Ausschreitungen bei der EM: Russischer Fußball-Verband rügt eigene Fans

Der russische Verband hat das Verhalten der eigenen Fans kritisiert. Diese hatten am Rande des EM-Auftaktspiels gegen Tschechien randaliert und sollen einen Spieler rassistisch beleidigt haben. In Posen sind 14 Fans nach einer Schlägerei festgenommen worden. Beim Deutschland-Spiel blieb es ruhig.

Fanrandale in Lwiw: "Denkt daran, dass ihr unser Land repräsentiert" Zur Großansicht
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Fanrandale in Lwiw: "Denkt daran, dass ihr unser Land repräsentiert"

Hamburg - Der russische Fußball-Verband hat das Fehlverhalten seiner Fans gerügt. "Einige haben sich mit ihrem unehrenhaften Verhalten ins Abseits gestellt", verkündete der Verband am Sonntag. "Wir appellieren an all unsere Fans, die sich in Polen befinden: Bitte, denkt daran, dass ihr unser Land repräsentiert", heißt es in dem Schreiben weiter.

Einige russische Anhänger hatten während des ersten EM-Spiels der Russen gegen Tschechien (4:1) in Breslau Feuerwerkskörper gezündet und sollen den dunkelhäutigen Spieler Theodor Gebre Selassie mit Affenlauten rassistisch beleidigt haben. Nach dem Abpfiff hatten etwa 30 offenbar betrunkene russische Fans mehrere Ordner attackiert, vier waren dabei verletzt worden.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat mittlerweile ein Disziplinarverfahren gegen den russischen Verband eingeleitet. Dieses beziehe sich auf das Abbrennen und Werfen von Feuerwerkskörpern" sowie das Zeigen "unerlaubter Plakate". Der rassistische Vorfall, den die Organisation Football Against Racism in Europe (Fare) gemeldet hatte, werde untersucht.

Schlägereien vor Irland-Auftakt gegen Kroatien

Der russische Verband rügte seine Fans für das Schwenken von Flaggen mit der Aufschrift "Russisches Reich": "Wir sind der Überzeugung, dass solche Personen, die in Sportstätten solche politischen Positionen vertreten, nichts auf den Tribünen verloren haben", hieß es in der Mitteilung.

Auch in anderen Fanlagern ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen: Im Vorfeld der EM-Partie am Sonntagabend zwischen Irland und Kroatien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE ) kam es in der polnischen Stadt Posen zu einer Schlägerei. Insgesamt wurden 14 Personen festgenommen. Das bestätigte die Polizei. Den Angaben zufolge handelte es sich um zehn polnische, drei irische und einen kroatischen Anhänger, die alle in die Auseinandersetzungen verwickelt gewesen sein sollen.

Britische und irische Medien berichteten am Sonntag übereinstimmend, dass die Schlägerei schon im Vorfeld von Hooligans des polnischen Clubs Lech Posen verabredet worden sei. Die Ermittlungen dazu würden noch laufen, teilte die Polizei mit. Mehrere tausend kroatische und vor allem irische Fans hatten am Abend vor dem Spiel in der Innenstadt von Posen friedlich zusammen gefeiert.

Friedliche Stimmung beim DFB-Auftakt

Beim Auftakt der DFB-Auswahl gegen Portugal in Lemberg (Lwiw) (1:0) ist es hingegen weitgehend ruhig geblieben. "Insgesamt waren über 60.000 Besucher in der Stadt, davon 15.000 Deutsche und 6000 Portugiesen", sagte Lwiws Bürgermeister Andrij Sadowij: "Es gab keine ernsten Probleme, keinen Ärger."

Auch Jan Schabacker, Pressesprecher der mitgereisten deutschen Polizisten, sprach von "einem friedlichen Fußballfest. In der Innenstadt hat der eine oder andere etwas zu viel getrunken, aber es blieb alles friedlich. Auch in der Nacht gab es keine Zwischenfälle."

Lediglich im Stadion hatten einige deutsche Anhänger für Ärger gesorgt, als sie mehrfach Papierkugeln aufs Spielfeld warfen und eine Rauchbombe zündeten. "Man muss das Verhältnis sehen: Von 15.000 zündelt ein Bekloppter", sagte Schabacker.

Der Stadionsprecher hatte die deutschen Fans mehrmals zu mehr Fairness aufgefordert. "Ich muss den Fans ein Riesenlob zollen, mit welchem Aufwand sie sich auf den Weg gemacht haben", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und fügte zu den Zwischenfällen im Stadion an: "Das hätte man sich sparen können."

bka/sid/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
martadora 11.06.2012
Zitat:"Auch in anderen Fanlagern ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen: Im Vorfeld der EM-Partie am Sonntagabend zwischen Irland und Kroatien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE ) kam es in der polnischen Stadt Posen zu einer Schlägerei." Es war nicht im Vorfeld des Spieles, sondern um 1 Uhr nachts in der Altstadt, vor einer Kneipe. Und wenn es sich um drei Iren und einen Kroaten handelt, kann man nicht schreiben von einer Auseinandersetzung im Fanlager.
2. Tendenziöse Berichterstattung gegen Russland
glad07 11.06.2012
Zitat von martadoraZitat:"Auch in anderen Fanlagern ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen: Im Vorfeld der EM-Partie am Sonntagabend zwischen Irland und Kroatien (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE ) kam es in der polnischen Stadt Posen zu einer Schlägerei." Es war nicht im Vorfeld des Spieles, sondern um 1 Uhr nachts in der Altstadt, vor einer Kneipe. Und wenn es sich um drei Iren und einen Kroaten handelt, kann man nicht schreiben von einer Auseinandersetzung im Fanlager.
Genauso ist es unfair einen ganzen Artikel samt Überschrift den Russen zu widmen obwohl auch gegen andere Länder eine FIFA-Untersuchung eingeleitet wurde-auch gegen Deutschland!!! Es wurden auch Schläger aus den anderen Ländern festgenommen, aber nur über die russischen werden in allen Zeitungen berichtet!!! Was soll das?
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