EM-Gruppe C: Spanien sucht einen Vollstrecker

Von Nils Lehnebach

Titelverteidiger Spanien ist vor dem zweiten Gruppenspiel unter Druck: Nach dem Auftakt-Remis gegen Italien muss jetzt ein Sieg her, sonst ist das Viertelfinale in Gefahr. Doch immer noch ist unklar, wer die notwendigen Tore gegen Irland schießen soll.

Spaniens Stürmer Torres (l.): Gegen Irland erneut nur auf der Bank? Zur Großansicht
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Spaniens Stürmer Torres (l.): Gegen Irland erneut nur auf der Bank?

Hamburg - Fans, Spieler und Presse rätseln in Spanien, wie das größte Problem der Nationalmannschaft zu lösen ist. Nur der, der es zu lösen hat, tut so, als würde ihn die Angelegenheit gar nichts angehen. "Ich entscheide danach, was am besten für Spanien ist, das andere sind nur Meinungen", antwortete Nationaltrainer Vicente del Bosque lapidar auf die Frage, welchen Stürmer er im zweiten Gruppenspiel gegen Irland am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) aufstellen werde.

Del Bosque ist es nicht gewohnt, Probleme zu haben. Er betreut eine spanische Mannschaft, die kaum stärker sein könnte. Er verfügt mit Xavi und Andrés Iniesta über Ausnahmespieler. Er wurde 2010 Weltmeister und gewann seit seinem Amtsantritt 2009 44 von 52 Spielen.

Doch zum EM-Auftakt gegen Italien gab es nur ein 1:1. Das größte Problem: Trotz drückender Überlegenheit kam das Team nur zu wenigen Großchancen. Im Strafraum waren die Spanier zu verspielt, legten den Ball lieber noch mal quer, anstatt zum Tor zu ziehen. Ganz offensichtlich fehlt dem Team ohne Top-Stürmer David Villa ein Vollstrecker. Der Profi des FC Barcelona verpasst das Turnier wegen eines Schienbeinbruchs.

Del Bosque weiß um das Problem. "Villa, offenkundig: bester Torjäger unserer Geschichte, Treffsicherheit wie kein anderer. Ein ganz schmerzhafter Ausfall", sagte der Coach schon vor dem Turnier der "Welt am Sonntag".

Fàbregas und Torres überzeugten nicht

Gegen Italien setzte er Cesc Fàbregas im Angriff ein. Der Profi vom FC Barcelona ist eigentlich Mittelfeldspieler. Zwar erzielte er den Ausgleichstreffer und rettete damit einen Punkt, ansonsten hatte er aber kaum gute Szenen.

Fàbregas spielte eine Mischung aus Spielmacher und Mittelstürmer. Bei Barça nimmt Lionel Messi eine ähnliche Rolle ein. Doch Messi hat andere Qualitäten als Fàbregas, er ist dynamischer, besser im Dribbling - und vor allem stärker im Abschluss.

Dies ist eigentlich auch eine Qualität von Fernando Torres. Doch der Angreifer vom FC Chelsea spielte eine schwache Saison, kam in 32 Premier-League-Einsätzen nur auf sechs Tore. Auch gegen Italien zeigte Torres, wie weit er von seiner Top-Form entfernt ist, und vergab nach seiner Einwechslung in der 74. Minute zwei Torchancen.

Mit Fernando Llorente von Athletic Bilbao und Sevillas Álvaro Negredo hat del Bosque zwei weitere Alternativen fürs Sturmzentrum. Doch sein Vertrauen in beide scheint begrenzt; als es gegen Italien lange Zeit nur unentschieden stand, verzichtete er auf eine Einwechslung.

Der 61 Jahre alte Coach lässt sich nur ungern reinreden. Im Wissen um die öffentliche Debatte ließ er bei den Trainingseinheiten vor der Partie gegen Irland auch mal mit einer Doppelspitze aus Torres und Negredo spielen. Eine für das Spiel nahezu auszuschließende Kombination, ließ del Bosque doch aufgrund der Vielzahl von hochklassigen Mittelfeldspielern immer im 4-5-1-System spielen.

Trapattoni glaubt an eine neue Taktik beim Gegner

Für Spanien spricht, dass Irland und der Gegner im letzten Spiel am kommenden Montag (20.45 Uhr), Kroatien, schlagbar sind. "Irland ist nicht Italien", sagte Iniesta und verdeutlichte damit, dass die Mannschaft den vermeintlich stärksten Gruppengegner schon hatte. So bleiben del Bosque noch zwei Partien, in denen er das optimale System und den optimalen Stürmer finden kann, bis es in der K.o.-Runde richtig ernst wird.

Und während sich Spaniens Trainer noch bedeckt hält, glaubt Irland-Coach Giovanni Trapattoni indes, die Aufstellung des Gegners bereits zu kennen. "Ich denke, del Bosque wird mit Fernando Llorente oder Fernando Torres spielen. Er hat gesehen, dass ein Abnehmer im Sturmzentrum fehlt", sagte der 73-Jährige.

Erwartungsgemäß ließ auch das del Bosque, den "hombre tranquilo", den ruhigen Mann, völlig kalt: "Es ist mir egal, ob er das denkt."

Spanien - Irland 20.45 Uhr (in Danzig)
voraussichtliche Aufstellungen:
Spanien: Casillas - Arbeloa, Ramos, Piqué, Alba - Busquets, Xabi Alonso - Silva, Xavi, Iniesta - Torres
Irland: Given - O'Shea, Dunne, St. Ledger, Ward - Duff, Andrews, Whelan, McGeady - Keane, Long

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
TheSphinx 14.06.2012
Welches Spiel hat der Autor gesehen? Spanien war alles andere als drückend überlegen und war mit dem 1:1 gut bedient.
2. Wer die Tore schießen soll?
sponser 14.06.2012
Das finden sich schon welche. Ganz bestimmt. Und dass man bei den Spaniern nie wissen kann, wer es denn sein wird, gehört zu ihren Stärken.
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