EM-Newsblog Frankreichs Fans feiern

Der sechste Turniertag bot Drama pur: Mit Russland in mehr als einer Hinsicht unter Druck, einer Enttäuschung für Schweizer - und einem glücklichen Sieg des Gastgebers. Die Stimmung blieb meist friedlich.

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@@ 23:10 Uhr

Fazit: Heiter bis leicht düster

Was für ein Turniertag: Neben den sportlichen Dramen des Abends produzierte die EM 2016 über den ganzen Tag Schlagzeilen - und sogar diplomatische Spannungen. Bereits am Vormittag bestellte Russland den französischen Botschafter ein, um ihm zu erklären, dass ein "Anheizen" angeblicher anti-russischer Ressentiments die Beziehungen der Länder gefährden könnte. Ein Warnschuss, um für erneutes Fehlverhalten der Fans vorzubeugen?

Das blieb aus, obwohl Russland gegen die Slowakei deutlich unterlag und dem sportlichen Aus bei der EM ein gutes Stückchen näherkam. Noch weiß man nicht, ob der relative Friede von Lille über Nacht hält, aber zumindest das vorläufige Fazit der Polizei dort fiel weniger schlimm aus als befürchtet.

Gut so, denn eigentlich soll eine EM ein Fan-Fest sein - und die meisten Fans sehen das auch so. Freuen durfte sich Frankreich, dessen Mannschaft mit einem last-minute-Sieg als erste das Achtelfinale erreichte.

Wie das friedlich feiernde Gros der Fans den sechsten Turniertag erlebte, zeigen wir Ihnen wie immer in unserer Galerie der Fan-Bilder des Tages.

@@ 22:38 Uhr

Zwei Ausweisungen wegen Waffenbesitz

Es sind kleine, aber radikale Minderheiten, die bei der EM für Unruhe sorgen. Inzwischen ist bekannt, wie viele Personen heute in Lille festgenommen wurden - und wofür.

Bereits gestern wurden demnach sechs Russen wegen Randalierens verhaftet. Heute klickten die Handschellen bisher weitere zehnmal. Vier Personen werden auch über Nacht in Polizeigewahrsam belieben: Eine Russin und ein Ukrainer wegen unerlaubten Waffenbesitzes, zwei weitere Russen wegen Gewalttätigkeiten. Nach Behördenangaben soll das Quartett zeitnah ausgewiesen werden.

@@ 21:45 Uhr

Polizei meldet 16 Festnahmen in zwei Tagen

Rund um das EM-Spiel Russland gegen Slowakei sind in Lille in den letzten zwei Tagen insgesamt 16 Menschen festgenommen worden. Darunter seien auch sechs Russen, die an den Ausschreitungen in Marseille am vergangenen Samstag beteiligt waren, teilte die Präfektur des Départements Nord am Mittwochabend mit. Zudem wurde ein Zug aus London auf dem Weg nach Calais gestoppt und fünf Insassen wegen Trunkenheit festgenommen. Der Präfekt ordnete die Ausweisung dreier Russen und eines Ukrainers wegen Störung der öffentlichen Ordnung an.

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Erneute Ausschreitungen: Polizei geht gegen englische Fans vor

Zu den Zusammenstößen mit englischen Fans am Abend, bei denen die Polizei auch Tränengas einsetzte und mindestens zwei Menschen verletzt wurden, äußerte die Behörde sich nur knapp. Die Polizei habe eine Gruppe von etwa 300 englischen Fans gestoppt, die sich in der Innenstadt bewegten, wo sich auch russische Fans aufhielten. Die Gruppe habe sich danach zerstreut. Russische und englische Fans hatten sich am Samstag in Marseille gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert, bei denen mehrere Personen verletzt wurden.

Die Präfektur kündigte an, die Sicherheitsbehörden würden auch am Abend und am Donnerstag weiter Präsenz zeigen. Für das Spiel in Lille und die Partie England gegen Wales am Donnerstag im nahegelegenen Lens waren verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordneten worden.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass es mit Einbruch der Dunkelheit zu vermehrten Provokationen zwischen russischen und englischen Fans komme: Die Stimmung bleibe gespannt. Bisher sei es der zahlenmäßig stark auftretenden Polizei gelungen, drohende Scharmützel zu unterbinden.

@@ 20:48 Uhr

Zahl des Tages: 134 Dezibel

Bereits vor Anpfiff des zweiten Spiels von Gastgeber Frankreich gegen Albanien im Stade Vélodrome wurden laut Anzeigentafel 134 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: Über 120 Dezibel werden unter anderem von Düsenflugzeugen erreicht.

@@ 19:08 Uhr

Tränengas gegen englische Randalierer

Eskalierte Situation: Zur Straßenschlacht kam es offenbar nach einer Böller-Explosion, auf die sowohl Fans als auch Polizei reagierten
Getty Images

Eskalierte Situation: Zur Straßenschlacht kam es offenbar nach einer Böller-Explosion, auf die sowohl Fans als auch Polizei reagierten

Die bisher ruhige Bilanz ist verdorben: In Lille ist es am Mittwochabend erneut zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen mehrere Hundert englische Fans vor, die vor dem zweiten EM-Gruppenspiel der Three Lions gegen Wales am Donnerstag im nur 30 Kilometer entfernten Lens in die Stadt gekommen waren. Zuvor hatte es Jagdszenen durch die Innenstadt von Lille gegeben.

Auslöser der Jagdszenen in der Nähe des Bahnhofs war ein lauter Knall, den vermutlich ein Feuerwerkskörper verursacht hatte. Daraufhin waren die englischen Fans, die sich vor einem Lokal versammelt hatten, durch die umliegenden Straßen gerannt. Spezialeinheiten der Polizei versperrten ihnen den Weg. Die Auseinandersetzungen dauerten nur wenige Minuten. Dabei wurde auch ein Polizeiwagen demoliert.

Lille war am Mittwochnachmittag Schauplatz der Partie Russland gegen Slowakei. Russische und englische Fans hatten sich am vergangenen Samstag in Marseille gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert, bei denen mehrere Personen verletzt wurden. Wegen der Krawalle im Stadion hatte die Uefa den russischen Verband mit einem EM-Ausschluss auf Bewährung bestraft. Nach Appellen von Sportverbänden und Politikern verhielten sich die russischen Fans bisher weitgehend ruhig. Die Polizei bemüht sich, die verschiedenen Fan-Nationalitäten voneinander getrennt zu halten.

Update 19:36 Uhr: Die Fotos von den Zwischenfällen zeigen Polizeibeamte, die über Sport- und anderer Zivilkleidung nur übergeworfene Westen tragen. Das macht die veränderte Strategie der französischen Polizei sichtbar: Sie setzt nun auf zahlreiche Zivilbeamte, die sich unter die Fans mischen und direkt eingreifen, wenn Situationen eskalieren.

@@ 18:58 Uhr

Knackige Zitate: Nordirlands Michael O'Neill in Hochform

Michael O'Neill: Mag's witzig und schmutzig
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Michael O'Neill: Mag's witzig und schmutzig

Nordirlands Trainer Michael O'Neill lief bei seiner Pressekonferenz am Mittwoch zu verbaler Hochform auf. Im Vorfeld zum Spiel gegen die Ukraine (Donnerstag 18 Uhr in Lyon; Übertragung im ZDF) machte er klar, was er seiner Mannschaft in Sachen Taktik und Performance mit auf den Weg geben würde:

"Was wir neulich Nacht nicht gut gemacht haben, war der schmutzige Teil des Spiels, und das ist etwas, das wir normalerweise immer ganz gut können. Also müssen wir sicherstellen, dass wir morgen Nacht diese schmutzige Seite des Spiels bringen. Und wenn ich schmutzig sage, meine ich natürlich nicht 'vergesst die Regeln', sondern die Intensität der Entschlossenheit."

@@ 18:30 Uhr

Bevor wir das vergessen: Da war noch was in Holland

@@ 18:16 Uhr

Erste Bilanz von Lille: Nur zehn Verhaftungen

Verboten, aber kein Grund für ein EM-Aus: Bengalos im russischen Block
AFP

Verboten, aber kein Grund für ein EM-Aus: Bengalos im russischen Block

Die Polizei hat im nordfranzösischen Lille ein vorläufiges Fazit zum EM-Spiel Russland gegen Slowakei gezogen: Zehn Menschen wurden im Vorfeld des Spiels in Gewahrsam genommen. Das gab die Präfektur des Départements Nord am Mittwoch bekannt. Präfekt Michel Lalande sprach von einer "extrem beruhigenden Bilanz".

Zehn Personen wurden seit Dienstag festgenommen, drei davon wegen Trunkenheit. Drei Russen und einem Ukrainer droht die Ausweisung aus Frankreich. "Der Staatsanwalt befasst sich mit ihren Fällen, wenn es keine Strafverfolgung gibt, werde ich für alle vier die Ausweisung anordnen", sagte Präfekt Michel Lalande kurz vor Spielbeginn. Größere Ausschreitungen gab es demnach vor dem Spiel nicht.

@@ 18:09

extra3 gewohnt bissig:

@@ 17:30 Uhr

Viel Platz in den Fanzonen

Die Fanmeilen, Public Viewings und Fanzonen in Frankreich schöpften ihre Kapazitäten bisher noch nicht einmal zur Hälfte aus, berichtet die Uefa. In fünf Turniertagen hätten sich gerade einmal 720.000 Anhänger zum gemeinsamen Feiern vor den Großbildleinwänden in den zehn EM-Städten versammelt - Platz wäre für 1,7 Millionen Besucher gewesen.

Public Viewing im verregneten Frankfurt (12.06.2016): Kein Anlass für Platzangst
DPA

Public Viewing im verregneten Frankfurt (12.06.2016): Kein Anlass für Platzangst

Den größten Zuspruch hatte das Eröffnungsspiel von Gastgeber Frankreich gegen Rumänien (2:1), das am Eiffelturm in Paris offiziell 45.000 Zuschauer verfolgten. Das teils schlechte Wetter und die Angst vor möglichen Anschlägen dürften sich negativ auf den Besuch der Fanzonen ausgewirkt haben. In einigen deutschen Städten sah das ähnlich aus: Wo man Taucherausrüstungen gebraucht hätte, um die Spiele genießen zu können, blieben die Public Viewings unterdurchschnittlich besucht.

17:27 Uhr

In Marseille verletzter Fan "stabil", aber weiter "ernst"

Der bei den blutigen Ausschreitungen von Marseille am Samstag schwerverletzte Engländer befindet sich weiterhin in einem "ernsten", aber "stabilen Zustand". Das gab der Präfekt der Region Provence-Alpes-Cote-d'Azur am Mittwoch bekannt.

Bei den Krawallen vor dem EM-Vorrundenspiel im Stade Velodrome waren insgesamt 35 Personen verletzt worden. Bei den Angriffen von russischen Hooligans auf englische Fans hatte es regelrechte Jagdszenen in der Hafenstadt gegeben. Der Engländer war bei dem Angriff offenbar von einer Eisenstange am Kopf getroffen worden.

@@ 16:55 Uhr

Deutsche Reaktionen auf Hooligans

Regierungssprecher Steffen Seibert machte am Mittwoch klar, was er davon hält, wenn Manche die Hooligan-Gewalt in Frankreich relativierten. Seibert: Das solle man nicht kleinreden, wie das "internationale Stimmen" zum Teil getan hätten - eine deutliche Anspielung auf den Duma-Vizepräsidenten Igor Lebedew, der die Aktionen der Hooligans öffentlich guthieß.

Regierungssprecher Steffen Seibert (Archivbild)
REUTERS

Regierungssprecher Steffen Seibert (Archivbild)

Nach Einschätzung Seiberts ist es "beschämend genug, dass offenbar auch Deutsche an solchen Ausschreitungen beteiligt waren". Wer nach Frankreich reise, um Randale zu machen, habe dort nichts zu suchen. Ähnlich äußerte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei einem Besuch in Paris. Er befürwortete eine "starke Antwort des Rechtsstaats" auf die Hooligan-Gewalt, diese Antwort werde in Frankreich gegeben. "Ich bin voller Respekt für Schnellverfahren der Justiz", fügte er mit Blick auf erste Verurteilungen nach den Krawallen in Marseille hinzu.

@@ 16:43 Uhr

Unfairer Umgang mit russischen Hooligans?

Russlands Außenminister Sergej Lawrow
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Russlands Außenminister Sergej Lawrow

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte am Mittwoch in Moskau die Festnahme Dutzender Russen in Frankreich. Er sehe darin einen Verstoß gegen internationale Regeln. Die französische Polizei hatte am Dienstag einen Bus mit 43 Russen festgesetzt, elf davon sind inzwischen wieder frei.

Zugleich kritisierte Lawrow das Verhalten russischer Fans. "Es ist inakzeptabel, wie sich einige unserer Bürger benommen haben, die mit Feuerwerkskörpern (ins Stadion) gekommen sind." Wegen der Krawalle hatte die UEFA den russischen Verband mit einem EM-Ausschluss auf Bewährung bestraft.

Russlands Sportminister Witali Mutko schloss am Mittwoch neue Randale durch mitgereiste Fans nicht aus: "Unsere Fans werden ständig provoziert", sagte er am Mittwoch: "Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass sich Ausschreitungen russischer Fans nicht wiederholen werden." Oft würden die Russen aber zu Unrecht bezichtigt. Auch in Russland werde Gewalt in den Stadien abgelehnt.

Russlands größte Sportzeitung "Sport-Express" forderte am Mittwoch, das Land müsse die Fangewalt dringend in den Griff bekommen. "Die Anhänger fliegender Fäuste werden sich bis zur WM 2018 nicht in Luft auflösen", warnte das Blatt. Die WM 2018 findet in Russland statt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Christian Neef: "Schuld haben immer die anderen".

@@ 16:17 Uhr

Rückblick: So schön kann EM sein

Am fünften Turniertag gewann die EM 2016 zunehmend an Dramatik - von überraschenden Ergebnissen, bis hin zuRonaldos peinlichem Fehlverhalten nach dem Spiel gegen Island.

Hier unser Fan-Rückblick auf den fünften Tag:

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Die EM der Fans: Die Höhen und Tiefen des fünften Tages

pat/AP/dpa/sid



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