Hamburg - Die Entscheidung darüber, wer in EM-Gruppe C weiterkommt, könnte ganz einfach fallen, aber auch sehr kompliziert: Titelverteidiger Spanien und Kroatien, die am Montag aufeinandertreffen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), können aus eigener Kraft die nächste Runde erreichen. Der Sieger des Spiels zieht in jedem Fall als Gruppenerster ins Viertelfinale ein. Der Verlierer würde die Vorrunde nur überstehen, wenn Italien zeitgleich sein letztes Spiel gegen die bereits ausgeschiedenen Iren nicht gewinnt.
Kompliziert würde es, wenn die "Squadra Azzurra" Irland schlägt und sich Spanien und Kroatien unentschieden trennen. Dann wären die ersten drei Teams mit jeweils fünf Punkten gleichauf und der direkte Vergleich untereinander müsste entscheiden.
Alle Duelle zwischen Spanien, Italien und Kroatien hätten dann unentschieden geendet, und die Zahl der erzielten Tore in den direkten Begegnungen würde den Ausschlag geben. Trennen sich Spanier und Kroaten 0:0, käme Italien als Gruppensieger ins Viertelfinale, da die Mannschaft im Dreiervergleich zwei Tore erzielte (jeweils 1:1 gegen Spanien und Kroatien). Spanien und Kroatien hätten dann jeweils nur einen Treffer auf der Habenseite (jeweils 1:1 gegen Italien). Hinter Italien käme Spanien in die nächste Runde, weil das Team nach seinem 4:0-Erfolg gegen Irland die bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen aufwiese (Spanien 5:1, Kroatien 4:2).
Italiens Trauma 2004
Verzwickter würde die Konstellation bei einem 1:1 zwischen Spanien und Kroatien. Dann wären die ersten drei Mannschaften im direkten Vergleich punkt- und torgleich. Spanien würde in diesem Fall dank des 4:0 über die Iren besser dastehen als Kroatien, das 3:1 gegen Irland gewann. Italien bräuchte mindestens drei Tore gegen Irland. Ein 3:1 oder jeder andere Sieg mit zwei Toren Vorsprung, bei dem die Italiener mindestens vier Tore schießen, würde den Azzurri reichen. Bei einem 3:1 käme Italien wegen des besseren Uefa-Koeffizienten gegenüber Kroatien weiter. Bei einem 4:2, 5:3, etc. dank der mehr erzielten Tore in allen Gruppenspielen.
Die große Angst der Italiener ist ein Unentschieden zwischen Spanien und Kroatien, bei dem beide Mannschaften mindestens zweimal treffen. Dann würden die Spanier als Gruppensieger und die Kroaten als Zweiter in die K.o.-Runden einziehen, weil sie im Dreiervergleich mehr Tore erzielt hätten, als Italien. Das Spiel der Italiener gegen Irland wäre nicht mehr von Bedeutung.
Genau dieses Schicksal ist der "Squadra Azzurra" bei der EM 2004 widerfahren. Damals bezwang Italien am letzten Spieltag Bulgarien 2:1, schied jedoch aus, weil sich gleichzeitig Schweden und Dänemark 2:2 trennten. Bei jedem anderen Ergebnis im Skandinavien-Duell wären die Italiener weitergekommen. So mussten sie nach der Vorrunde nach Hause fahren, obwohl sie kein einziges Spiel verloren hatten. Dieses Schicksal könnte den vierfachen Weltmeister in diesem Jahr erneut ereilen.
syd/dpa
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