EM-Qualifikation Deutschland müht sich zu glanzlosem Sieg gegen Gibraltar

Vorher wurde nur über die Höhe des Sieges spekuliert - und, ja, Deutschland spielte gegen Gibraltar sehr dominant. Das Team von Joachim Löw erzielte aber zu wenig Tore.

DPA

Hamburg - Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit einem 4:0-Sieg in Nürnberg gegen Gibraltar in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 zurückgemeldet. Nach Toren von Thomas Müller (12. Minute/29.), Mario Götze (38.) und Yogan Santos (67./Eigentor) kletterte die DFB-Elf in der Tabelle der Gruppe D vom vierten auf den dritten Platz hinter die punktgleichen Iren, die in Schottland eine 0:1-Niederlage kassierten. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw konnte gegen die Amateure aus Gibraltar nur zeitweise überzeugen.

"Ehrlich gesagt bin ich überhaupt nicht zufrieden", sagte Löw nach dem Spiel. "Die Mannschaft hat die Forderungen nicht in dem Maße erfüllt, wie ich mir das gewünscht habe. Wir wollten auftreten wie ein Weltmeister, da sind vier Tore viel zu wenig." Kapitän Manuel Neuer sah den Spielverlauf entspannter: "Wir wollen immer das Beste geben, aber es ist schwer, wenn da hinten ein Mannschaftsbus drinsteht."

Nach der Niederlage gegen Polen und dem Remis gegen Irland stellte Löw sein Team gegen den krassen Außenseiter um. Mit einer Dreierabwehrkette - bestehend aus Shkodran Mustafi, Jérôme Boateng und Erik Durm - fünf Mittelfeldspielern sowie den beiden Stürmern Müller und Max Kruse probierte der Bundestrainer auch taktisch etwas Neues aus. Trotz zahlreicher Absagen standen immerhin neun Weltmeister in der Startelf.

Einbahnstraßenfußball in Nürnberg

Von der ersten Minute an entwickelte sich ein Spiel, wie es selbst in der Auftaktrunde des DFB-Pokals selten zu sehen ist. Alle deutschen Feldspieler standen in der Hälfte der Gibraltarer, Torwart Neuer postierte sich häufig im Mittelkreis und Boateng fing als letzter Mann die Bälle 30 Meter vor dem gegnerischen Tor ab.

Dementsprechend eng wurde es vor dem Tor der Gäste, zwölf Minuten lang suchte die DFB-Elf vergeblich die Lücke. Müllers erster Torschuss ging deutlich daneben (4.), Karim Bellarabi scheiterte mit einem Schuss an Torhüter Jamie Robba (9.). Eben dieser Robba ebnete dann aber mit einem Fehler den Weg zur Führung. Eine Flanke von Mustafi schätzte der Keeper falsch ein, vom Pfosten prallte der Ball in die Mitte, wo Müller abstaubte (12.).

Müller war nach 29 Minuten ein zweites Mal zur Stelle, als Lukas Podolski auf der linken Seite viel Platz hatte und einen guten Querpass spielte. Das schönste Tor des ersten Durchgangs erzielte Götze. Nach einem Doppelpass mit dem kaum ins Spiel eingebundenen Kruse stand er frei vor Robba und schob ins lange Eck ein.

Boateng wiederum wurde es als Chef der neuen Dreierkette schnell langweilig. Der Münchner hätte zu gerne sein erstes Länderspieltor erzielt, mit seinen drei Torschüssen (22./23./37.) scheiterte er aber denkbar knapp. Kurz vor dem Pausenpfiff war Boateng bei seiner eigentlichen Aufgabe gemeinsam mit Mustafi nicht auf der Höhe, Neuer musste den Schuss von Liam Walker im Anschluss an einen Einwurf im Zurücklaufen parieren. Es war der einzige Torschuss der Gibraltarer im ersten Durchgang, Deutschland kam bei 84 Prozent Ballbesitz auf 19 Abschlüsse.

Schwacher Auftritt nach der Pause

Bei Walkers Chance hatte Löw die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, trotzdem verzichtete der Bundestrainer auf Wechsel in der Halbzeit. An der optischen Dominanz seiner Elf änderte sich nichts, wie vor der Pause initiierte die deutsche Mannschaft ihre Angriffe überwiegend über die rechte Seite oder durch das Zentrum über den fleißigen Toni Kroos.

Allerdings muss sich der Weltmeister den Vorwurf gefallen lassen, zu häufig mit Flanken oder Fernschüssen agiert zu haben. Gegen die massive Abwehrformation der Gibraltarer kamen so zunächst keine weiteren Großchancen zustande. Erst nach Podolskis flacher Hereingabe von der linken Seite fiel der vierte Treffer - durch das Eigentor des eingewechselten Santos (67.).

In der 72. Minute feierte der Kölner Jonas Hector sein Debüt in der Nationalmannschaft, er ersetzte den offensiv zurückhaltenden Durm auf der linken Seite. Am nach der Pause einfallslosen Spiel der deutschen Elf änderte das nichts mehr, auch wenn die Statistiker am Ende 36 Torschüsse für Deutschland notierten.

Deutschland - Gibraltar 4:0 (3:0)
Tore: 1:0 Müller (12.)
2:0 Müller (29.)
3:0 Götze (38.)
4:0 Santos (67., Eigentor)
Deutschland: Neuer - Mustafi, Boateng, Durm (72. Hector) - Kroos (79. Bender, Khedira (60. Volland), Götze, Bellarabi, Podolski - Müller, Kruse
Gibraltar: Robba - Garcia , Wiseman, R. Casciaro, Chipolina - Perez (90. Priestley), R. Chipolina, Sergeant (58. Santos), Walker - L. Casciaro (72. K. Casciaro)
Schiedsrichter: Tudor (Rumänien)
Zuschauer: 44.308 (ausverkauft)

krä

insgesamt 22 Beiträge
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martha_rosentreter, 14.11.2014
1. Das war lediglich
Dieser Auftritt der deutschen Nationalelf war in erster Linie sehr dürftig. Darüber hinaus wurde die grandiose Chance vertan, das Torverhältnis massiv aufzubessern. Neben Leidenschaft und Glanz fehlte den Deutschen auch die entsprechende Souveränität, so dass man mit Fug und Recht behaupten kann, hier wurde lediglich "Dienst nach Vorschrift" geschoben. Jogi's Jungs scheinen vom WM-Titel noch sehr, sehr satt zu sein, so dass man die Motivation des Teams mit der Lupe suchen muss.
Orthoklas 14.11.2014
2. Grottenkick
Jogi hat den WM-Bonus jetzt wirklich fast verzockt. Kein Wunder bei Volland, Kruse, Durm & Co. Es fehlt wirklich an Qualität zurzeit.
ganimedhh 14.11.2014
3. Die 2. Halbzeit
war mit Abstand die schlechteste Halbzeit, die ich seit Jahren gesehen habe. Gefühlte 100 Schüsse aus der 2. Reihe, aber alle weit in den Himmel...ziemlich übel...
wo_ist_all_das_material? 14.11.2014
4.
Lustlos, glanzlos, peinlich! Wie meistens eben. Unglaublich, daß immer noch so viele Menschen den Weg in Stadion finden! Starke Leistung der Lehrer, Polizisten und Feuerwehrleute aus Gibraltar!
teachwolf 14.11.2014
5. Wie schon nach dem letzten Länderspiel geschrieben:
Die deutsche Fußballnationalmannschaft passt sich dem Niveau des übertragenden Senders an. Solange diese Spiele auf diesem Kanal gezeigt werden, werden wir kein gutes Länderspiel mehr sehen. Nur das Dschungel-Camp wäre für die Nationalspieler eine noch größere Demütigung! Hoffentlich ist das Exil bald vorbei!
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