Ende der Steueroasen Warum Ronaldo und Co. künftig weniger verdienen

Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Didier Drogba: Die größten Fußballstars spielen in Spanien oder England. Dort gab es bislang das meiste Geld zu verdienen, doch das könnte sich ändern. Das Magazin "SPONSORS" erklärt, wie deutsche Clubs von Steuerrevolutionen im Ausland profitieren.

Von Florian Oediger

Real-Superstar Ronaldo: Noch von alten Steuervergünstigungen profitiert
AFP

Real-Superstar Ronaldo: Noch von alten Steuervergünstigungen profitiert


Auch Profifußballer werden im Alltag von Sorgen geplagt: Sie müssen Hypotheken bedienen, Luxusautos unterhalten und hohe Restaurantrechnungen begleichen. Nun ja, vielleicht unterscheiden sich die Sorgen eines Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Thierry Henry oder Michael Ballack damit ein wenig von denen ihrer Mitbürger.

Natürlich fällt es in einer weltweiten Wirtschaftskrise schwer, die angeblichen Nöte eines Fußballspielers nachzuempfinden, der hunderttausend Euro pro Woche verdient. Trotzdem schauen auch die internationalen Stars bei der Karriereplanung auf finanzielle Aspekte - oftmals gibt der künftige Gehaltsscheck und die damit einhergehende Besteuerung des erspielten Lohns den Ausschlag bei der Arbeitgeberwahl.

Bislang galten insbesondere Spanien (24 Prozent Einkommensteuer) und England (26 Prozent für ausländische Profis in den ersten drei Jahren) als Steueroasen für Spitzenkicker - ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo der höchste Steuersatz bei 45 Prozent liegt. In derlei finanziell paradiesischen Bedingungen konnten spanische und englische Vereine bisher netto deutlich mehr Gehalt bezahlen, weil sie brutto weniger dafür aufwenden müssen.

Da die meisten Spieler Nettoverträge aushandeln, ist das ein oft entscheidender Verhandlungsvorteil. Und so ließen sich Fußballmillionäre selten zweimal bitten, wenn es um Angebote aus der spanischen Primera División oder der englischen Premier League ging. Vor allem die Top-Clubs beider Länder wurden in der Folge zu einem Sammelsurium internationaler Stars.

Doch das könnte nun anders werden. Seit dem 1. Januar 2010 müssen alle Ausländer, die in Spanien einen Vertrag neu abschließen, bei Einkünften von mehr als 600.000 Euro pro Jahr den Spitzensteuersatz von 43 Prozent bezahlen. Egal ob Fußballer, Künstler oder Wissenschaftler: Die unter dem damaligen Ministerpräsidenten José María Aznar, einem ausgewiesenen Fan von Real Madrid, eingeführte Steuersenkung auf 24 Prozent gehört der Vergangenheit an.

Schluss mit dem Beckham-Gesetz

Einer der bekanntesten Profiteure war David Beckham, von 2003 bis 2007 bei Real unter Vertrag. Nach ihm wird die bei den ausländischen Stars beliebte Regel auch "Ley Beckham" genannt - das Beckham-Gesetz.

In Beckhams Heimat Großbritannien werden die Spitzenverdiener vom 1. April an sogar noch stärker zur Kasse gebeten: mit einem Höchstsatz von 50 Prozent. Die englische Regierung unter Gordon Brown brachte im Zuge der Wirtschaftskrise ein entsprechendes Gesetz auf den Weg. Wird nun der Zustrom an neuen Fußballstars versiegen? Nach Meinung von Arsène Wenger schon: "Das neue Steuersystem wird die Vorherrschaft brechen", ist sich der Arsenal-Trainer in Bezug auf die internationale Dominanz der englischen Spitzenclubs sicher.

In der Tat haben die steuerlichen Veränderungen große Konsequenzen für die Kicker-Gehälter. Laut Berechnungen der Beratungsagentur Deloitte muss ein englischer Club für einen Spieler, der drei Millionen Euro netto kassiert, künftig 6,8 Millionen Euro jährlich aufbringen. Zum Vergleich: Ein Bundesligaverein kommt bei gleichem Nettogehalt weiter mit 5,4 Millionen Euro aus und liegt damit - bei neu geschlossenen Verträgen - nur noch wenig schlechter als Clubs in Spanien, die künftig 5,3 Millionen Euro veranschlagen müssen.

Mehr Spitzenspieler in der Bundesliga?

Um astronomische Nettogehälter zahlen zu können, müssten sich spanische und englische Clubs in Zukunft also deutlich stärker ins Zeug legen - es erscheint daher unwahrscheinlich, dass die Gehälter weiter wachsen werden. Einzig die deutlich höheren Einnahmen aus TV-Geldern könnten für die weltweit erfolgreichen Ligen ein Vorteil bleiben.

Trotzdem glaubt Reinhard Rauball, dass die jüngste Entwicklung gut für die Bundesliga ist: "Es wird in den nächsten fünf Jahren zu einer Umverteilung der Spitzenspieler auf alle anderen Ligen in Europa kommen", prophezeit der Präsident des deutschen Ligaverbands. Im Vergleich mit italienischen Vereinen (5,7 Millionen Euro für drei Millionen Nettogehalt) und Frankreich (6,7 Millionen) war die Bundesliga ohnehin schon im Vorteil.

Aktuell wird sich zunächst allerdings wenig ändern. Schließlich wirken sich die neuen Gesetze nur auf künftig zu verpflichtende Spieler aus. Laufende Kontrakte sind nicht betroffen. Michael Ballacks Vertrag beim FC Chelsea endet übrigens im Sommer. Der 33-Jährige steht aktuell in Verhandlungen mit dem Club und kann seiner Zukunft trotz Steuererhöhung wohl gelassen entgegensehen. Ein Steuervorteil gegenüber Deutschland ist in Großbritannien nämlich nicht gefallen: Auf der Insel wird, ähnlich wie in Italien, ausschließlich das Gehalt besteuert - etwaige Werbeverträge im Ausland bleiben vom Fiskus verschont.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eric111 16.02.2010
1. Spanien
Das Ley Beckham wurde nicht wg. Madrid eingeführt, sondern ist dazu da, Fachkräfte egal welcher Sparte nach Spanien zu locken, um die Kompetition auf allen Ebenen zu erhöhen. In Deutschland versuchte man das mit IT-Indern, was jedoch in die Hose ging. Und bei Real Madrid hat man auch vor Beckham immer versucht, die besten Spieler um sich zu vereinen. Seit den 40ern waren das z.B. Di Stefano, Puskas, Netzer, Schuster, Figo oder Ronaldo u.v.a.m. Richtig ist, dass der Großteil spanischer Verträge (nicht nur im Fußball) netto ausgehandelt wird. Somit würde jeder neue Star ebenso das netto verdienen, was ausgehandelt wird. Egal, wie hoch der Steuersatz nun sei. Ich denke, das wird keinerlei Probleme bringen. Sieht man nochmal genau nach Madrid, muss man auch feststellend sagen, dass Casillas, Ramos, Xabi Alonso, Granero, Albiol, Arbeloa, Guti und Raúl (der vertraglich soviel verdient, wie der meistverdienende Spieler, also nun wie Ronaldo) sowieso nie in dieser Gruppe der steuerbegünstigten ausländischen Fachkräfte waren. Real Madrid, in seiner Version Galácticos 2.0, ist spanischer als je zuvor. Hier werden bereits die zukünftigen FIFA-Regelungen wie 6+5, 50+1 usw. praktiziert und man setzt viel auf Nachwuchs und einheimische Spieler, die mit den besten verfügbaren Weltklassespielern ergänzt werden. Vor oder nach der Ley Beckham. Sieht man sich nun den Fall C. Ronaldo genau an, wird in Deutschland oft übersehen, dass neben den 96 Mio. Ablöse und den ca. 9 Mio. netto, die der Club zahlt, pro Jahr weit über 40 Mio. an Erlös nur für die 50% der Werberechte eingenommen werden. Von Trikots, Testspielen, volleren Stadien ganz zu schweigen. Zusammengefasst bleibt zu sagen, dass Real Madrid das macht, was es schon immer gemacht hat: einfach zu versuchen, die beste Mannschaft der Welt zu sein. Der Erfolg gab Real bisher recht, denn es gibt keinen Verein der annähernd soviel Titel hat wie Real.
atipic, 16.02.2010
2. Profitieren? Nix da!
Die deutschen Klubs werden genau so profitieren wie die deutsche Börse. Die Londoner Börse muss Börsenumsatzsteuer auf Handel mit Wertpapiere berechnen und abführen. Die deutschen Politiker wollen keine Börsenumsatzsteuer aus Angst, dass die Börsenabzocker anderswo in EU ihre machen werden, aber kein Londoner Börsianer ist wegen der Börsenumsatzsteuer nach Frankfurt umgezogen. In England schreibt längst das Steuergesetz vor, dass alle die jährlich über 200.000 Pfund verdienen 50% Steuer bezahlen müssen. Nur die Fußballprofis haben bis jetzt eine Ausnahme gemacht. Jetzt ist die Gerechtigkeit wiederherstellt! Es wäre schön, wenn wir in D. auch eine Börsenumsatzsteuer hätten, und auch ein Steuergesetz, das besagt, wer über 200.000 € im Jahr verdient, sollte 50% Steuer bezahlen!
Sveto 16.02.2010
3. ?
Zitat von sysopCristiano Ronaldo, Lionel Messi, Didier Drogba: Die größten Fußballstars spielen in Spanien oder England. Dort gab es bislang das meiste Geld zu verdienen - doch das könnte sich ändern. Das Magazin "SPONSORS" erklärt, wie deutsche Clubs von Steuerrevolutionen im Ausland profitieren. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,675685,00.html
Die Herren Beruffußballspieler "bekommen" weniger - "verdienen" tun sie das, was sie "bekommen", nämlich sowieso bei weitem nicht (die meisten dieser Herren würden auch für EUR 2.000/Monat kicken, weil das immer noch besser ist, als einer ihrem Niveau adäquaten Alternativbeschäftigung als Lagerarbeiter o.ä. nachzugehen). Belustigend, wie immer über die Gehälter/Boni von Investmentbankern hergezogen wird, während mit Bewunderung auf die Einnahmen der Berufsfußballspieler geschaut wird (obwohl diese Einnahmen zu einem nicht unerheblichen Anteil aus öffentlichen Kassen - Rundfunkgebühren; Steuererleichterungen - stammen, und daher dem "gemeinen Volk" eigentlich unmittelbar Schmerzen bereiten müssten...)
Mo2 16.02.2010
4. Geld schießt nicht immer Tore
Zitat von eric111Das Ley Beckham wurde nicht wg. Madrid eingeführt, sondern ist dazu da, Fachkräfte egal welcher Sparte nach Spanien zu locken, um die Kompetition auf allen Ebenen zu erhöhen. In Deutschland versuchte man das mit IT-Indern, was jedoch in die Hose ging. Und bei Real Madrid hat man auch vor Beckham immer versucht, die besten Spieler um sich zu vereinen. Seit den 40ern waren das z.B. Di Stefano, Puskas, Netzer, Schuster, Figo oder Ronaldo u.v.a.m. Richtig ist, dass der Großteil spanischer Verträge (nicht nur im Fußball) netto ausgehandelt wird. Somit würde jeder neue Star ebenso das netto verdienen, was ausgehandelt wird. Egal, wie hoch der Steuersatz nun sei. Ich denke, das wird keinerlei Probleme bringen. Sieht man nochmal genau nach Madrid, muss man auch feststellend sagen, dass Casillas, Ramos, Xabi Alonso, Granero, Albiol, Arbeloa, Guti und Raúl (der vertraglich soviel verdient, wie der meistverdienende Spieler, also nun wie Ronaldo) sowieso nie in dieser Gruppe der steuerbegünstigten ausländischen Fachkräfte waren. Real Madrid, in seiner Version Galácticos 2.0, ist spanischer als je zuvor. Hier werden bereits die zukünftigen FIFA-Regelungen wie 6+5, 50+1 usw. praktiziert und man setzt viel auf Nachwuchs und einheimische Spieler, die mit den besten verfügbaren Weltklassespielern ergänzt werden. Vor oder nach der Ley Beckham. Sieht man sich nun den Fall C. Ronaldo genau an, wird in Deutschland oft übersehen, dass neben den 96 Mio. Ablöse und den ca. 9 Mio. netto, die der Club zahlt, pro Jahr weit über 40 Mio. an Erlös nur für die 50% der Werberechte eingenommen werden. Von Trikots, Testspielen, volleren Stadien ganz zu schweigen. Zusammengefasst bleibt zu sagen, dass Real Madrid das macht, was es schon immer gemacht hat: einfach zu versuchen, die beste Mannschaft der Welt zu sein. Der Erfolg gab Real bisher recht, denn es gibt keinen Verein der annähernd soviel Titel hat wie Real.
Tja, die Erfolge sind ja nun nicht mehr ganz taufrisch. Entscheidend ist die Gegenwart, und da hat Barca seit Jahren eindeutig die Nase vorn - und das ohne plumpe Zusammenkauftaktik. Jedenfalls erfreulich, dass Lex Beckham Schnee von gestern ist und dass sie in England auch endlich dazu übergehen, das Geld da zu holen wo es ist.
ocinator 16.02.2010
5. super
Die aktuelle Entwicklung freut mich sehr. Es wird dafür sorgen, daß mehr internationale Topstars vom Schlage eines v. Nistelroy, Robben, Ribbery etc. in die Bundesliga kommen und bleiben. Ich hoffe das wir bald wieder 4 CL Plätze bekommen und auch dadurch die deutsche Liga noch ein Stück attraktiver wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.