Albanien vs. Schweiz Xhaka gegen Xhaka

Premiere bei der EM: Erstmals treffen bei dem Turnier zwei Brüder aufeinander. Der Schweizer Granit Xhaka spielt gegen den Albaner Taulant Xhaka - die Vorzeichen könnten kaum unterschiedlicher sein.

AFP

Die Reaktion auf die Auslosung zur Fußball-EM im Dezember vergangenen Jahres fiel verhalten aus. "Das haben wir uns als Letztes gewünscht", sagte Granit Xhaka, kurz nachdem David Trezeguet der Schweiz Albanien zugelost hatte. Damit stand fest, dass es erstmals in der Geschichte der Europameisterschaft zu einem Duell zweier Brüder kommen würde. Granit Xhaka spielt für die Schweiz, sein Bruder Taulant entschied sich, für die albanische Nationalmannschaft aufzulaufen.

Eine bislang einmalige Konstellation, die aus der Historie der Familie resultiert. Die Eltern, Ragip und Eli Xhaka, flohen 1990 vor dem sich anbahnenden gewaltsamen Konflikt zwischen Serben und Albanern aus dem Kosovo in die Schweiz. 1991 wurde Taulant in Basel geboren, nur eineinhalb Jahre später kam Granit auf die Welt. Beide profitierten früh von den optimalen Trainingsbedingungen in der Schweiz. Schnell deutete sich das große Talent beider Spieler an.

Granit gelang schon mit 17 Jahren der Sprung in die erste Mannschaft des FC Basel. Im Jahr 2010 debütierte auch Taulant für den Schweizer Serienmeister. Beide absolvierten über 40 Spiele für Schweizer Jugend-Nationalmannschaften. Frühzeitig nahm der Vater Kontakt zum albanischen Verband auf - ohne Erfolg. Eine Entscheidung, die die Verantwortlichen von damals heute bereuen werden.

Durchbruch in der Bundesliga

Peter Knäbel, ehemaliger technischer Direktor des Schweizer Fußballverbandes und Ex-Nachwuchschef des FC Basel, beschrieb Granit einst als "kreativen und feinfüßigen Strategen". Bruder Taulant war in seiner Spielweise hingegen limitiert, galt aber immer als unangenehmer Gegenspieler.

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Nach ersten Erfolgen in der Heimat (u.a. Meisterschaft 2011) trat Granit im Sommer 2012 in der Bundesliga an. Für 8,5 Millionen Euro wechselte der Linksfuß zu Borussia Mönchengladbach. Dort entwickelte sich der defensive Mittelfeldfeldspieler zu einem Akteur von internationalem Format. Die Karriere seines Bruders verlief weniger steil. Taulant wurde im Januar des selben Jahres an die Grashopper Zürich ausgeliehen, 2013 kehrte er zu seinem Stammverein zurück.

Der damalige Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, Ottmar Hitzfeld, erkannte das große Potenzial Granits. Nach ersten Treffen im Jahr 2011 war dem 25-Jährigen schnell klar, dass er weiter für sein Geburtsland spielen wollte. Auch sein Bruder war in die Gespräche involviert, nominiert wurde Taulant für die Auswahl aber nie.

Auch deshalb entschied er sich 2014 endgültig gegen ein Engagement im Schweizer Nationalteam. Gianni de Biasi, Trainer der albanischen Auswahl, überredete den Rechtsverteidiger, in Zukunft für Albanien zu spielen. Es war am Ende keine Entscheidung gegen die Schweiz, denn diese hatte ihm nie einen Platz angeboten. Stattdessen war es eine Entscheidung für eine Perspektive. In der albanischen Auswahl spielt Taulant seither mit vielen Schweiz-Albanern zusammen. Abwehrchef Logik Cana sowie Frédéric Veseli wuchsen ebenfalls im Alpenstaat auf. Hinzu kommt Freiburgs Amir Abrashi, der mit der U21 der Schweiz an den Olympischen Spielen teilgenommen hat.

Taulant sammelt Titel, Granit bricht Rekorde

Während Taulant mit dem FC Basel weiter Titel sammelte (mittlerweile vier Meisterschaften), stellte Granit sein spielerisches Vermögen in der Champions League unter Beweis. Nach jahrzehntelanger Abstinenz zog Borussia Mönchengladbach 2015 wieder in die Königsklasse ein. Trotz achtbarer Leistungen gegen Manchester City, Juventus Turin und den späteren Europa-League-Sieger FC Sevilla schied man letztlich als Gruppenletzter aus. Doch das Auftreten von Granit weckte Begehrlichkeiten. Schnell wurde er mit englischen Top-Teams in Verbindung gebracht.

Der Transfer, der sich schon länger abgezeichnet hatte, wurde im Mai dann für perfekt erklärt. Granit Xhaka wird im Sommer für 45 Millionen Euro zum FC Arsenal wechseln. Damit ist er der teuerste Schweizer der Fußballgeschichte, zudem brachte er Gladbach einen Rekorderlös ein.

Von solchen Superlativen kann sein Bruder derzeit nur träumen. Mit Albanien und dem FC Basel nimmt Taulant auf internationaler Bühne fast immer eine Außenseiterrolle ein. In der Gruppe A kann sich das Team, das sich erstmals für die Endrunde einer Europameisterschaft qualifiziert hat, lediglich gegen Rumänien ernsthafte Chancen ausrechnen. Am Ende wird er seinem Bruder und seinem Heimatland wohl den Vortritt lassen müssen. Wie so häufig in seinem Leben.



insgesamt 7 Beiträge
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Olberich Gesand 11.06.2016
1. Das hat doch mit Nationalmannscahften nichts mehr zu tun.
Wenn nun schon Dynastien untereinander spielen. Wie die Prinzen am englischen Königshof des 16. Jahrhunderts eine Art Tennis gegeneinander spielten.
RedEric 11.06.2016
2. ja und?
so eine Konstellation gabs bei der WM mit den Boatengs auch schon. Warum dies so reißerisch aufgehängt wird ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.
thomasconrad 11.06.2016
3. @Olberich, Kommentar #1
Hat mit Dynastien wenig zu tun, eher mit durch Bürgerkriege erzwungene Wahl zwischen Geburts- und Herkunftsland, eine Wahl vor der ich nicht stehen möchte
archontas 11.06.2016
4. Das interessante ist ja um nicht ein anderes Wort zu benutzen
Das beide ja Schweizer sind und definitiv keine Albaner, denn wenn schon Kosovaren die ja nun eine eigene Mannschaft stellen können! Aber wettmafia Technisch sicher das interessanteste spiel der EM. So viel Druckmittel auf so viele Spieler in einer Partie, da kann die wettmafia anderswo nur träumen! Ach ja, Ein weiterer Grund, dass der Tauland weniger erfolg hat, sind sicher seine Clubbesuche in Zürich die er meist alkoholisiert verlässt!
archontas 11.06.2016
5. @3.
Also Geburt und Herkunft sind bei beiden Schweiz! Die Eltern stammen aus dem anerkannten Kosovo! Es war, mindestens für den untalentierten der beiden, nur eine Entscheidung des Geldes für einen fremden Staat zu spielen!
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