Gruppenspiel gegen England: Schwedens Spieler proben den Aufstand

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Bei den Schweden liegen die Nerven blank. Nach der Auftaktpleite gegen die Ukraine gerät vor allem Trainer Erik Hamrén unter Druck aus den eigenen Reihen - keine guten Voraussetzungen für das Duell gegen selbstbewusste Engländer.

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Schweden-Star Ibrahimovic: Gegen England unter Druck

Hamburg - Es habe sich angefühlt, als hätten 15 statt elf Engländer auf dem Platz gestanden, schimpfte Frankreichs Außenverteidiger Patrice Evra nach dem Spiel. Für "Les "Bleus", den angeblichen Geheimfavoriten auf den EM-Titel, hatte es kurz zuvor nur zu einem 1:1 gegen England gereicht. Elf ersatzgeschwächte Gegner hätten laut Evra "gespielt wie Chelsea gegen Barcelona": auf Sicherheit und Defensive bedacht, mit wenig Zug zum Tor.

Mit einem Unentschieden will sich Englands Trainer Roy Hodgson nicht wieder zufriedengeben; im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden am Freitag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) soll ein Sieg her. Dafür ließ der Coach der "Three Lions" im Vorfeld verschiedene Angriffsvariationen üben. Die Fans würden "eine sehr viel entschlossenere englische Mannschaft zu sehen bekommen", versprach Stürmer Danny Welbeck nach dem Training. "Wir werden da rausgehen und uns die drei Punkte holen."

Welbeck soll von Ashley Young mit Pässen versorgt werden und so die schwedische Defensive knacken. Da Englands Star Wayne Rooney nach seiner roten Karte aus dem Qualifikationsspiel gegen Montenegro für diese Partie noch gesperrt ist, übernimmt der 21-jährige Welbeck erneut seinen Platz im Sturm.

Schwedens Trainer in der Kritik

Beim Gegner wittert man einen Vorteil. Dass die Engländer mit ihrer Ersatzoffensive Rooneys Ausfall kompensieren können, daran glauben die Schweden nicht. "Es ist ein Vorteil für uns, dass er nicht dabei ist, ganz klar", sagt Verteidiger Jonas Olsson. Auch für Schweden sind drei Punkte nach der 1:2-Auftaktpleite gegen Co-Gastgeber Ukraine Pflicht, um im Rennen ums Viertelfinale zu bleiben.

Doch während die Engländer sich selbstbewusst geben, herrscht beim Kontrahenten Nervosität. Im Fokus steht der Coach. Schwedens Trainer Erik Hamrén solle seine Startformation und taktische Ausrichtung gegen England gründlich überdenken, forderten die Spieler. Kapitän Zlatan Ibrahimovic etwa legte Hamrén nahe, Johan Elmander für den Bremer Marcus Rosenberg aufzustellen. Mit Rosenberg hatte sich der Milan-Stürmer im Spiel gegen die Ukraine ein verbales Scharmützel geliefert. Ibrahimovic selbst plagt eine Oberschenkelblessur, er sieht seinen Einsatz dadurch aber nicht gefährdet.

Der schwedische Premier-League-Spieler Martin Olsson schlägt seinem Nationaltrainer derweil vor, Christian Wilhelmsson von Beginn aufs Feld zu stellen. "Solche Leute müsste man auf dem Platz haben", sagte der Linksverteidiger - und stellt damit öffentlich die Kompetenz seines Coaches in Frage.

Wettschießen auf das Hinterteil

Doch aufmüpfige Spieler sind nicht Hamréns einziges Problem: Er muss sich heftige Kritik schwedischer Politiker anhören, weil er nicht verhinderte, dass einige Spieler und Teammanager Marcus Allbäck das blanke Hinterteil von Ersatztorwart Johan Wiland mit Bällen beschossen. Wiland hatte im Training am Dienstag beim beliebten Spiel "Ball hochhalten" gepatzt und war deshalb auf ungewöhnliche Art bestraft worden. Die Prozedur wurde gefilmt und kursiert nun im Web.

In der Heimat sorgt das für Unmut. "Menschen, die Verantwortung tragen, sollten sich dessen bewusst sein und sich entsprechend verhalten", sagte etwa Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt. Er forderte sportliche Wiedergutmachung: "Das wichtigste für das schwedische Volk ist, dass wir gegen England gewinnen."

Für derartige Eskapaden waren bislang eher die Engländer gut. Doch die präsentieren sich nach all den Querelen im Vorfeld der EM einträchtig wie selten. Vor allem Rooney hat während seiner Zwangspause offenbar an seinen Führungsqualitäten außerhalb des Platzes gearbeitet: "Ich muss noch mehr die Person werden, die in der Kabine und im Hotel mithilft, dass die Atmosphäre entspannt ist und ab und zu gelacht wird", sagt der 26-Jährige. Falls das gegen Schweden hilft, könnte der Angreifer sein Team im Viertelfinale wieder mit Toren unterstützen.

Schweden - England 20.45 Uhr (in Kiew)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Schweden: Isaksson - Martin Olsson, Granqvist, Mellberg, Lustig - Toivonen, Källström, Elm, Larsson - Ibrahimovic - Rosenberg
England: Hart - Cole, Lescott, Terry, Johnson - Oxlade-Chamberlain, Parker, Gerrard, Milner - Young, Welbeck
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien )

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
alexbln 15.06.2012
sehr peinliche nummer von den schweden. alberne kinderritualer mit dem "po"schießen - da fehlt mir jegliches verständnis , das de trainer sowas nicht unterbindet.
2.
bubbleblaster 15.06.2012
Und was genau soll daran jetzt so schlimm sein? Man könnte bei dieser Empörung ja meinen, jemand sei halbtot geprügelt worden. Und ich dachte immer, die Deutschen seien Empörungsweltmeister.
3.
bubbleblaster 15.06.2012
Und was genau soll daran jetzt so schlimm sein? Man könnte bei dieser Empörung ja meinen, jemand sei halbtot geprügelt worden. Und ich dachte immer, die Deutschen seien Empörungsweltmeister.
4.
pownug 15.06.2012
Mir tut JEDER leid, der sich darüber aufregt, dass die schwedische Mannschaft solche Spielchen macht. Ein Training ist so etwas wie eine private Gesellschaft. Solche Späße gehören dazu und machen eine Mannschaft sympathisch! Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mannschaft ihn gezwungen hat. Da haben bestimmt alle freiwillig mitgemacht... Also warum regt man sich über sowas auf? Einfach mal den Stock aus dem Arsch ziehen und neidisch sein, dass man selbst nicht so etwas erlebt! Peinlich peinlich....
5. Schlimm, schlimm
wühlmaus_reloaded 15.06.2012
Zitat von bubbleblasterUnd was genau soll daran jetzt so schlimm sein? Man könnte bei dieser Empörung ja meinen, jemand sei halbtot geprügelt worden. Und ich dachte immer, die Deutschen seien Empörungsweltmeister.
Dass die "Scharfrichter" so grottenschlecht exekutiert haben. Wie will je einer von denen einen Elfmeter verwandeln ? Als Trainer würde ich die jetzt strafexerzieren lassen. Alles andere ist Kindergarten und bedarf keines weiteren Kommentars.
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