Von Benjamin Knaack
Hamburg - Es war ein Spiel, über das die Fußballwelt noch 30 Jahre später spricht: Bei der WM 1982 trafen Deutschland und Österreich im letzten Spiel der Vorrunde aufeinander. Die DFB-Auswahl ging 1:0 in Führung, beide Teams stellten daraufhin die Offensivbemühungen ein - und zogen in die nächste Runde ein. Das Nachsehen beim "Nichtangriffspakt von Gijón" hatte Algerien, das aufgrund des Ergebnisses ausschied.
Nun könnte sich die Geschichte in ähnlicher Form wiederholen. Die Ausgangslage in der EM-Gruppe C macht es möglich: Denn Kroatien und Spanien reicht im direkten Duell am Montag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein Unentschieden mit mindestens je zwei geschossenen Toren. Dann wären die Italiener nach den Uefa-Regeln ausgeschieden.
Der "Squadra Azzurra" würde dann nicht einmal mehr ein hoher Sieg gegen die bereits ausgeschiedenen Iren helfen. Dass es dazu kommen wird, geschweige denn, dass sich beide Teams darauf verständigen könnten, hält Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli für unmöglich: "Spanien wird gegen Kroatien auf Sieg spielen. Wir müssen nur an uns denken und dürfen keine Ausreden suchen."
Dabei ist Italien ein gebranntes Kind, was derartige Konstellationen angeht: Bei der EM 2004 scheiterten die "Azzurri" trotz eines Siegs und zweier Unentschieden in der Vorrunde - auch damals war es ein Remis im anderen Spiel, das das Ausscheiden besiegelte. Dänemark und Schweden trennten sich damals 2:2, Italien hatte das Nachsehen.
Von den Spaniern wird ein möglicher Kuhhandel mit Kroatien als Unsinn abgetan. "Es gibt keinen Pakt", sagte Verteidiger Raúl Albiol: "Wir wollen gewinnen und mit sieben Punkten Gruppenerster werden." Und auch Spielmacher Xavi wies derlei Überlegungen zurück: "Wer denkt sich denn so was aus? Das ist kompletter Schwachsinn."
Kroatien gibt sich sehr selbstbewusst
Überhaupt, wer glaube schon daran, dass Spanien mit einem Unentschieden zufrieden sein könnte? "Wir können nur angreifen. Auf ein Remis spielen ist nicht unser Ding", sagte Xavi. Für die Tore soll erneut Mittelstürmer Fernando Torres sorgen, der im ersten Spiel gegen Italien zu Beginn noch auf der Bank gesessen hatte, gegen die überforderten Iren aber mit einem Doppelpack glänzte.
Kroatiens Trainer Slaven Bilic ist sich trotz des hochkarätigen spanischen Kaders mit Torres, Xavi, Andrés Iniesta, Cesc Fàbregas und Co. sicher: "Fußballerisch kann uns niemand etwas vormachen." Der Coach sagt: "Psychisch sind wir sehr stark." Und Kraft habe man sowieso.
Kroatiens größter Star Luka Modric, der nur selten durch starke Worte auffällt, überrascht ebenfalls mit selbstbewussten Ankündigungen: "Wir sind das am besten vorbereitete Team dieser Europameisterschaft", sagt der 26-Jährige: "Ich bin zuversichtlich, dass wir ins Viertelfinale kommen."
Bei den Kroaten steht neben Modric vor allem der Wolfsburger Mario Mandzukic im Mittelpunkt. Nach einer enttäuschenden Saison unter Felix Magath beim VfL hat sich der 26-Jährige zum Top-Scorer seiner Nationalmannschaft aufgeschwungen. Bereits drei Treffer hat Mandzukic bei der EM erzielt - und kokettiert mittlerweile offen mit einem Vereins-Wechsel.
Mit zwei Treffern gegen Spanien würde er seinen Marktwert sicher in die Höhe treiben. Dann könnte Coach Bilic sogar über zwei Tore der Spanier hinwegsehen. Italien allerdings bliebe dann nur noch die Heimreise.
Kroatien - Spanien 20.45 Uhr (in Danzig)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Kroatien: Pletikosa - Srna, Corluka, Schildenfeld, Strinic - Vukojevic - Rakitic, Modric, Perisic - Mandzukic, Jelavic
Spanien: Casillas - Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba - Busquets, Xabi Alonso - Silva, Xavi, Iniesta - Fernando Torres
Schiedsrichter: Stark (Deutschland)
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