EM-Kader Adler, Marin und Odonkor dürfen mit - Hildebrand nicht

Die Entscheidung des Bundestrainers ist gefallen: Joachim Löw hat die 26 Spieler präsentiert, mit denen er in die EM-Vorbereitung geht. Größte Überraschung ist die Berufung von Gladbachs Mittelfeld-As Marko Marin - aber auch mit David Odonkor hatten nur wenige gerechnet.


Hamburg - Die Neulinge Marko Marin von Borussia Mönchengladbach und René Adler von Bayer Leverkusen stehen im vorläufigen Aufgebot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni). "Natürlich waren alle Kandidaten, denen wir abgesagt haben, schmerzlich enttäuscht", sagte Löw.

Löw gab bei der Präsentation seines vorläufigen 26-köpfigen EM-Kaders am Freitagmittag auf der Zugspitze die Nominierung der beiden Talente bekannt, die bislang noch keine Erfahrung in der A-Mannschaft gesammelt haben.

Mehr als 200 Bundesliga-Spiele hätten er und sein Trainerstab gesehen, bevor sie endgültig entschieden haben, welchen Spieler sie bei der EM das Vertrauen schenken. Löw stellte klar, dass diejenigen, die nicht berücksichtigt worden seien, qualitativ nicht schlechter seien: "Wir haben alle Spieler informiert - bis auf einen einzigen. Wir haben mehrfach versucht, ihn zu erreichen, haben ihm letztlich auf die Mailbox gesprochen und seinen Manager informiert", sagte Löw weiter.

In der Torhüterfrage entschied sich Löw für den 23-jährigen Adler und überraschend gegen Timo Hildebrand vom FC Valencia, der bei der WM 2006 die Nummer drei und anschließend die Nummer zwei hinter Jens Lehmann gewesen ist. Als dritter Torwart wurde Hannovers Robert Enke aufgeboten.

"Ich bin fest davon ausgegangen, dass meine Leistung für die Teilnahme reichen sollte. Nach dem Anruf von Andy Köpke und der offiziellen Kaderbenennung bin ich aber doch sehr glücklich, nun tatsächlich dabei zu sein, weil ich bis zum heutigen Tage keinerlei hundertprozentige Sicherheit hatte", sagte Enke. "Für Timo Hildebrand tut es mir sehr leid. Ich hätte ihm die Teilnahme gegönnt und er hätte es sicherlich auch verdient gehabt, mitzufahren", so Enke.

Für Hildebrand könnte die Entscheidung das Ende seiner Nationalmannschafts-laufbahn sein: "Timo ist schwerstens enttäuscht. Was das für seine weitere Karriere bedeutet, muss man jetzt erstmal offen lassen", sagte Löw.

"Es schmerzt wie eine frische Fleischwunde. Ich bin überrascht, geschockt, auch irritiert. Klar bleibt mir jetzt nichts anderes übrig, als diese Entscheidung so hinzunehmen wie sie ist", sagte Hildebrand. "Selbstverständlich muss ich sie auch akzeptieren. Aber verstehen oder gar nachvollziehen kann ich sie nicht."

Zum vorläufigen Aufgebot zählen auch die beiden Zweitligastürmer Oliver Neuville von Borussia Mönchengladbach und Patrick Helmes vom 1. FC Köln, die mit ihren Vereinen in die erste Liga aufgestiegen waren.

"Mich hat Joachim Löw über die Nominierung informiert. Ich war sehr überrascht und konnte es zunächst kaum glauben", sagte Marin. "Jetzt freue ich mich erstmal auf die Tage auf Mallorca", so Gladbachs 19-jähriges Talent. Auch Mannschaftskollege Oliver Neuville war glücklich: "Für mich ist es ein fast perfektes Jahr. Ich habe mich sehr über die Nominierung gefreut. Aber man muss bedenken, dass noch drei Plätze gestrichen werden."

Eine kleine Überraschung ist die Nominierung des Schalker Mittelfeldspielers Jermaine Jones, der bislang nur ein Länderspiel absolviert hat. Der Noch-Bremer und künftige Münchner Tim Borowski kehrte dagegen erwartungsgemäß in das DFB-Team zurück.

Löw bereitet sich mit seinen Spielern ab Montag im Trainingslager auf Mallorca auf die EM vor. Einen Tag nach dem Freundschaftsspiel gegen Weißrussland in Kaiserslautern muss Löw am 28. Mai bei der Europäischen Fußball-Union Uefa seinen endgültigen 23-köpfigen EM-Kader benennen. Die deutsche Mannschaft spielt in der Vorrunde am 8. Juni gegen Polen, am 12. Juni gegen Kroatien und am 16. Juni gegen Gastgeber Österreich.

Anmerkung: Im Vorspann zu diesem Artikel war kurzzeitig das Wort "Bundeskanzler" statt "Bundestrainer" zu lesen. Die Redaktion bittet, diesen Fehler zu entschuldigen.

ruf/sid/dpa

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