Neonazis in Fanszene von Energie Cottbus Hooligan-Gruppe gibt Auflösung bekannt

Ein rechtsradikales Netzwerk soll sich in der Fanszene von Energie Cottbus etabliert haben. Doch nach belastenden Medienberichten will sich die Gruppe auflösen. Die Probleme dürften dennoch bleiben.

Fanblock von Energie Cottbus (Archivfoto)
DPA

Fanblock von Energie Cottbus (Archivfoto)


Die rechte Gruppierung "Inferno Cottbus" hat sich offenbar aufgelöst. Das schreibt die Hooligan-Gruppe bei Facebook. SPIEGEL ONLINE hatte über die Lage in der Fanszene von Cottbus berichtet.

Mitglieder des Netzwerks sollen zuletzt anderen Anhängern von Energie Cottbus gedroht haben und waren nach Vorfällen im Cottbuser Fanblock beim Auswärtsspiel in Babelsberg ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Zuletzt waren mehrere Strafverfahren gegen Gruppenmitglieder eingeleitet worden.

In einer gemeinsamen Recherche vom RBB und den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN) war zudem von "rechten Mafiastrukturen" die Rede. "Inferno Cottbus" wurde 1999 gegründet und hat seit 2013 ein Auftrittsverbot bei Veranstaltungen von Energie Cottbus.

Der SPIEGEL erfuhr aus unterschiedlichen Kreisen, dass die frühere Klubführung lange zu nachsichtig mit "Inferno Cottbus" umging und heute Schwierigkeiten habe, die Sanktionen umzusetzen. Die Gruppe tauche weiter im Stadion auf und habe sich etablieren können. Energie Cottbus gab auf mehrere Anfragen keine Stellungnahme ab.

Am Mittwochmorgen informierte ein Cottbuser Klubsprecher den SPIEGEL über die Auflösung der Gruppe. In einem Statement von "Inferno Cottbus" hieß es unter anderem: "Wir sind fertig mit dieser verschwörerischen Apparatur der Hetzerei." Die Gruppe macht in ihrer Erklärung Medien und den Verein für ihre Auflösung verantwortlich. Bis auf den Gründungs- und Auflösungsbeitrag hat die Gruppe alle weiteren Einträge und Fotos von ihrer Seite gelöscht.

Ob die rechtsextremen Hooligans eine Ersatzorganisation gründen werden, ist nicht bekannt. Das Problem dürfte den Verein und die Polizei weiter beschäftigen, über die angeblichen Bedrohungen öffentlich sprechen möchte kaum jemand. "Es ist kompliziert. Es wird viel mit Angst gearbeitet", sagte Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd in Brandenburg, dem SPIEGEL.

"Inferno Cottbus" und ihre Unterorganisation "Unbequeme Jugend" sollen bis zu 150 Mitglieder haben, darunter Neonazis, Kampfsportler, Rocker und Hooligans.

jan



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