EM 2012: Die Grande Nation hofft auf die "neue Generation"

Er wird wieder geliebt: Der Stellenwert von Franck Ribéry in Frankreich ist so hoch wie nie. Der Bayern-Star soll die "Equipe Tricolore" ins Viertelfinale führen. Doch Trainer Laurent Blanc warnt vor den Schweden. Die schon ausgeschiedenen Skandinavier wollen unbedingt einen Punkt holen.

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Frankreich-Star Ribéry: Der Spaß ist zurück

Hamburg - Als Franck Ribéry mit dem FC Bayern Ende März in seiner früheren Heimat Marseille spielte, war er voller Vorfreude. Doch dann pfiffen ihn die Olympique-Fans bei jeder Ballberührung aus - und Ribéry lieferte seine wohl schwächste Champions-League-Leistung der vergangenen Saison. Der 29-Jährige war in Frankreich lange Zeit eine Persona non grata. Doch vor dem letzten Gruppenspiel am Dienstag gegen Schweden (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zählt die Grande Nation vor allem auf den Bayern-Star.

Wie sehr dieses neue Vertrauen den Außenstürmer beflügelt, zeigt sich an seinen Leistungen. Ribéry sei in der Form seines Lebens, schwärmen die französischen Zeitungen: "Pures Dynamit" nennt ihn "Le Parisien"; die Sporttageszeitung "L'Équipe" schrieb, "das ist der Ribéry von 2006 - nur besser". Bei der WM vor sechs Jahren hatte der Angreifer seinen Durchbruch gefeiert.

Der peinliche Auftritt bei der Weltmeisterschaft 2010, als die Franzosen nach einem Streik und öffentlich ausgetragenen Streitereien mit nur einem Punkt ausschieden, scheint vergessen. Ribéry, der in Südafrika einer der Initiatoren der Spielerrevolte gewesen sein soll, hat man auch den Skandal um eine minderjährige Prostituierte verziehen. "Ich bin froh, dass ich das Verhältnis zur französischen Öffentlichkeit wiederherstellen konnte", sagt er. "Froh" - das klingt nach Understatement.

"Es ist schon lange her, dass ich mich im Nationalteam so wohl gefühlt habe", so Ribéry. Mittlerweile ist er einer der Anführer der Mannschaft. Einer, zu dem die jüngeren Spieler aufschauen. Die "Equipe Tricolore" ist auch dank des Bayern-Stars seit 23 Partien ungeschlagen - eine Serie, die die "L'Équipe" vom Finale träumen lässt: "Baut die Serie auf 26 Spiele aus!"

Ibrahimovic will nicht ohne Punkt abreisen

Mit einem Erfolg gegen die Schweden würde Frankreich als Gruppenerster ins Viertelfinale einziehen. Bei einer Niederlage droht dem Team von Trainer Laurent Blanc aber sogar das Aus. Deshalb kündigte der Coach am Montag an, auch die mit einer Gelben Karte vorbelasteten Mathieu Debuchy, Jérémy Ménez und Philippe Mexès spielen zu lassen. Außerdem warnte Blanc: "Wir dürfen die Schweden auf keinen Fall unterschätzen. Ich halte sie für einen guten und gefährlichen Gegner."

Die Skandinavier, die nach zwei Niederlagen (1:2 gegen die Ukraine, 2:3 gegen England) bereits ausgeschieden sind, wollen sich unbedingt mit einem Sieg verabschieden. "Es geht um die Ehre", sagte Stürmer Zlatan Ibrahimovic: "Ich möchte nicht punktlos nach Stockholm zurückkehren. Ich bin wütend über das Ausscheiden und motivierter denn je."

Gegen Frankreichs "neue Generation", wie die Mannschaft in der Heimat wegen der vielen jungen Spieler genannt wird, werden es die Schweden aber schwer haben. Die Franzosen stehen sicher in der Defensive und haben neben Ribéry in Samir Nasri und Karim Benzema weitere Top-Stars im Angriff. Dabei blieb Benzema von Real Madrid bei der EM bislang noch unter seinen Möglichkeiten - trotz zwei Torvorlagen gegen die Ukraine.

Die Franzosen können weit kommen, noch verlassen sie sich zu häufig auf ihr Talent und lassen den nötigen Einsatz vermissen - so wie beim 1:1 gegen England beim EM-Auftakt. Das 2:0 über die Ukraine zeigte jedoch, wozu die "Equipe Tricolore" in der Lage ist.

Schweden - Frankreich 20.45 Uhr (in Kiew)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Schweden: Isaksson - Lustig, Mellberg, Granqvist, M. Olsson - Svensson, Källström - Larsson, Ibrahimovic, Wilhelmsson - Toivonen
Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexès, Evra - Nasri, Diarra, Cabaye - Ménez, Benzema, Ribéry
Schiedsrichter: Proenca (Portugal)

max/dpa/sid

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