Cristiano Ronaldo: Portugals schärfste Waffe

Von , Opalenica

Er ist eine Tormaschine, gilt als Paradebeispiel eines Ego-Kickers: Cristiano Ronaldo ist einer der besten Fußballer der Welt - und Hoffnungsträger der portugiesischen Nationalmannschaft. Denn der Offensivspieler hat sein Spiel weiterentwickelt - er legt nun auch Tore auf.

AP

Dass sich Spaniens Ilker Casillas die berühmteste Sportzeitung des Landes, die "Marca", aussuchte, um Cristiano Ronaldo zu loben, hatte einen Grund. Das Blatt dringt in jede Ecke Spaniens vor: 2,5 Millionen Leser sehen es jeden Tag auf der Suche nach Fußballneuigkeiten durch. Und jetzt, wo die Welt den besten Ronaldo der Geschichte erlebt, sollte die Welt wissen, dass er seine Meinung geändert hat.

"Ich habe noch nie jemanden auf solch einem Level spielen sehen wie Cristiano. Seine Quote ist unglaublich", sagt der Madrider Torwart. Und dann kam das Überraschende: "Ich hätte nie gedacht, dass die Fans so schnell so beeindruckt sein würden und er so eine große Rolle bei uns spielt. Hoffentlich spielt er nicht in dieser Form bei der EM."

Noch vor drei Jahren hatte Casillas ganz anders geklungen. "Cristiano ist schön und gut, aber im Fußball gewinnen nicht Namen, sondern Männer", hatte er 2009 gesagt, als Ronaldo für 94 Millionen Euro aus Manchester verpflichtet worden war. Ronaldo hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon mit Manchester United die Champions League gewonnen - doch als großer Teamplayer galt er nicht.

20 Torvorlagen - und dennoch Egoist?

Noch deutlicher als Casillas wurde dessen Freundin, die TV-Reporterin Sara Carbonero: "Ronaldo war immer ein Egoist und Individualist auf dem Feld. Real hat ihn trotz allem geholt." Doch die Fakten aus der vergangenen Saison zeigen: Ronaldo hat sich weiterentwickelt. Neben 60 Toren in 55 Spielen hatte er noch fast 20 Torvorlagen zu bieten. Und das ist neu: Der Egomane Ronaldo macht jetzt auch seine Nebenmänner besser, er ist zum Teamplayer mutiert.

Im Trainingscamp des portugiesischen Nationalteams in Opalenica, knapp 50 Kilometer von Posen entfernt, gibt sich Ronaldo vor dem Länderspiel gegen Deutschland am Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ganz gelassen. "Der Druck liegt nicht bei uns. Aber wir werden unser Bestes geben und Spaß haben", sagt er.

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DFB-Gegner Portugal: Große Namen, große Probleme
Doch beim Gruppengegner Deutschland lässt man sich von solchen Aussagen nicht täuschen. Die DFB-Elf weiß: Der Superstar von Real will bei dem Turnier glänzen, denn nur so kann er sich im Kampf um den Weltfußballer-Titel von seinem Kontrahenten Lionel Messi absetzen. Der Argentinier kann sich auf der EM-Bühne naturgemäß nicht präsentieren.

"Ronaldo ist ein cooler Typ" sagte jüngst Mesut Özil, der gemeinsam mit dem Portugiesen bei Real Madrid spielt. Und Sami Khedira, ebenfalls bei den "Königlichen" unter Vertrag, lässt verbreiten, dass der als lebenslustiger Jetsetter abgestempelte Ronaldo mehr arbeite als alle anderen.

DFB-Bundestrainer Löw lässt Ronaldos Spiel analysieren

Auch im Team-Quartier ist er stets der Erste auf dem Trainingsplatz. "Die Meinung der anderen ist nicht so wichtig, das Spiel am Samstag ist da, um Cristianos Klasse allen zu zeigen", sagte Verteidiger Bruno Alves. Portugal präsentiert sich als Einheit - mit Ronaldo als Primus inter Pares, als Erster unter Gleichen.

Er habe gelernt und Änderungen im Spiel vorgenommen, sagt Ronaldo. Hinter der Wandlung des teuersten Spielers des Weltfußballs mag eine Portion Kalkül stecken. Im Verein hat Ronaldo großartige Leistungen gezeigt. Im Nationalteam gelang ihm das selten. Das Turnier in Polen und der Ukraine soll dieses schiefe Bild korrigieren.

Auch Bundestrainer Joachim Löw fürchtet Ronaldo, deshalb ließ er das Spiel des Portugiesen an der Sporthochschule Köln sezieren. Das wenig überraschende Ergebnis: Ronaldo ist Portugals schärfste Waffe. 86,8 Prozent seiner Pässe kommen an. Bei jedem Sprint-Event wäre er ein ernsthafter Gegner. Die 100 Meter läuft Ronaldo in 10,3 Sekunden. Während der Saison gibt es keinen Alkohol. Sein Körperfettanteil liegt bei zehn Prozent.

Und jetzt legt er auch noch Tore auf.

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1. Schartig
Zenturio.Aerobus 09.06.2012
"Cristiano Ronaldo: Portugals schärfste Waffe" Allzu scharf wird schartig.
2. Wir haben doch die Bayern!
Sandbagger 09.06.2012
Alles halb so wild. Die Bayern wissen doch wie man ihn stoppt! Vorausgesetzt, sie haben sich erholt von ihrem "Finale dahoam"...
3.
Sebastian Mellmann 09.06.2012
Zitat von sysopREUTERSEr ist eine Tor-Maschine, gilt als Paradebeispiel eines Ego-Kickers: Cristiano Ronaldo ist einer der besten Fußballer der Welt - und Hoffnungsträger der portugiesischen Nationalmannschaft. Denn der Offensivspieler hat sein Spiel weiterentwickelt - er legt nun auch Tore auf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,837830,00.html
So wie Messi eine Tormaschine bei de WM2010 war ... oh Moment, der hat ja KEIN einziges Tor geschossen. ;-)
4. Starkult
homosapjens 09.06.2012
Es war schon bei der WM 2010 offensichtlich und wird jetzt erneut praktiziert. Es wird doch hauptsächlich über die Mannschaften berichtet, die - egal welche Krauter da sonst noch so rumlaufen - einen Superstar in Ihren Reihen haben. 2010 haben sich die Medien auf Ronaldo, Rooney, Messi und Co. gestürzt. Die Presse und die Fanwelt braucht scheinbar solche Figuren. Die echten Könner wie Xavi,Schweinsteiger bleiben da im Hintergrund, sind zu unscheinbar, zu leise, zu unspektakulär. Aber was haben Ronaldo, Ronny, Beckham, Messi denn schon je international für Ihr Nationalteam bewirkt? Nix! Wollen wir hoffen, dass dies wenigsten für Portugal und Ronaldo so bleibt.
5. was haben wir den gegen die bayern.....
c.heinemann 09.06.2012
Zitat von SandbaggerAlles halb so wild. Die Bayern wissen doch wie man ihn stoppt! Vorausgesetzt, sie haben sich erholt von ihrem "Finale dahoam"...
....die haben doch vorbildlich gespielt,und sind deswegen gegen chelsea gescheitert. Wenn Löw's Mannschaft genauso gut spielt wird,dann wird es schon schief gehen,wenn die Portugiesen auch so gut spielen dann heben die Deutschen wenigsten einen ebenbürtigen Partner gehabt.Ob gewonnen oder verloren oder unentschieden,im moment geht es darum einen guten beginn zu machen. Wie waere es mit einem Spiel,wie zu Anfang der Weltmeisterschaft In Afrika.Viel glück,meine Familie,wenn auch französisch,und ich(deutsch) fiebern mit euch.
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