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EM-Finale: Griechenland ist Europameister

Sensation bei der Euro 2004 in Portugal. Dank eines Kopfballtores von Angelos Charisteas hat Griechenland erstmals den Europameistertitel errungen. In einem spannenden, aber nicht immer hochklassigen Finale reichte dieses goldene Tor, um Gastgeber Portugal mit 1:0 zu besiegen.

1:0 für Griechenland: Angelos Charisteas und Teamkollegen setzen zum Zwischenspurt an
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1:0 für Griechenland: Angelos Charisteas und Teamkollegen setzen zum Zwischenspurt an

Lissabon - Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem "Wunder von Bern" hat Otto Rehhagel mit Griechenland die größte Sensation der Europameisterschafts-Geschichte vollbracht. Durch ein Tor des Bremer Bundesliga-Legionärs Angelos Charisteas in der 57. Minute setzten sich die Griechen am Sonntagabend in Lissabon im EM-Endspiel überraschend 1:0 (0:0) gegen den favorisierten Gastgeber Portugal durch. 15.000 begeisterte Fans unter den 62.865 Zuschauern im ausverkauften Estadio da Luz feierten den ersten Titelgewinn der griechischen Fußball-Nationalmannschaft bei einem Top-Turnier.

"Griechenland hat Fußball-Geschichte geschrieben. Das ist ein ganz außergewöhnliches Ereignis für den griechischen und europäischen Fußball", kommentierte Rehhagel den Sensations-Coup und freute sich schon auf die Rückkehr nach Griechenland: "Hoffentlich kommen wir am Montag überhaupt nach Athen rein." Ein Sonderlob bekam Torschütze Charisteas: "Er ist einer der Top-Stars dieser EM gewesen."

Jubelnde Griechen mit dem EM-Pokal: "Heute müssen alle Griechen feiern"
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Jubelnde Griechen mit dem EM-Pokal: "Heute müssen alle Griechen feiern"

Charisteas, der auch als "Spieler des Spiels" ausgezeichnet wurde, strahlte: "Es ist unglaublich - Griechenland ist Europameister. Heute müssen alle Griechen feiern, egal ob in Deutschland, Australien oder sonst wo. Das ist ein einmaliger Moment, den viele von uns nicht noch einmal erleben werden. Das ist der beste Augenblick meines Lebens. Ich habe zwar das entscheidende Tor gemacht, aber den Titel hat unsere ganze Mannschaft gewonnen. Viele werden sich wundern, wie wir das geschafft haben. Ich bin stolz, dass ich ein Grieche bin."

Erstmals bei Welt- und Europameisterschaften gewann damit ein Team mit einem ausländischen Trainer den Titel. Der derzeit auch vom DFB als Völler-Nachfolger gehandelte Rehhagel kann sich mit seiner tollen Mannschaft nach diesem Coup auf einen begeisternden Empfang am Montag in Athen freuen.

Kein Durchkommen für Figo & Co.

Im Beisein des portugiesischen Staatschefs Jorge Sampaio und des extra zum Endspiel eingeflogenen griechischen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis lieferten sich beide Mannschaften von Beginn an eine umkämpfte Partie. Die Griechen kehrten zu ihrem schon beim 2:1 im EM-Eröffnungsspiel über die Portugiesen erfolgreichen 4-4-2-System zurück, mit dem die Hausherren im Bemühen um konstruktive Angriffe erneut auf Granit bissen. So entsprangen die ersten Chancen auch Einzelleistungen: Monteiro Miguel scheiterte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze an Torwart Antonios Nikopolidis (14.), Nuno Maniche zielte zehn Minuten später aus 18 Metern knapp neben das Gehäuse.

Bissig und zweikampfstark: Luis Figo kann sich im Duell mit Angelos Basinas nicht behaupten
AP

Bissig und zweikampfstark: Luis Figo kann sich im Duell mit Angelos Basinas nicht behaupten

Ansonsten lief wenig zusammen bei den Gastgebern. Das lag auch daran, dass Luis Figo, der durch seinen 14. Einsatz bei einer EM zu den Rekordspielern Zidane, Thuram (beide Frankreich) und Poborsky (Tschechien) aufschloss, ebenso wie Cristiano Ronaldo nicht wie gewohnt zum Zug kam und enttäuschte. Gegen den klug gestaffelten Gegner wirkten Starakteur Figo in seinem 110. und vielleicht letzten Länderspiel und seine Mitspieler zunehmend hilf- und ratlos.

Dies übertrug sich auch auf die Ränge: Die griechische Minderheit sorgte für Stimmung und berauschte sich am immer frecheren Auftritt ihrer Lieblinge. Diese hatten in der ersten Halbzeit allerdings nur eine gute Chance: Charisteas (16.) konnte nach Zisis Vryzas' Hackentrick-Vorlage Keeper Ricardo jedoch nicht überwinden.

Charisteas trifft per Kopf

Nach der Pause hofften die einheimischen Anhänger auf endlich mehr Angriffsdruck ihrer Mannschaft. Doch die Griechen, die nach dem Halbfinale einen Tag weniger Pause hatten, wirkten spritziger - und nutzten ihre zweite Einschussmöglichkeit konsequent zur Führung aus. Nach Angelos Basinas' Eckball war Charisteas per Kopf zur Stelle und markierte seinen dritten Turnier-Treffer. Dabei profitierte er noch von Ricardos Fehler, der zu spät aus seinem Kasten kam und keine Chance hatte, vor dem Torschützen an das Leder zu kommen.

Enttäuschte Portugiesen: "Griechenland hat verdient gewonnen"
AFP

Enttäuschte Portugiesen: "Griechenland hat verdient gewonnen"

Luiz Felipe Scolari reagierte auf die mutlose Darbietung seines Teams und brachte in Rui Costa für Costinha einen neuen Ideengeber und später mit Nuno Gomez auch noch einen weiteren torgefährlichen Stürmer in die Begegnung. Und das Spiel wurde besser, weil die Portugiesen endlich aus ihrer Lethargie erwachten und nun doch noch ihre Chance suchten. Ronaldo (59.) und Figo (64.) fanden bei ihren Schüssen im starken Nikopolidis ihren Meister. In der portugiesischen Schlussoffensive hatten Ronaldo (75.) freistehend vor Nikopolidis und Ricardo Carvalho (81.) den Ausgleich auf dem Fuß, doch der bis dahin wenig geprüfte Keeper wurde nun zum großen Rückhalt. Kurz vor Schluss rannte ein portugiesischer Fan auf den Platz, warf Figo die Fahne des FC Barcelona vor die Füße und legte sich dann ins Tornetz. Mit Figos letztem Schussversuch (90.) ging auch Portugals letzte Chance vorbei.

Scolari gab sich nach Schlusspfiff als fairer Verlierer: "Wir bitten ganz Portugal um Verzeihung. Ohne ein Tor zu verlieren, ist sehr hart. Griechenland hat verdient gewonnen, weil seine Mannschaft sehr geschickt verteidigt hat. Beim Gegentor war unsere Abwehr nicht ganz aufmerksam, so dass die Führung etwas glücklich war. Wir müssen uns jetzt auf die WM 2006 vorbereiten."

Portugal - Griechenland 0:1 (0:0)
0:1 Charisteas (57.)
Portugal: Ricardo - Miguel (43. Ferreira), Carvalho, Andrade, Valente - Costinha (60. Rui Costa), Maniche - Ronaldo, Deco, Figo - Pauleta (74. Nuno Gomes)
Griechenland: Nikopolidis - Seitaridis, Dellas, Kapsis, Fyssas - Zagorakis, Katsouranis, Basinas - Charisteas, Giannakopoulos (76. Venetidis) - Vryzas (81. Papadopoulos)
Schiedsrichter: Markus Merk (Kaiserslautern)
Zuschauer: 62.865
Gelbe Karten: Costinha (2), Valente (2) - Basinas, Seitaridis (2), Fyssas, Papadopoulos

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