Spaniens Halbfinal-Einzug: Das reicht nur für Frankreich

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Gewonnen, aber nicht überzeugt: Spanien ist trotz einer durchschnittlichen Leistung weiter. Im EM-Viertelfinale gegen Frankreich gewann der Titelverteidiger dank zwei Treffern von Xabi Alonso. Nun kommt es im Halbfinale zum iberischen Duell mit Portugal.

EM-Viertelfinale: Enttäuschendes Duell in Donezk Fotos
AFP

Hamburg - Im Weltfußball gibt es nur wenige Teams, die so erfolg- und traditionsreich sind wie Spanien und Frankreich. Trotzdem konnten die Iberer in Pflichtspielen noch nie gegen die Franzosen gewinnen - bis jetzt. Nach fünf Niederlagen und einem Remis feierte der Titelverteidiger im EM-Viertelfinale gegen "Les Bleus" einen 2:0 (1:0)-Sieg. In seinem 100. Länderspiel erzielte Xabi Alonso in der 19. Minute die Führung und sorgte in der Nachspielzeit mit einem verwandelten Foulelfmeter für den Endstand (90.+1 Minute). Damit trifft Spanien im Halbfinale am Mittwoch auf Portugal (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Allerdings zeigten die Spanier eine bestenfalls durchschnittliche Leistung. Sie leisteten sich ungewohnt viele Ballverluste im Spielaufbau, wirkten erneut erschöpft. Gegen die Franzosen, die zuletzt beim 0:2 gegen Schweden enttäuscht hatten, reichte das jedoch. "Wir haben gegen ein Top-Team gewonnen", sagte Spaniens Trainer Vicente del Bosque: "Leider haben wir nach einem schweren Spiel zwei Tage weniger Pause als Portugal für das Halbfinale."

Die ersten Minuten verliefen zäh. Die Franzosen schienen sich an der kroatischen Taktik gegen die Spanier zu orientieren. Die Kroaten hatten die Räume im Mittelfeld eng gemacht und Spanien im letzten Gruppenspiel so vor große Probleme gestellt, ehe der Titelverteidiger kurz vor Schluss doch noch das 1:0 schoss.

Casillas wehrt Cabayes Freistoß ab

Die Taktik ging jedoch nur 18 Minuten lang auf. Das 1:0 war ein typisches Tor der Spanier, das aus einem plötzlichen Tempowechsel resultierte. Xavi leitete den Ball vom Mittelkreis auf die linke Seite zu Andrés Iniesta weiter. Der sorgte mit einem kurzen Antritt für das nötige Überraschungsmoment. Schließlich war es der gestartete Jordi Alba, der sich an der linken Strafraumseite stark gegen Mathieu Debuchy durchsetzte und direkt auf Xabi Alonso flankte, der Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris mit seinem Kopfball gegen die Laufrichtung keine Abwehrchance ließ.

Die Franzosen ließen trotz des Gegentreffers zunächst kaum von ihrem defensiven Konzept ab. Dass das durchaus seine Berechtigung hatte, belegten die vereinzelten Angriffe von "Les Bleus". Diese mündeten allerdings oft in leichte Ballverluste, die wiederum zu Chancen der Spanier führten. In der 32. Minute kam Frankreich doch zur ersten Ausgleichs-Möglichkeit. Einen Freistoß von Yohan Cabaye konnte Iker Casillas jedoch zur Ecke klären.

Angeführt von Franck Ribéry und Karim Benzema wurden die Franzosen dann langsam besser. Doch es blieb zunächst bei guten Ansätzen. Die Spanier schauten sich diese unbedarft wirkenden Versuche an - und lauerten auf ihre Chance aufs 2:0. Doch auch dem Titelverteidiger fehlte vor der Pause die nötige Präzision im und vorm Strafraum des Gegners.

Blancs Einwechslungen bleiben wirkungslos

Deutlich aggressiver und entschlossener begann Frankreich die zweite Hälfte. Der erste richtige Angriff nach der Pause kam allerdings von den Spanier - allerdings erst in der 59. Minute zustande.

Debuchy hatte dann nach einer Ribéry-Flanke die große Ausgleichschance, doch der 26-Jährige köpfte knapp über die Latte. Zwei Minuten später verhinderte Lloris die Vorentscheidung zugunsten der Spanier. Der Keeper sprintete aus seinem Tor und klärte an der Strafraumgrenze vor Cesc Fàbregas.

Kurz darauf wechselte Frankreichs Coach Laurent Blanc zweimal, brachte in Samir Nasri und Jérémy Ménez zwei neue Offensivkräfte. Doch statt mehr Schwung gab es einen Bruch im französischen Spiel. "Die Spanier waren zu packen, wir sind viel gelaufen, aber leider haben die Spanier ihre erste Chance genutzt", sagte Blanc.

Bis zur 90. Minute passierte dann kaum etwas. Nach einem ungestümen Einsatz von Anthony Réveillère gegen Pedro entschied Schiedsrichter Nicola Rizzoli auf Elfmeter. Xabi Alonso verwandelte souverän. "Wir sind sehr glücklich, dass wir das Halbfinale erreicht haben", sagte der 30-Jährige: "Es gibt zwar noch ein paar Kleinigkeiten, die wir verbessern können, aber zwei Tore im 100. Länderspiel machen auch mich glücklich."

Spanien - Frankreich 2:0 (1:0)
1:0 Xabi Alonso (19.)
2:0 Xabi Alonso (91.)
Spanien: Casillas - Arbeloa, Piqué, Sergio Ramos, Alba - Busquets - Xavi, Xabi Alonso - Silva (65. Pedro), Iniesta (84. Santi Cazorla) - Fàbregas (67. Torres)
Frankreich: Lloris - Réveillère, Rami, Koscielny, Clichy - M'Vila (79. Giroud) - Cabaye, Malouda (65. Nasri) - Debuchy (64. Ménez), Ribéry - Benzema
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer (in Donezk): 47.000
Gelbe Karten: Sergio Ramos - Cabaye, Ménez (2)

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Durchschnittliche Leistung?
claudio.sozzani 23.06.2012
Das war Fussball des Grauens! 11 voellig zerstrittene Moechtegern-Individualisten gegen 11 halblahme Fussballverwalter 2 feige Trainer = 2 Stunden verlorene Lebenszeit! Hoffe, die Portugiesen bereiten diesem elendenden Ballgeschiebe der Roja am naechsten Donnerstag ein Ende! Saluti
2. Spanien ist out
warndtbewohner 23.06.2012
eins ist klar, wenn Spanien so gegen die BRD spielt werden die wegegbolzt wie nix, dann ja dann haben die keine Chance gegen das deutsche Team. Spanien ist nur noch ein Schatten seiner selbst...
3.
HaioForler 23.06.2012
Zitat von sysopGewonnen, aber nicht überzeugt: Spanien ist trotz einer durchschnittlichen Leistung weiter. Im EM-Viertelfinale gegen Frankreich gewann der Titelverteidiger dank zwei Treffern von Xabi Alonso. Nun kommt es im Halbfinale zum iberischen Duell mit Portugal. EM: Spanien besiegt Frankreich 2:0 dank Xabi Alonso - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,840612,00.html)
Und die werden auch Portugal besiegen, die machen nicht mehr, als nötig ist. Und ich sehe auch nicht, wie da "unsere" Jungs gegen die Spanier gewinnen wollen. Sicher kann auch Barca gegen Altherrenchelsea verlieren oder die BRD gegen Liechtenstein. Da gibt es immer mal Ausreisser in der Statistik. Aber die Spanier sind klarer Favorit, Schürrle hin oder Reus her. Gegen Spanien brauchts schon einen solchen Ausreissertag, sonst ist Essig. In der WM hatten "wir" 3 schöne Spiele geliefert, aber dann war gegen Spanien unspektakulär Schluß. Das kann sich locker genau so wiederholen. Und laut Spielerstärke wird es das auch, vorausgesetzt, man übersteht erst einmal das Halbfinale. Mal ganz nüchtern betrachtet.
4. titel
tubolix 23.06.2012
Zitat von sysopGewonnen, aber nicht überzeugt: Spanien ist trotz einer durchschnittlichen Leistung weiter. Im EM-Viertelfinale gegen Frankreich gewann der Titelverteidiger dank zwei Treffern von Xabi Alonso. Nun kommt es im Halbfinale zum iberischen Duell mit Portugal.
dieses unendlich langweilige kurzpass-spiel in erwartung einer option den ball ins tor zu tragen wird auch für portugal "reichen". frankreich sollte sich aber nicht beklagen: ich meine nicht die chancen, die die franzosen hatten, sondern vor allem die, welche sie in der 1. HZ hätten haben können wenn sie sich mal in den gegnerischen strafraum getraut hätten. ein pass nach vorn und dann gucken was passiert reicht nicht mal in der kreisliga.
5. Na wenn es nur für Frankreich reicht...
nixus_minimax 23.06.2012
Zitat von sysopGewonnen, aber nicht überzeugt: Spanien ist trotz einer durchschnittlichen Leistung weiter. Im EM-Viertelfinale gegen Frankreich gewann der Titelverteidiger dank zwei Treffern von Xabi Alonso. Nun kommt es im Halbfinale zum iberischen Duell mit Portugal. EM: Spanien besiegt Frankreich 2:0 dank Xabi Alonso - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,840612,00.html)
Na wenn es nur für Frankreich reicht ist es ja gar nicht notwendig sich Mut zuzuschreiben weil das geht irgendwie schon seit Beginn der EM so das Spanien schlecht spielt und schwach ist, mies verteidigt und Fehler im Spielaufbau macht, insgesamt eine desaströse Leistung bietet und und und. Nur eine gewisse NM spielt wie der von den Göttern geliebt, Zauberfußball der extraterrestrisch guten Art. Schade das komischerweise die Statistiken ein anderes Bild zeichnen. Na das hatten wir ja schon 2010 diese unfaßbar extrem gute Ultrafußball wenn da nicht diese spanischen Rumpelkicker wären ...
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