Götze zur Kritik an DFB-Offensive "Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum"

Deutschland hat beste Aussichten auf das EM-Achtelfinale, doch begeistern konnte die Mannschaft bisher nicht - vor allem der Angriff wird kritisiert. Müller und Götze wünschen sich dabei mehr Objektivität.


Thomas Müller und Mario Götze haben in Évian die Berichterstattung rund um die Leistungen der DFB-Elf kritisiert. "Man wünscht sich manchmal mehr Objektivität", sagte Thomas Müller. Als Offensivspieler werde man vor allem daran gemessen, wie viele Tore fallen. Dabei werde nicht die "gesamtheitliche Leistung für die Mannschaft berücksichtigt".

Mario Götze reagierte noch recht gelassen: "Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum", sagte der deutsche Angreifer. Er sei professionell genug, mit der Kritik umzugehen. Auch Müller erklärte, das Team dürfe die Vorwürfe nicht zu nah an sich rankommen lassen. Es sei vollkommen normal, bei einer EM oder WM nicht in jedem Spiel voll und ganz zu überzeugen.

Dazu stellte Müller klar, dass er die Kritik auch bei erfolgreichen Turnieren fast schon gewohnt sei: "So richtig begeistert wart ihr ja noch nie von uns. Außer beim 7:1 gegen Brasilien, aber da war es auch nicht schwer, begeistert zu sein." Mit Blick auf das Spiel gegen Nordirland am Dienstag (18 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) sagte er: "Ich würde auch einen zähen Sieg wieder nehmen und das Geschriebene dann einfach ertragen und mit ins Achtelfinale nehmen."

Auch Müller hätte sich bei den bisherigen Auftritten gegen die Ukraine und Polen mehr Durchschlagskraft und Effektivität gewünscht. Gegen den dritten Gruppengegner werde das allerdings nicht leichter werden: "Nordirland wird von der ersten bis zur letzte Minute eher ans Verteidigen denken. Sie werden auf jeden Fall mit sehr vielen Spielern um den eigenen Strafraum agieren." Dennoch ist der Angreifer zuversichtlich: "Wir sind nicht beunruhigt. Es ist keine Frage, dass wir Favorit sind." Und auch Götze zeigte sich siegessicher: "Wir haben eine gute Ausgangsposition, die Gruppe zu gewinnen."

Bierhoff: "Jeder weiß, dass wir noch zulegen müssen"

Als Oliver Bierhoff das Podium betrat, wurde nochmals klar, was Müller von der aktuellen Berichterstattung hält. Er wünschte dem Manager des DFB-Teams im Vorbeigehen "viel Glück".

Bierhoff sieht noch Verbesserungsbedarf bei der deutschen Mannschaft: "Jeder weiß, dass wir noch zulegen müssen. Wir zeigen noch nicht die Effektivität, die wir schon gehabt haben." Die Kritik sei jedoch vor allem in Bezug auf Götze "nicht differenziert genug". Dieser führe seine Rolle in der Sturmspitze, die er bei Bayern nicht hatte, sehr gut aus. Bierhoff forderte vor allem Geduld: "Wir müssen der Mannschaft zugestehen, dass sie das Spiel kontrolliert und eben auf diesen einen Moment wartet", sagte er. Deutschland sei keine Mannschaft, die "die Brechstange benutzt".

Seine gute Laune hat der Manager trotz der Kritik an der deutschen Offensive noch nicht verloren. Auf die Frage eines niederländischen Reporters, ob Bierhoff das Oranje-Team in Frankreich fehle, sagte er: "Natürlich vermisst man die niederländische Nationalmannschaft, vor allem um sie dann zu schlagen."

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aev

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
alkman 19.06.2016
1. mal der Hund, mal der Baum....
das verstehe ich nicht, mit dem Baum schon, aber nicht mit dem Hund. Die deutsche Sportpresse ist aber schon chronisch unzufrieden und mäkelfreudig. Man muß aber sehen, daß noch bei keiner WM oder EM jemand mit 7 Weltklasse-Leistungen durchs Turnier gegangen ist. Es gab immer Gurken dazwischen, und die muß man auch überstehen. Die Analysatoren müssen eben Sendezeit und Druckseiten ausfüllen und nehmen sich dabei unheimlich wichtig. Diese ganze Vor- und Nachberichterstattung, Ballbesitz- und Zweikampfstatistiken können mir eigentlich gestohlen bleiben, noch mehr die Sofortinterviews, ausgenommen Mertesacker. Und selbst wenn die deutsche Mannschaft gegen Nordirland verliert und vielleicht als Gruppendritter weiterkommt, ist damit noch nichts verloren. Die Österreicher freuen sich über 0:0 gegen Portugal, die deutsche Presse mäkelt über das 0:0 gegen Polen. Also bitte: alles niedriger hängen!
at.engel 19.06.2016
2.
Die letzte Generation, die wirklich begeistert hatte, ging gerade in Rente, als ich anfing, mich für Fußball zu interessieren. Seitdem steht die Deutsche Mannschaft für alles mögliche, in erster Linie aber das, was man im "Ausland" Realismus nennt: Langweiligen, aber soliden Fußball, Durchhaltevermögen bis zum Schluss, und wenn sie eine Chance haben, nutzen sie die auch. Richtig begeistern tut sie eigentlich nie. Dazu bräuchte es ja auch mal ein paar Persönlichkeiten. Irgendwie Typen mit Charisma oder so etwas - egal wie sie jetzt spielen. Ich meine, Mario Götze zum Beispiel... der hat ungefähr soviel Ausstrahlung wie ein feuchter Händedruck... Löw vermittelt so die gepflegte Langeweile einer schwäbischen Reihenhaussiedlung... Müller, nett, unverbindlich... Wo soll da so etwas wie Begeisterung aufkommen.
mrmink 19.06.2016
3. einfach schlecht
Götze hat einfach nicht die Klasse um international zu spielen. Auch bei der WM hat er ausser dem einem Tor im Finale völlig enttäuscht. Weil er nicht konstant gut ist hat er auch in München kaum gespielt und wird auch nächste Saison kaum zu Einsätzen kommen. Er ist maximal ein Einwechsel Spieler und so sollte er auch in der Nationalmannschaft eingesetzt werden, dann kann er ja wieder das eine Tor schießen
tubolix 19.06.2016
4. Der Titel ist das Ziel
Lieber ein langweiliges Spiel gewonnen als ein schönes verloren. Gezählt wird am Ende. Gegen die Iren aus dem Norden reicht ein Unentschieden. Warum also jetzt Kräfte verschwenden, welche später dringender gebraucht werden ?
didohaun 19.06.2016
5. Luft nach oben
Natürlich erwarten die Anhänger der deutschen Mannschaft, wie eigentlich immer, zumindest das Halbfinale. Als amtierender Weltmeister ist das hier bei der EM auch nicht ganz unberechtigt. Gegenüber den bisherigen zwei Spielen muss sich vor allem die Offensive gewaltig steigern, wenn man gegen bessere Gegner weiter kommen möchte. Die Angriffsbemühungen sind meist schematisch und von wenig Dynamik geprägt, was bessere Abwehrreihen, so wie die Polen zum Beispiele, kaum in Bedrängnis bringen kann. Mehr Risikobereitschaft bei den Steilpässen aus dem Mittelfeld würde die Sprintbereitschaft der Sturmspitzen möglicherweise erhöhen. Dazu fehlt es noch an ausreichend aggressivem Gegenpressing, was insbesondere unserem Mesud abgeht, der wieder mal sehr pomadig auftritt. Unser sprichwörtliches Turnierglück ist uns bis jetzt ja noch treu, jedoch sollte es man nicht überstrapazieren.
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