Endspiel in Valencia Bremern droht Gift und Galle

Wie zuletzt Bayern, Dortmund und Leverkusen in der Saison 1997/98 können drei Fußball-Bundesligisten die Gruppenphase der Champions League überstehen. Während der FCB schon qualifiziert ist, haben Leverkusen und Bremen gute Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. Werder wäre sogar bei einer knappen Niederlage in Valencia weiter.


Sturzgefahr: Schon beim 2:1-Hinspielsieg machte Werders Magnin schmerzhafte Erfahrungen mit Valencia
AP

Sturzgefahr: Schon beim 2:1-Hinspielsieg machte Werders Magnin schmerzhafte Erfahrungen mit Valencia

Hamburg - Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs hatte nach dem 1:1 gegen Inter Mailand, durch das der deutsche Meister vor zwei Wochen die vorzeitige Qualifikation für die Runde der letzten 16 verpasste, noch gescherzt, er würde Ergebnislisten verteilen lassen. Seine Spieler könnten dann auswendig lernen, mit welcher Niederlage sie den Gruppendritten Valencia auf Distanz halten würden.

Mit munteren Rechenaufgaben wollte sich Allofs vor dem Abflug an die Costa Blanca aber nicht mehr befassen. "Taktiert wird nicht", gab er knapp zu Protokoll, wohl wissend, dass die Bremer die nächste Runde erreichen, selbst wenn sie am Dienstagabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit einem Tor Unterschied (außer 0:1) verlieren. Dass sie zum Abschluss der Vorrunde aber gar keinen Treffer erzielen, mögen die Schützlinge von Trainer Thomas Schaaf nach dem 6:0-Auswärtssieg in Freiburg nicht glauben. "Wir haben alles selbst in der Hand, das ist unser großer Vorteil", sagt Schaaf zuversichtlich.

Der Werder-Coach benötigt allerdings wieder ein glückliches Händchen, wenn er seine Angriffsreihe formiert. Im mit 52.153 Zuschauer ausverkauften Mestalla-Stadion, in dem in acht Partien noch nie ein Bundesligist siegen konnte, ist der deutsche Nationalspieler Miroslav Klose gesetzt. Als Sturmpartner Kloses bot sich besonders nachdrücklich der Grieche Angelos Charisteas an, der in Freiburg dreimal traf. Aber auch der zuletzt an der Schulter verletzte Kroate Ivan Klasnic, mit fünf Toren Bremens erfolgreichster Spieler in der Champions League, und der in der Bundesliga gesperrte Paraguayer Nelson Valdez sind heiß auf die Partie mit Finalcharakter.

"Valencia ist ein anderes Kaliber als Freiburg", warnt Klose allerdings vor dem spanischen Meister, der im Mai den Uefa-Cup gewann, "wir werden uns steigern müssen." Das vom Italiener Claudio Ranieri trainierte Team hat sich immerhin mit Arbeitssiegen aus der Krise gequält und sich auf Platz vier der Primera División verbessert: Valencia gewann vier Pflichtspiele in Serie und ist seit einem Monat ohne Gegentor. Erstmals in seiner Geschichte rangiert der Verein jetzt an erster Stelle der Club-Weltrangliste.

Auch eine andere Statistik spricht gegen die Bremer: Alle drei Europapokal-Begegnungen in Spanien, zwei bei Atletico Madrid, eine beim FC Barcelona, verlor Werder. Zwar ist das länger als zehn Jahre her und Spielmacher Johan Micoud schlägt vor der Partie in Valencia selbstbewusste Töne an: "Wir haben eine große Qualität. Wir sind nervenstark genug, um dort zu bestehen." Doch die Konzentration zu bewahren wird eine anstrengende Aufgabe. Torwart Andreas Reinke, der als Torhüter von Murcia reichlich Erfahrung mit fanatischen Zuschauern sammelte, sagte im "Kicker": "Die Fans werden Gift und Galle spucken. Wir müssen aufpassen, dass wir dort nicht abgeschossen werden."

FC Valencia - Werder Bremen (Dienstag, 20.45 Uhr)

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Valencia: Canizares - Curro Torres, Navarro, Marchena, Carboni - Fiore, Rufete, Baraja, Xisco - Corradi, Di Vaio
Bremen: Reinke - Pasanen, Baumann, Ismael, Stalteri - Jensen, Ernst, Borowski - Micoud - Klose, Charisteas (Klasnic)
Schiedsrichter: Frisk (Schweden)



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