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EM-Teilnehmer Niederlande: Der Feind in meinem Team

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Mal wieder Favorit: Auch bei der EM in Polen und der Ukraine gelten die Niederlande als Titelkandidat. Die in der Offensive hochkarätig besetzte Elf muss kaum einen Gegner fürchten. Eigentlich. Wäre da nicht die schwerfällige Abwehr und die schlechte Stimmung im Team.

Die jüngere Geschichte der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft ist eine Geschichte voller Frust. Der Grund ist ein hochkarätig besetztes Team, das sein Potential nie komplett abruft - und deshalb fast immer vor dem großen Ziel scheitert. Seit dem bisher letzten Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1988 geht das nun schon so.

2012 geht die Mannschaft mal wieder als einer der Favoriten in eine Endrunde. Und anders als 2010 (Vizeweltmeister), 2008 (Viertelfinal-Aus) oder 2006 (Achtelfinal-Aus) soll es nun aber wirklich klappen mit dem Titelgewinn.

In diesem Jahr sind es Arsenals Top-Stürmer Robin van Persie, Inter Mailands genialer Stratege Wesley Sneijder oder Barcelonas Ibrahim Affelay, um die Bondscoach Bert van Marwijk nahezu jede andere Nation beneidet. Dieses Trio allein schreit geradezu nach dem EM-Triumph. Und von Arjen Robben (Bayern München) und Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke 04) ist an dieser Stelle noch gar nicht die Rede gewesen.

Van Marwijk stehen fast so viele Ausnahmekönner zur Verfügung, wie sie der erste Gruppengegner Dänemark in seiner gesamten Fußball-Geschichte kaum hatte. Dieser Luxus führt vor dem Duell der beiden Länder am Mittwoch (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) allerdings zu einer weiteren, altbekannten Geschichte im niederländischen Fußball. Wirklich harmonisch geht es dort angesichts des Konkurrenzkampfs nicht zu. Es gilt: Der härteste Gegner gehört zum eigenen Team.

Genug Raum für schlechte Laune

Im Sturm versucht Schalkes Huntelaar bereits seit Wochen mehr oder minder diskret, gegen sein drohendes Reservistendasein anzustänkern. Der Stürmer gilt in van Marwijks 4-2-3-1-System als chancenlos im Kampf mit Kollege van Persie. Trotz 29 Toren und 13 Vorlagen in der abgelaufenen Bundesliga-Saison.

Währenddessen grämt sich der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart ob seiner fehlenden Perspektiven im Mittelfeld. Van Marwijk vertraut Mark van Bommel und Nigel de Jong auf den defensiven Positionen. Zerstörer, mehr nicht. Davor dürfen wohl Robben (rechts), Affelay (links) und Sneijder zaubern. Kein Platz für van der Vaart. Für schlechte Laune hingegen schon.

Der Erfolg in Polen und der Ukraine wird deshalb auch davon abhängen, ob es der ehemalige Dortmund-Coach van Marwijk schafft, die Stimmung in der Mannschaft nicht zu schlecht werden zu lassen. Denn die Ansprüche sind wie immer alles andere als bescheiden.

Während van der Vaart lediglich von "großem Selbstvertrauen" spricht, wird der Königliche Niederländische Fußball-Verband (KNBV) präziser. Der erwartet vom Oranje-Team mindestens den Einzug ins Halbfinale. "Das ist unser Ziel. Da machen wir kein Geheimnis", sagte KNVB-Direktor Bert van Oostveen. "Die Mannschaft hat viel Potential und ist nahezu identisch mit der vor zwei Jahren bei der WM. Und da standen wir im Finale."

Problemzone Abwehr

In Südafrika besiegte die Mannschaft unter anderem Rekordweltmeister Brasilien. Im Endspiel gegen Europameister Spanien (0:1) stieß Oranje dann an seine Grenzen. Immerhin gilt das Team seit jenem Turnier als ergebnisorientierter. Van Marwijk lässt, sofern das angesichts dieser Offensive überhaupt möglich ist, defensiver spielen als mancher Vorgänger.

Bloß nicht noch einmal so wie bei der EM 2008, als die Mannschaft unter Trainer Marco van Basten bereits nach dem ersten Gruppenspiel, einem begeisternden 3:0 gegen Italien, von der heimischen Presse mit "Oranje Bellissimo" gefeiert wurde. Am Ende scheiterte das Team im Viertelfinale an Russland (1:3 n.V.).

An diese Zeiten erinnerte in der aktuellen EM-Qualifikation kaum etwas. Aus zehn Spielen holten die Niederlande neun Siege und schoss 37 Tore: Platz eins. Einen Makel hat van Marwijks Elf jedoch noch immer: die Abwehr. Es ist bezeichnend, dass in den Niederlanden tagelang um den verletzten Joris Mathijsen gezittert wurde. In der Innenverteidigung gilt der ehemalige Hamburger eigentlich als gesetzt. Nur als moderner Abwehrspieler geht der 32-Jährige eher nicht durch.

Gegen Mannschaften, die schnell umschalten und wendige Stürmer haben, offenbarten er und seine kaum minder schwerfälligen Kollegen John Heitinga, Khalid Boulahrouz und Wilfried Bouma zuletzt regelmäßig Schwächen. Die Herren Dennis Rommedahl und Christian Eriksen, bei den Dänen für die Tore zuständig, freuen sich schon.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Alles Egomanen?
Sandbagger 09.06.2012
Sind die Holländer alle Egomanen oder warum wird da so gezickt? Dachte immer Robben wäre in dieser Hinsicht fast nicht zu überbieten...
2. Bravo
rehabilitant 09.06.2012
Kompliment, Herr Paul, mit dieser Analyse hätten wir schon mal einen der schärfsten Konkurrenten um den Titel aus dem Feld geschlagen. Miserable Abwehr, miserable Stimmung, damit sind die Holländer Ko. Wo ist die Analyse für die Spanier? Zu alt, zu satt, miserable Abwehr?
3. Nach dem bisher letzten Titel 1988
widower+2 09.06.2012
Man sollte eher sagen: "nach dem bisher einzigen Titel".
4. Affelay?
huelin 09.06.2012
Beim ersten Mal dachte ich noch, es sei ein Vertipper, aber der Mann schreibt sich Afellay.
5. Offensichtlich ...
atemlos9 09.06.2012
Zitat von huelinBeim ersten Mal dachte ich noch, es sei ein Vertipper, aber der Mann schreibt sich Afellay.
... mit der heißen Nadel gestrickt, der Artikel ... Das Spiel findet heute (Samstag) statt, und nicht am Mittwoch.
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