Fußball-EM 2016 Die vertrottelten Spanier und Engländer sind schuld

Hat der Fußballgott Urlaub? Von Frankreich, Deutschland, Spanien, England und Italien kann nur einer das EM-Finale erreichen. Dafür wird ein krasser Außenseiter im Endspiel stehen. Wie konnte das passieren?

Hä? David de Gea, Sergio Busquets und Jordi Alba
AFP

Hä? David de Gea, Sergio Busquets und Jordi Alba

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Oben lebt man sorgenfrei und ohne Angst vor der Zukunft. Unten ist jeder Tag eine neue Qual, das Leben ist von Entbehrungen gekennzeichnet. Was klingt wie die Sozialkritik von "Downton Abbey" oder zumindest das Konzept von "Promi Big Brother", lässt sich 2016 auch für die beiden Hälften des Turnierbaums bei der Europameisterschaft sagen.

Die 16 Mannschaften, die sich fürs Achtelfinale qualifizieren, werden nämlich in zwei Hälften aufgeteilt, die erst im Finale wieder aufeinandertreffen. Vor den letzten Spielen der Vorrunde am Mittwochabend um 18 Uhr und 21 Uhr (High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF und Sat 1) stehen fünf Teams fest, die in der sogenannten "unteren Hälfte" des Tableaus antreten müssen. Es sind genau die fünf Nationen, die man als "die großen Fünf" in Europa bezeichnet: Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien.

Zusammen haben diese Nationen elf Weltmeisterschaften und neun Europameistertitel gewonnen. Und in der oberen Hälfte? Wer immer sich am Ende noch für diesen Pfad qualifiziert - sicher ist schon, dass oben kein einziger Titelträger vertreten sein wird. Das bedeutet auch, dass wir heute schon wissen, dass eine Mannschaft das Finale erreichen wird, die noch nie Welt- oder Europameister war.

Bisher stehen Polen, die Schweiz, Kroatien und Wales als Mannschaften der oberen Hälfte fest. Zu ihnen wird sich sehr wahrscheinlich Belgien gesellen, wenn die Roten Teufel nicht überraschend gegen Schweden verlieren sollten. Damit könnte Belgien, das vor dem Turnier als Geheimfavorit galt, aber von Italien im Auftaktspiel eine taktische Lehrstunde erhalten hatte, doch noch zum großen Gewinner der Vorrunde werden.

Wie konnte es zu dieser Missverteilung kommen? Gastgeber Frankreich, Deutschland und Italien haben sich nichts vorzuwerfen. Sie haben ihre Gruppen gewonnen und durften eigentlich erwarten, als Lohn auf leichtere Gegner zu treffen als die hinter ihnen platzierten Teams. Dass es anders gekommen ist, liegt auch daran, dass England und Spanien zu vertrottelt waren, um ihre Gruppen zu gewinnen.

England kam trotz großer Überlegenheit nicht über Unentschieden gegen Russland und die Slowakei hinaus und wurde in der Gruppe B von Wales abgefangen. Spanien ruhte sich gegen Kroatien zu sehr auf seiner Führung aus und verschoss am Ende noch einen Foulelfmeter. Auch das bedeutete Platz zwei in einer Gruppe, in der der Titelverteidiger als sicherer Sieger galt.

Video: Spanien verliert nach zwölf Jahren ein EM-Spiel

Getty Images

Damit aber noch nicht genug: Es gibt ein denkbares Szenario, nach dem auch Belgien und Portugal noch in die untere Hälfte rutschen könnten. Diese sähe dann wie folgt aus: Deutschland - Slowakei, Italien - Spanien, Frankreich - Belgien und England - Portugal. Während in der oberen Hälfte die Paarungen Schweiz - Polen, Kroatien - Ungarn, Wales -Nordirland und Island - Schweden ausgetragen würden. Das ist ein Extrembeispiel, für das Belgien heute gegen Schweden verlieren müsste, also nicht sehr wahrscheinlich.

Aber auch im nahe liegenderen Fall besteht fast ein Klassenunterschied zwischen den beiden Hälften der K.o.-Phase. Die Buchmacher haben darauf schon reagiert. Obwohl Italien Belgien verdient geschlagen hat, sind die Quoten für einen italienischen EM-Titel fast doppelt so hoch wie für einen Titel Belgiens.

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rae



insgesamt 173 Beiträge
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Seite 1
romeov 22.06.2016
1. Köstlich - das spanische Trikot
...Spaghetti al Arrabbiata an Eigelb auf die Brust geklatscht. Es gibt viele wunderbare Designer in diesem Land, bei diesem Thema haben sie aber versagt.
siebke 22.06.2016
2. ?????
Irgendwie verstehe ich DAS nicht ? Soll ich das jetzt gut finden, das "schlechtere Mannschaften" die Möglichkeit haben ins Finale zu kommen ? Ok. ist vielleicht gerechter ?!
Krea_thief 22.06.2016
3.
Es könnte so kommen, dass ein Aussenseiter "durchrutscht", während sich die Favoriten die harten Kämpfe liefern. Es wird dann als Favorit leichter sein, dass Finale zu bestreiten, als ein Achtel-, Viertel- oder Halbfinale
thegambler 22.06.2016
4.
Und was ist daran jetzt schlimm, wenns D nicht werden sollte, fände ich ne neue Nation die den Titel davon trägt auch super. Außerdem zeigt es, dass man alle Mannschaften, die als 1. oder 2. weitergekommen sind auf dem Schirm haben. Wales und Kroatien sind bei mir dazu gekommen. Wenn man sich bei beiden den Kader und Mannschaftszusammenhalt anguckt ist es nicht verwunderlich, dass sie weit kommen können. Jede der beiden Mannschaften hat 2-3 Topsspieler, die sich aber keine Allüren erlauben und in den Dienst der Mannschaft stellen. Die restlichen Spieler sind häufig in den Topligen Europas zufinden, zwar häufig bei Durchschnittsvereinen, aber auf hohem Niveau. Hätten sich die Medien nicht so auf Belgien gestürzt wäre das auch früher aufgefallen.
EinMensch 22.06.2016
5. Tippfehler?
Zitat: "Die Buchmacher haben darauf schon reagiert. Obwohl Italien Belgien verdient geschlagen hat, sind die Quoten für einen italienischen EM-Titel fast doppelt so hoch wie für einen Titel Belgiens." Müsste es nicht, de+++++++++-++++++++++++m Satzbau nach, eine doppelte Quote auf einen belgischen EM-Titel geben?
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