heikle Personalfragen lösen. Denn eines fest steht: Im Vergleich zur Partie gegen Portugal muss sich die DFB-Elf gewaltig steigern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838391,00.html
....die Frage ist ob man es sich gegen Holland erlauben kann wieder einen so schwachen Schweinsteiger einsetzen zu können.....
2. .....
kospi 12.06.2012
Löw hat nicht nur ein Problem mit der Startelf. Löw größtes Problem ist, dass er, wenn's nicht richtig rund läuft, einfach zu unentschlossen ist und nicht beizeiten auswechselt. In der 80ten Minute noch 'nen Stürmer einwechseln, der noch 'n Tor schießen soll, ist ausgemachter Blödsinn. Das muss einfach schon früher geschehen.
3. Gomez/Klose
Zenturio.Aerobus 12.06.2012
Zitat von sysopAFP PHOTO/UEFAGomez oder Klose? Wie lange schwächelt Schweinsteiger noch? Und was wird mit Podolski und Müller? Bundestrainer Löw muss im Spiel gegen die Niederlande heikle Personalfragen lösen. Denn eines fest steht: Im Vergleich zur Partie gegen Portugal muss sich die DFB-Elf gewaltig steigern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838391,00.html
Ich kann bis heute nicht glauben, dass wir als Sturmspitze außer Gomez und/oder Klose nichts zu bieten haben.
4. Die Frage...
produster 12.06.2012
Die Frage ist, ob man es sich leisten kann, ein Mega- talent wie Reus draußen zu lassen...
5. optional
fisschfreund 12.06.2012
warum muss sich D eigentlich sooo gewaltig steigern? Um die Gurkentruppe zu besiegen, die gegen Dänemark verloren hat wird es auch so reichen.
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