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4:2-Sieg gegen Griechenland: Spektakel der Spaßfußballer - Deutschland im Halbfinale

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht im EM-Halbfinale. Beim 4:2-Triumph über Griechenland wirbelte die Löw-Elf die gegnerischen Abwehrspezialisten fast nach Belieben durcheinander. Vor allem die neu zusammengestellte Offensive begeisterte. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können.

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Hamburg - Wahlweise Granit oder Beton - die Qualitäten der Abwehr der griechischen Fußball-Nationalmannschaft wurden vor dem EM-Viertelfinale gegen Deutschland häufig mit Baustoffen verglichen. Mit Baustoffen, die für Stabilität und Härte stehen sollen. Als das Spiel am Freitag um 22.38 Uhr abgepfiffen wurde, waren alle Schlagzeilen, alle Expertenmeinungen ad absurdum geführt. Deutschland zeigte den Griechen deutlich die Grenzen auf. Was man der Löw-Elf vorwerfen kann, ist der fahrlässige Umgang mit den Chancen. Denn davon gab es auf deutscher Seite reichlich.

Dank des 4:2 (1:0)-Erfolgs fehlt der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nur noch ein Sieg bis zum Finale. "Wir können stolz sein auf die Mannschaft", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Philipp Lahm (39. Minute), Sami Khedira (61.), Miroslav Klose (68.) und Marco Reus (74.) entschieden das Viertelfinale vor 40.000 Zuschauern in Danzig - und verhinderten die vielfach befürchtete Abwehrschlacht. Georgos Samaras (55.) hatte zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen, Dimitrios Salpingidis den Ehrentreffer erzielt (89.). Doch am Ende war das zu wenig.

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EM 2012: Vier Tore gegen Griechenland
Die deutsche Mannschaft, in der Löw mit Miroslav Klose, André Schürrle und Marco Reus gleich drei neue Offensivspieler brachte, kam bereits früh zu Chancen. In der zweiten Minute setzte Mesut Özil Reus in Szene, der sofort in den Rücken der griechischen Abwehr passte. In der Mitte wartete Klose, doch der Angreifer rutschte aus und verpasste den Ball.

Zwei Minuten später zog Khedira aus der Distanz ab. Den wenig platzierten Schuss konnte Griechenlands Torwart Michalis Sifakis nicht festhalten, Klose verwertete den Abpraller zum vermeintlichen 1:0, doch der Profi von Lazio Rom hatte bei Khediras Abschluss im Abseits gestanden. Griechenlands Versuche blieben überschaubar. Grigoris Makos' Schuss hielt Manuel Neuer im Tor der Deutschen mühelos (7.).

Reus zeigt starkes EM-Debüt

Deutschland agierte zielstrebiger. Im Mittelfeld trieb Khedira immer wieder an, fand in der zwölften Minute Reus, der dann mit links aber deutlich verzog. Der künftige Dortmunder war in seinem ersten EM-Einsatz zunächst deutlich auffälliger als Schürrle. Vor allem das Zusammenspiel mit Özil klappte besser.

Über dieses Duo lief in der 23. Minute die bis dahin beste Aktion. Klose und Reus spielten die griechische Abwehr mit einem Doppelpass aus, dann bediente Reus den freistehenden Özil. Doch der Profi von Real Madrid schoss lediglich Sifakis an. Deutschland spielte weiter auf Angriff. Reus scheiterte in der 24. Minute an Sifakis, dann verzog der 23-Jährige knapp. Eine Minute später war es wieder der Ex-Gladbacher, der abzog. Erneut landete der Ball neben dem Tor.

Griechenland hatte Mühe, sich zu befreien. Sotirios Ninis zwang Neuer in der 32. Minute zu einer Parade. Ansonsten waren die Hellenen in der Defensive beschäftigt. Bei Schürrles Schlenzer (33.) fehlte allerdings rund ein Meter zum Ziel, Khedira scheiterte an Sifakis (36.). Zum Führungstreffer brauchte es eine Einzelaktion von Lahm, der den griechischen Keeper mit seinem Gewaltschuss aus rund 18 Metern ins lange Eck überwand (39.). Es war sein fünftes Tor im 90. Länderspiel - und erinnerte stark an sein Führungstor gegen Costa Rica bei der WM 2006.

Griechischer Jubel währt nur kurz

Von deutschem Offensivdrang war nach dem Wiederanpfiff zunächst nichts zu sehen. Weit in der gegnerischen Hälfte beschäftigte die DFB-Elf die Griechen zwar, blieb aber harmlos. Der Gegner lauerte nur auf Konter. Klare Chancen ergaben sich zunächst auf beiden Seiten nicht. Bis zur 55. Minute.

Schürrle verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball, Griechenland konterte über die rechte Seite. Salpingidis flankte in die Mitte, wo Samaras das Duell mit Jérôme Boateng gewann und Neuer aus kürzester Distanz überwand: 1:1. Der Jubel im griechischen Fanblock war riesig, doch er hielt nicht lange.

Özil setzte den aufgerückten Boateng auf der rechten Seite ein. Die Flanke des Verteidigers verfehlte zwar Klose, doch hinter dem Stürmer rauschte Khedira heran und drosch den Ball volley unter die Latte, Sifakis war chancenlos (61.). Deutschland führte wieder - wenige Minuten später sogar mit zwei Toren Unterschied.

An einem Freistoß von Özil sprangen gleich mehrere griechische Verteidiger vorbei, auch Torwart Sifakis griff daneben. Klose hingegen hatte das richtige Timing und köpfte zum 3:1 ein (68.). Der Angreifer krönte seine starke Leistung mit einer weiteren Torbeteiligung. Özils Vorlage brachte er zwar nicht an Sifakis vorbei, doch den Abpraller verwandelte Reus mit einem sehenswerten Volleyschuss (74.). Das Spiel war entschieden, die deutsche Elf sah ihrem höchsten EM-Sieg der Geschichte entgegen.

Doch Griechenland bekam noch die Gelegenheit für den - zu späten - Anschlusstreffer. Vassilis Torosidis schoss Boatengs Hand im Strafraum an, den Elfmeter verwandelte Salpingidis sicher zum 2:4 (89.). Nach dem 15. Pflichtspielsieg der DFB-Elf in Serie kümmerte das niemanden mehr. "Ich möchte den Deutschen gratulieren. Das deutsche Team war richtig gut, sie haben das Spiel klar bestimmt", sagte Fernando Santos, Trainer der Griechen. Sein Kollege Löw sagte: "Wir sind nicht hektisch geworden, die Tore sind dann zwangsläufig gefallen."

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DFB-Einzelkritik: Überragender Khedira, schwacher Schweinsteiger

Im Halbfinale trifft Deutschland am kommenden Donnerstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den Sieger des Duells zwischen Italien und England.

Deutschland - Griechenland 4:2 (1:0)
1:0 Lahm (39.)
1:1 Samaras (55.)
2:1 S. Khedira (61.)
3:1 M. Klose (68.)
4:1 Reus (74.)
4:2 Salpingidis (89./Handelfmeter)
Deutschland:
Neuer - J. Boateng, M. Hummels, Badstuber, Lahm - B. Schweinsteiger, S. Khedira - Reus (ab 80. Götze), Özil, Schürrle (ab 67. T. Müller) - M. Klose (ab 80. Gomez)
Griechenland: Sifakis - Torosidis, Sokratis, K. Papadopoulos, Tzavellas (46. Fotakis) - Makos (72. Liberopoulos), Maniatis - Ninis (46. Gekas), Katsouranis, Samaras - Salpingidis
Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 40.000
Gelbe Karten: - Sokratis, Samaras

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Tolles Spiel
alex_kidd 22.06.2012
Ein verdienter Sieg. Schweinsteiger ist bei dieser EM der Fehlpasskönig, Boateng war sehr schwach. Schürrle hat in diesem Spiel öfter auf das Tor geschossen als Podolski während der gesamten EM.
2.
BlakesWort 22.06.2012
Ganz ehrlich, nichts anderes habe ich von unserer Mannschaft erwartet, wenn ich doch vom Ergebnis in der Höhe überrascht war. Schauen Sie sich mal Spiele von vor zehn Jahren an. Es ist erstaunlich, wie gut unsere Spieler mittlerweile in der Ballsicherheit geworden sind. Wenn man das Spiel von Spanien über unsere Elf legen würde, man sähe einige Deckungsgleichheiten. Toll gemacht. Aber gegen Griechenland hat wohl jeder einen Sieg erwartet.
3. Neue Sturmspitze Lahm!
horstma 22.06.2012
Vor ein paar Stunden habe ich hier geschrieben, daß D unter anderem deshalb so viel Respekt geniesst. weil fast jeder schiessen kann. Und ich erwähnte die WM 2006, wo Lahm das erste Tor im ersten WM-Spiel für D gemacht hat. Das war von meiner Seite nur als Beispiel gedacht, wie es im Notfall laufen kann. Ich liege immer noch am Boden und lache... anscheinend hat jemand mitgelesen ;-)
4.
bambu 22.06.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht im EM-Halbfinale. Beim 4:2-Triumph über Griechenland wirbelte die Löw-Elf die gegnerischen Abwehrspezialisten fast nach Belieben durcheinander. Vor allem die neu zusammengestellte Offensive begeisterte. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,840491,00.html
Deutschland 4 - Boateng 2
5. Gutes Spiel
LDaniel 22.06.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht im EM-Halbfinale. Beim 4:2-Triumph über Griechenland wirbelte die Löw-Elf die gegnerischen Abwehrspezialisten fast nach Belieben durcheinander. Vor allem die neu zusammengestellte Offensive begeisterte. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,840491,00.html
Schönes Spiel. Aber ich glaub manch einer hat ein anderes Spiel gesehen xD Schon wieder Özil Man of the Match? Naja, der kann anscheind nicht viel falsch machen. Ansonsten war ich vorne eher enttäscuht am Anfang. Keiner mit Zug zum Tor, so dass der Außenverteidiger die Initiative übernehmen muss. Aber ich will nicht meckern! Verdient gewonnen, mal gespannt wer nächste mal spielt!
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