EM-Playoffs: Ronaldos Angst vor dem Ausrutscher

Im Playoff-Rückspiel gegen Bosnien-Herzegowina droht Portugal und seinem Superstar Cristiano Ronaldo nach dem Remis im Hinspiel das Aus. Fast schon sicher weiter ist Kroatien, das die Türkei in Istanbul demütigte. Fußball-Zwerg Montenegro will gegen Tschechien die Überraschung schaffen.

Playoff-Rückspiele: Der Tag der Entscheidungen Fotos
AFP

Hamburg - Lionel Messi wird man leider nie bei einer Fußball-Europameisterschaft spielen sehen: Der derzeit beste Spieler der Welt kommt aus Argentinien. Auf einem ähnlichen Niveau spielt Europas bester Torjäger, Portugals Cristiano Ronaldo. Der 26-Jährige nahm schon zweimal an einer EM teil, 2004 und 2008. 2012 jedoch könnte der Superstar einen freien Sommer haben, seinem Team droht das Aus in den Playoffs.

Nach dem 0:0 im Hinspiel hat Portugal vor dem Rückspiel gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstag (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eigentlich keine schlechte Ausgangsposition, um sich für das Turnier in Polen und der Ukraine zu qualifizieren. Obwohl im Hinspiel kein Tor gelang, ist sich Ronaldo sicher: "Wir hatten sechs, sieben Chancen, aber am Dienstag werden wir uns auf jeden Fall für die Euro qualifizieren."

Portugals Trainer Paulo Bento sieht seine Elf nach dem Hinspiel jedoch noch lange nicht am Ziel und fordert: "Wir müssen schneller und effektiver spielen." Portugals Verteidiger Bruno Alves warnt in Anbetracht des guten Rasens im Stadion da Luz in Lissabon gar: "Da ist ein Edin Dzeko noch viel gefährlicher als im ersten Spiel."

Und Bosnien-Herzegowina reicht in Lissabon schon ein 1:1, um für eine Sensation zu sorgen. Entsprechend selbstbewusst sagt Bosniens Mittelfeldspieler Milarem Pjanic: "Wir sind immer noch zuversichtlich. Wenn wir da drüben ein Tor erzielen, dann denke ich, dass wir weiterkommen. Sie müssten dann schon zwei Treffer erzielen."

Allerdings hat man in Portugal gute Erinnerungen an das letzte Playoff-Duell mit Bosnien-Herzegowina. Bei der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika gewann die portugiesische Mannschaft beide Spiele 1:0. Sollten die Portugiesen diesmal scheitern, würden sie zum ersten Mal seit der WM 1998 bei einem großen Turnier fehlen. Das könnte Trainer Bento sein Amt kosten. Die Bosnier haben dagegen nichts zu verlieren und könnten sich zum ersten Mal überhaupt für ein großes Turnier qualifizieren. Zudem kann Trainer Safet Susic wieder auf die im Hinspiel gesperrten Verteidiger Sasa Papac und Boris Pandza zurückgreifen.

Tschechiens Cech hält den Vorsprung für ausreichend

Bosniens Nachbar aus Montenegro gibt sich trotz der 0:2-Hinspielniederlage gegen Tschechien noch nicht geschlagen. "Vor unseren fanatischen Fans können wir uns qualifizieren", sagt Montenegros Mittelfeldspieler Stevan Jovetic, "wir haben gegen England zwei Tore erzielt, das können wir auch gegen die Tschechen." Allerdings müssen die Gastgeber, die seit ihrer Unabhängigkeit 2006 noch nie bei einem großen Turnier dabei waren, auf den gesperrten Milan Jovanovic und wahrscheinlich auch auf den angeschlagenen Marko Basa verzichten.

Tschechiens Torhüter Petr Cech warnt: "Wir sind uns bewusst, dass die Montenegriner nichts zu verlieren haben und voll auf Angriff spielen werden", fügt aber hinzu: "Wir glauben, unser Vorsprung ist ausreichend und wir können ihn verteidigen." Tomas Rosicky vom FC Arsenal kann wohl spielen, auch wenn er sich im Hinspiel eine leichte Fußverletzung zugezogen hat. Stürmer Milan Baros könnte nach einer Muskelverletzung nun beim Rückspiel in Podgorica dabei sein.

Ganz anders ist die Situation vor den beiden anderen Rückspielen. Irland wird sich die erste EM-Teilnahme seit 1988 nach dem 4:0-Hinspielsieg in Estland kaum noch nehmen lassen, auch wenn Trainer Giovanni Trapattoni sagt: "Die Katze steckt im Sack, aber der Sack ist noch nicht zugebunden."

Auch in Zagreb steht nach dem 3:0-Hinspielsieg in der Türkei der Sieger schon so gut wie fest. Guus Hiddink wird in seinem voraussichtlich letzten Spiel als türkischer Coach das EM-Aus kaum noch abwenden können, zumal ihm vier Spieler wegen Sperren fehlen.

Bereits einen Tag vor dem Rückspiel in Kroatien soll Hiddink mit dem türkischen Verband über die Höhe seiner Abfindung verhandelt haben. An ein Wunder und seine Weiterbeschäftigung als türkischer Nationaltrainer glaubt Hiddink selbst nicht mehr: "Es ist fast unmöglich, das noch zu schaffen", so der 65-Jährige.

Zudem hat sich im Kreise der Mannschaft längst eine Fraktion gegen Hiddink formiert. Auch Nuri Sahin von Real Madrid stellte sich auf die Seite der Nörgler: "So lange Hiddink da ist, gibt es für mich kein zurück in die Nationalmannschaft", sagte der Ex-Dortmunder. Die türkische Zeitung "Star" lästerte: "Die Motivation und Moral der Mannschaft ist am Tiefpunkt angekommen. Hiddink, das Ende." Kroatiens Trainer Slaven Bilic fällte eher unfreiwillig ein vernichtendes Urteil über den Zustand des Hiddink-Teams: "Wir hätten sogar einen noch höheren Sieg verdient gehabt", so der frühere Bundesligaprofi nach der Demütigung der Türken in Istanbul.

luk/dapd/dpa/sid

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Playoffs zur EM-Qualifikation
Hinspiele 11. November
Türkei - Kroatien 0:3
Estland - Irland 0:4
Bosnien-Herzegowina - Portugal 0:0
Tschechien - Montenegro 2:0
Rückspiele 15. November
Kroatien - Türkei
Irland - Estland
Portugal - Bosnien-Herzegowina
Montenegro - Tschechien