Von Benjamin Knaack
Hamburg - Es ist eine heikle Situation für Giovanni Trapattoni. Der irische Nationaltrainer genießt in seiner Heimat Italien großes Ansehen. Als Coach von Juventus Turin und Inter Mailand feierte er in den siebziger und achtziger Jahren diverse Meisterschaften und Europapokalsiege, als Coach der "Squadra Azzurra" erreichte er 2002 das WM-Viertelfinale. Italiens Trainerlegende Arrigo Sacchi sagt über Trapattoni: "Er ist der Größte von uns allen."
Doch ausgerechnet Trapattoni kann nun die italienische Nationalmannschaft aus dem EM-Turnier in Polen und der Ukraine werfen. Wenn der 73-Jährige mit seinen bereits ausgeschiedenen Iren am Montagabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen die "Azzurri" gewinnt oder ein Remis holt, muss Italien die Heimreise antreten.
Trapattoni gibt sich trotz der Dramatik professionell: "Italien sollte keine Geschenke von uns erwarten", kündigt er an: "Ich denke nur an das irische Team. Es ist meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Iren mit Stolz nach Hause fahren können." Und auch Italiens Trainer Cesare Prandelli ist überzeugt: "Trapattoni wird uns mit seiner Mentalität und Professionalität keinerlei Gefallen tun."
Italiener haben großen Respekt vor Trapattoni
Für Irland war die EM bislang eine einzige Enttäuschung. Nach zwei Spielen steht das Team um Kapitän Robbie Keane punktlos auf dem letzten Tabellenplatz der Gruppe C. Lediglich ein Tor konnten sie bislang schießen - bei sieben Gegentreffern. Zum Auftakt gab es ein 1:3 gegen Kroatien, Spanien demontierte Irland gar 4:0.
Der Auftritt rief denn auch gleich den früheren irischen Nationalmannschaftskapitän Roy Keane auf den Plan: "Kein einziger Spieler hat sich in den zwei Spielen einen Kredit erarbeitet. Deswegen sollte man gegen Italien elf Wechsel vornehmen", sagte der ehemalige Mittelfeldspieler von Manchester United der "Irish Sun".
Mut kann den Iren einzig Trapattonis persönliche Statistik machen - spielerisch spricht nichts für einen Sieg. Doch unter dem Italiener verloren die "Green Boys" noch nie gegen dessen Heimatland. Dreimal trafen beide Teams aufeinander, zweimal gab es ein Remis, einmal siegte Irland 2:0.
Kroaten bauen auf irischen Nationalstolz
Auf italienischer Seite ist der Respekt vor Trapattoni groß. "Ich habe alles von ihm gelernt", sagt Prandelli, der sechs Jahre lang unter dem "Maestro" bei Juventus Turin gespielt hat. Vor dem irischen Team zittert die "Squadra Azzurra" jedoch weniger. "Wenn wir offensiv spielen, sind wir gut. Wir dürfen und müssen keine Angst haben", sagt Prandelli.
Weitaus größere Sorgen bereitet den Italienern das zeitgleich laufende Spiel zwischen Kroatien und Spanien. Wenn es in dieser Partie zu einem Unentschieden mit mindestens jeweils zwei geschossenen Toren kommt, dann kann Italien sich noch so sehr anstrengen - es würde nicht reichen. Spanien und Kroatien wären nach den Uefa-Regeln weiter.
Die Kroaten bauen indes auf den Stolz der Iren: "Sie werden alles tun, um nicht ohne einen Punkt nach Hause zu fahren. Ich würde nicht mit den Italienern tauschen wollen, die unbedingt siegen müssen", sagt Kroatiens Trainer Slaven Bilic und Mittelfeldspieler Luca Modric ergänzt: "Ich habe Robbie Keane eine SMS geschickt. Er hat mir geschrieben, dass sie auf keinen Fall ohne Punkt heimgehen werden", so der 26-Jährige.
Sollte sich Italien dennoch für das Viertelfinale qualifizieren, "dann weil sie es verdient haben", sagt Trapattoni: "Die Zukunft der 'Squadra Azzurra' hängt nicht von mir ab." Das war einmal anders: Für das bislang letzte Vorrundenaus der Italiener bei der EM 2004 war er noch verantwortlich. Es war das Ende von Trapattonis Karriere als Nationaltrainer.
Italien- Irland 20.45 Uhr (in Posen)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Italien: Buffon - Abate, Barzagli, Chiellini, Balzaretti - de Rossi, Pirlo, Marchisio - T. Motta - Cassano, di Natale
Irland: Given - O'Shea, Dunne, St. Ledger, S. Ward - Duff, Whelan, Andrews, McGeady - Keane, Walters
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
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