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Kommentar zur EM 2020: Fußball kontert Olympia aus

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DFB-Präsident Niersbach: EM 2024 so gut wie sicher Zur Großansicht
Bongarts/Getty Images

DFB-Präsident Niersbach: EM 2024 so gut wie sicher

Der Verzicht des DFB auf die Austragung des EM-Finals 2020 sichert die Vergabe der Europameisterschaft vier Jahre später. Was als großer Erfolg verkauft wird, bedeutet die Beerdigung der Olympiapläne für 2024.

Die Gewinner der Europameisterschaft 2020 stehen jetzt schon fest: Die europäischen Bahnunternehmen und Fluggesellschaften dürften in jenen Sommerwochen allerbeste Geschäfte machen - wenn die Fans vom Achtelfinale in Bilbao zum Viertelfinale nach Baku und von dort weiter nach London zu reisen haben, nachdem sie die Gruppenphase zuvor in Kopenhagen, Glasgow und Budapest verbrachten.

Es bleibt auch nach der Vergabe der Ausrichterstädte dabei: Die Idee einer kontinentweiten EM 2020 von Uefa-Boss Michel Platini, sie hat ihren Charme, sie zeigt in ihren ganzen Dimensionen aber auch den Irrsinn auf, den diese Großveranstaltungen mittlerweile in sich bergen. "Es war erst ein Traum, jetzt ist er Realität", sagt Platini. Aber es ist natürlich vor allem Big Business.

Dem Deutschen Fußball-Bund wird das egal sein. Die Gesichter der DFB-Delegation in Genf glänzten nach der Auslosung vor Zufriedenheit - obwohl oder gerade weil München im Rennen um die Final-Teilnahme dem Konkurrenten London unterlegen war. Denn die Austragung der EM vier Jahre später in Deutschland ist damit so gut wie gesichert.

Ab sofort wird auch der bisher einzige ernst zu nehmende Rivale England eine deutsche Bewerbung für 2024 unterstützen. Das ist Teil des Funktionärsgeschachers der vergangenen Wochen hinter den Kulissen, das die Abstimmung am Freitag schon im Vorfeld zu einer Farce gemacht hatte.

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Von Amsterdam bis St. Petersburg: Das sind die Stadien der EM 2020
Woanders, in Berlin, Hamburg und der Zentrale des Deutschen Olympischen Sportbundes, dürfte die heutige Entscheidung allerdings eher zwiespältige Gefühle auslösen. Denn ein Ja für die Heim-EM 2024 in Deutschland ist praktisch gleichbedeutend mit einem Nein für Olympia 2024 in Deutschland, egal ob sich Hamburg oder Berlin bewerben wird. Zwei so gewaltige sportliche Großereignisse, die sich in ihrer Aufmerksamkeit und ihren Profiten gegenseitig kannibalisieren - das machen weder die Spitzenverbände noch die Sponsoren mit. Auch die Olympische Charta verbietet derzeit noch eine Ballung zweier solcher Veranstaltungen.

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Diejenigen, die die deutschen Olympia-Ambitionen vertreten, werden das verschmerzen können. Wenn man bei den Verantwortlichen in Berlin und Hamburg nachhört, bekommt man hinter vorgehaltener Hand ohnehin die Auskunft, dass niemand ernsthaft mit einem Zuschlag des IOC für Deutschland im Jahr 2024 rechnet. Nach den Gesetzmäßigkeiten des IOC wären 2024 die Vereinigten Staaten mal wieder an der Reihe. Europa käme demnach frühestens 2028 in Frage, und darauf richten sich die deutschen Bewerber jetzt schon ein.

Die Kandidatur für die Spiele vier Jahre zuvor ist denn auch rein taktisch. Jede Stadt, die sich nach einer erfolglosen Bewerbung beim nächsten Mal wieder um die Austragung bemüht, hat bessere Karten, weil sie ja schon einmal vergeblich in der Verlosung war. Auch die beiden nächsten Olympiastädte Rio und Tokio sind erst in ihrem zweiten Versuch zum Zug gekommen.

Die DFB- und DOSB-Sportfunktionäre räsonieren trotzdem regelmäßig vom "Super-Sportsommer 2024", wie DOSB-Generalsekretär Michael Vesper dies noch am Freitag im Anschluss an die Uefa-Entscheidung getan hat. In Berlin und Hamburg wird für 2024 getrommelt, als ginge es ums Seelenheil der beiden Städte. Aber das ist alles für die Kulisse.

Der Schein muss auch in den kommenden Monaten gewahrt bleiben. Aber Olympia 2024 in Deutschland ist ab diesem Freitag tot.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Weder Frankreich noch Portugal sind vertreten...
limuc 19.09.2014
... beides respektable Fußballnationen, dafür Großbritannien samt Irland dreifach...wieso?
2. Niersbach top
Europäischer Realist 19.09.2014
Der DFB ist aktuell im Zenit, sportlich wie auch seitens des Managements. Niersbach hat hier ein gutes Gespür bewiesen und auch die englischen Interessen einbezogen ... Win-win für alle. Ganz im Gegensatz zum Selbstdarsteller und Selbstvermarkter - dem falschen Fünfziger - Zwanziger. Und Olympia braucht hier niemand, insb. in Berlin. Die sollen erstmal ihre lange Liste von Hausaufgaben abarbeiten ... die Stadt ist zwar sexy, aber mittlerweile auch ein absolutes Chaos; politisch, verkehrstechnisch, wirtschaftlich und wohntechnisch ...
3. Olympia 2024 nicht in Deutschland!
elli1965 19.09.2014
Ist auch besser so. 2024 könnte eng werden, der Flughafen BER vermutlich noch bis dahin nicht in Betrieb und in Hamburg muss noch die Elbphilharmonie abbezahlt werden. Besser wäre eine Bewerbung Kassels, dann würde der dortige Flughafen vielleicht mal genutzt.
4. EM2024 in Deutschland sicher ?
xxticoxx 19.09.2014
Da wäre ich mor aber gar nicht mal so sicher. An der Vergabe für 2016 ist die Türkei ganz knapp (trotz besserer Bewerbung aber Platini-Bonus) an Frankreich gescheitert. Für 2020 wurde das Finale für Istanbul versprochen. Jedoch hat die Türkei abgelehnt und sich aus der Bewerbung zurück gezogen. Eben wegen dem Grund, sich für 2024 selbst zh bewerben. ich sehe eher die Türkei als Favorit. zumal sie auch endlich mal ann der Reihe wären.
5. Ja, Frechheit!
Beinlausi 19.09.2014
Da bin ich wieder nicht Kanzler geworden, nur, weil ich nicht kandidiert habe. Oder, seriös ausgedrückt: Antwort steht im Artikel. Man bekommt keine Jobs, für die man sich nicht bewirbt. Klingt sinnvoll, oder?!
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