EM-Auslosung: Lächelnd durch die Todesgruppe

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Portugal, Dänemark und die Niederlande: Deutschland hat bei der EM-Auslosung die stärkste Gruppe erwischt. Grund zur Panik besteht dennoch nicht. Im Gegenteil: Eine bessere Konstellation hätte das Löw-Team kaum bekommen können.

Joachim Löw lächelte - ein bisschen verkniffen. Dabei erinnerte er an Felix Magath. Der Trainer des VfL Wolfsburg ist bekannt dafür, problematische Situationen genau auf diese Art wegzulächeln. Doch Löw ist nicht der Typ Magath, seine Mimik nach der EM-Auslosung in Kiew sagte etwas anderes aus. Deutschland hatte mit Portugal, Dänemark und den Niederlanden gerade die schwierigste Gruppe zugelost bekommen. Der Gesichtsausdruck des 51-Jährigen verriet: Mit diesem Team muss ich mich vor keiner Mannschaft Europas verstecken.

"Ich glaube, dass dies die schwerste, stärkste und ausgeglichenste Gruppe des Turniers ist", so der Trainer. Was sollte er nach dieser Auslosung auch sonst sagen? Deutschland scheint erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit vom Losglück verlassen worden zu sein. Doch die vermeintliche Todesgruppe könnte sich auch als Glücksfall erweisen. Das weiß auch Löw.

Aufgrund der starken Gegner wird das Team in allen drei Gruppenspielen gefordert. Überforderung scheint dabei nach zehn Siegen inzehn EM-Qualifikationsspielen und den teilweise berauschenden Leistungen so gut wie ausgeschlossen. Hinzu kommt: Bei den vergangenen Turnieren musste die DFB-Auswahl oft gegen Außenseiter ran, die 90 Minuten nur ein Ziel hatten - das deutsche Spiel zu zerstören. Dabei sah Deutschland das ein oder andere Mal schlecht aus.

Motivations-Knacks in der Vorrunde scheint ausgeschlossen

Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz gewann das Team erst mit Mühe gegen kampfstarke Polen. Im zweiten Gruppenspiel gab es einen herben Dämpfer gegen clevere, aber nicht übermächtige Kroaten. Und auch gegen elf Maurer aus Österreich sah es lange Zeit nicht nach einem Sieg aus, ehe Michael Ballack einen Freistoß ins Tor des Nachbarn hämmerte.

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EM-Auslosung: Deutschland in Gruppe B
Ähnlich lief der Spielfilm bei der WM 2010 in Südafrika. Nach einem fulminanten 4:0-Auftaktsieg über Australien verlor die Löw-Elf das zweite Vorrundenspiel gegen destruktive Serben 0:1 und musste zwischenzeitlich sogar um den Einzug in die K.o.-Runde bangen. Dieser wurde dann durch einen 1:0-Zittersieg gegen Ghana erreicht. Ein solcher Motivations-Knacks in der Vorrunde scheint diesmal kaum möglich. Selbst wenn Deutschland gegen einen der Gruppengegner verlieren sollte, wäre es immerhin eine Niederlage gegen eine starke Mannschaft und eben keine Blamage.

Sieht man vonSpanien ab, hat die DFB-Auswahl zudem in den vergangenen beiden Turnieren stets Gala-Auftritte gegen hochkarätige Gegner wie Portugal, England und Argentinien gezeigt. Genau solche Kaliber warten in Polen und der Ukraine nun eben schon in der Vorrunde auf Schweinsteiger, Özil und Co. Kein Grund zur Panik also.

Denn Teams wie Portugal und die Niederlande stellen sich nicht hinten rein. Das dürfte dem deutschen Spiel sehr entgegenkommen. Vom Kader sind sicherlich die Niederländer der härteste Rivale im Kampf um den Gruppensieg. Doch auch, wenn es nur ein Freundschaftsspiel war: Deutschland hat beim 3:0-Erfolg gegen Oranje Mitte November in Hamburg bewiesen, dass es sich überhaupt keine Sorgen vor einem Duell mit dem WM-Finalisten von 2010 machen muss.

Niederlande-Coach van Marwijk: "Spieler und ich jetzt schon motiviert"

Darum verwunderte es wenig, dass Löw nach der Auslosung schnell sein Lächeln wiederfand, während die Trainer der Gegner recht sparsam aus ihren Maßanzügen guckten. "Ich habe alle Trainer unserer Gruppe gesehen, fröhlich war von denen keiner", sagte Niederlande-Coach Bert van Marwijk. Dann lächelte der 59-Jährige doch noch kurz: "Ein Gutes hat das Ganze: Die Spieler und ich sind jetzt schon motiviert."

Portugals Trainer Paulo Bento sah es ähnlich: "Schwerer hätte die Gruppe nicht kommen können. Deutschland und Holland sind aber sicherlich die großen Favoriten." Dass seine Auswahl eben diesen Status nicht mehr für sich beanspruchen kann, haben die Portugiesen in der Qualifikation bewiesen. In Ihrer Gruppe landeten die Südeuropäer hinter Dänemark nur auf Rang zwei und mussten in die Relegation, in der das Team um Superstar Cristiano Ronaldo gegen Bosnien-Herzegowina triumphierte. Doch viel mehr als den Angreifer von Real Madrid haben die Portugiesen derzeit nicht zu bieten. Das sollte Deutschland vor keine großen Probleme stellen.

Die könnte es eher gegen Dänemark geben. Die Mannschaft von Urgestein Morten Olsen zeigte in der Qualifikation starke Leistungen und lebte dabei von ihrer Geschlossenheit und Konstanz. "Die Dänen können immer die Rolle des Underdogs übernehmen und dadurch gegen alle unbelastet antreten und müssen keine Angst haben. Das macht sie so gefährlich", weiß Löw.

Daher ist es umso besser, dass Deutschland im Auftaktspiel gegen Portugal antreten muss. Mit einem Erfolg könnte sich die Löw-Elf das Selbstvertrauen erarbeiten, das sie im zweiten Gruppenspiel gegen die Niederlande sicher brauchen werden. Im Abschlussduell gegen Dänemark könnte seine Elf dann dafür sorgen, dass Löw auch am Ende der Vorrunde wieder lächelt.

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insgesamt 82 Beiträge
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1. geht doch !
jobie 02.12.2011
Zitat von sysopPortugal, Dänemark und die Niederlande: Deutschland hat bei der EM-Auslosung die stärkste Gruppe erwischt. Grund zur Panik besteht dennoch nicht. Im Gegenteil: Eine bessere Konstellation hätte das Löw-Team kaum bekommen können. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,801445,00.html
sehe ich auch so. Mal sehen, ob es dieses Mal für einen großen Titel reicht. Ohne zu taktieren durch die Vorrunde, das passt doch zu der Truppe. Und ich denke, dass die Zeit reif ist, sich mal bei den Spaniern zu revanchieren. Die sind im Wesentlichen erst einmal älter geworden.
2. Todesgruppe
grainauer 02.12.2011
"Todesgruppe" ? - denn Sie wissen nicht, was Sie schreiben. Die Jungs sollen Fußball spielen und nicht Krieg führen....
3. Todesgruppe? Hammerlos? Was soll der Quatsch?
Stelzi 02.12.2011
Das mag für die anderen, bedauernswerten Länder gelten, weil sie Deutschland zugelost wurden (ja, sie wurden Deutschland zugelost. Inoffiziell wird jeder Gegener den Deutschen zugelost). Die dürfen sich nun um den zweiten Platz prügeln, wobei ich nicht behaupten will, das Jogi's Buben nicht Grosszügigkeit walten lassen könnten und die armen Teufel schonen, sodass man sich auch mit Platz zwei und einem Unentschieden zufrieden geben würden. Wie dem auch sei, wer Meister werden will, der darf sich weder von Käsköppen noch melancholischen Serienversagern aufhalten lassen. Auch skandinavisches Dynamit wird einfach ausgehustet. Ich bin überzeugt, dass das kein Problem wird.
4. a
Steinwald 02.12.2011
na dann ma ran.
5. Todesgruppe?
Gon.Orbhon 02.12.2011
Portugal hat sich noch nicht mal direkt qualifiziert und Dänemark ist nur gefährlich, wenn es zu einem Turnier nachnominiert wird! Man kann sich also in Ruhe warmspielen ...
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