Urteil in Cottbus DFB blamiert sich mit Fan-Ausschluss

Pleite vor Gericht für den Deutschen Fußball-Bund: Ein Dauerkartenbesitzer von Energie Cottbus hat sich erfolgreich gegen den Ausschluss von einem Spiel gewehrt. Der Streit hatte absurde Züge angenommen.

Cottbus-Fans (Archivbild): Dauerkartenbesitzer bekommen Freikarten
Getty Images

Cottbus-Fans (Archivbild): Dauerkartenbesitzer bekommen Freikarten

Von


Hamburg - Eigentlich hat Energie Cottbus derzeit genug Probleme. Der Abstieg aus der zweiten Fußball-Bundesliga ist quasi besiegelt, der Tabellenletzte liegt vier Spieltage vor Schluss sieben Punkte hinter dem Relegationsplatz. In den vergangenen Tagen sorgte aber vor allem eine Frage für Ärger in Cottbus: Darf der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einer Gruppe von Dauerkartenbesitzern den Eintritt ins Stadion verwehren, obwohl diese ihre Tickets bereits bezahlt haben?

Das Amtsgericht Cottbus entschied nun: Nein, das gehe nur, wenn das gesamte Stadion gesperrt sei und somit alle Dauerkarten ihre Gültigkeit verlieren. Für einzelne Blöcke, wie es eine Entscheidung des Sportgerichts für das Spiel gegen St. Pauli am Donnerstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorsah, gehe dies nicht.

Ein Dauerkartenbesitzer hatte die Entscheidung erstritten. Der Verein lässt nun nicht nur ihn, sondern auch die anderen rund tausend betroffenen Fans mit einer Freikarte ins Stadion.

Für Cottbus ist es das Ende eines bizarren Vorgangs. Geschäftsführer Normen Kothe sagt, der Club sei "zwischen die Stühle" von Sportgericht und Amtsgericht geraten. Auf Nachfrage sagt Vereinssprecher Lars Töffling aber auch: "Das Ergebnis ist in unserem Sinne. Wir wollen uns nicht mit unseren Fans streiten."

"Symbolischer Eintrittspreis wurde nicht akzeptiert"

Hintergrund der ganzen Geschichte ist eine Schiedsrichter-Attacke beim Cottbuser Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Ein Zuschauer hatte den Schiedsrichter-Assistenten mit einer Münze am Kopf getroffen und verletzt. Der 31-Jährige war daraufhin zu Boden gegangen und musste von einem Arzt versorgt werden.

Das Urteil des Sportgerichts: Cottbus muss eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro zahlen, einen Tunnel zum Schutz von Spielern und Schiedsrichtern errichten und die Zuschauerblöcke G, H und I für das Spiel gegen St. Pauli sperren.

Laut Energie-Sprecher Töffling begann dann der "Basar": Der Verein habe sich beim DFB erkundigt, ob man die Dauerkartenbesitzer mit einer Freikarte ins Stadion lassen dürfe. "Das hat der DFB verneint", sagt Töffling. "Auch ein symbolischer Eintrittspreis von einem Euro wurde nicht akzeptiert." Die Begründung: Dann sei es ja keine spürbare Strafe. Der Verein habe sich dann mit dem DFB auf einen ermäßigten Preis von fünf Euro pro Karte geeinigt, so Töffling.

E-Mails bestätigen Sichtweise des Clubs

Einige Fans sahen sich nun doppelt abgezockt. Cottbus verwies darauf, dass die Gebühr für ein neues Ticket eine Vorgabe des Verbands sei. Doch der DFB tat nun so, als sei die Entscheidung allein vom Verein getroffen worden und als beruhe sie auf dem Hausrecht. Ein DFB-Sprecher wollte auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren, dass es Absprachen gab. Doch SPIEGEL ONLINE liegen E-Mails vor, die die Darstellung des Clubs bestätigen.

Das Urteil zwei Tage vor dem Heimspiel kam dann durchaus überraschend für den Verein, sagt Töffling. Die Entscheidung, als Folge des Richterspruchs alle Dauerkartenbesitzer aus den Blöcken G, H und I mit einer Freikarte ins Stadion zu lassen, sei mit dem DFB abgesprochen. Der Verband will sich auch dazu nicht äußern.

Was am Ende übrigbleibt, ist kein Ruhmesblatt für den DFB. Nicht nur, dass der Ausschluss einiger Dauerkartenbesitzer vom Amtsgericht kassiert wurde. Auch die Kommunikation rund um den Fall wirkt unprofessionell.

Cottbus dagegen hat einen Sieg errungen, über den sich der Zweitligist kaum freuen kann. Man habe in den vergangenen Tagen einen "Spießrutenlauf" erlebt, erzählt Töffling. Er sei froh, wenn er nun endlich wieder über die sportliche Situation sprechen dürfe.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
volker_morales 16.04.2014
1. Sippenhaft
Ich verstehe diesen Teilausschluss durch das Sportgericht nicht. Wieso haften Zuschauer mit gültigen Eintrittskarten für die Verfehlungen eines Einzelnen. Nach meinem Verständnis müsste derVerein den Dauerkartenbesitzern den Eintrittspreis erstatten.
hobbyleser 16.04.2014
2. Parallelgerichtsbarkeit
Diese Parallelgerichtsbarkeit ist zum Glück nicht zu halten, wie das Amtsgericht jetzt bestätigt. Es ist auch vernünftig, den DFB in seine Schranken zu weisen. Es handelt sich hier um einen e.V. und nicht um Kläger, Richter und Hänker. Davon unbestritten kann es natürlich nicht sein, dass Fans andere Menschen verletzen. Aber das liegt wohl in der Natur dieses Gentlemen-Sports. ;)
laffleur 16.04.2014
3.
Es müssten mehr Vereine vor ordentlichen Gerichten klagen. Die Urteile des DFBs sind sehr häufig lächerlich. Sippenhaft ist da an der Tagesordnung.
Mindrock 16.04.2014
4. bald zwei weniger
Wenn man sich die Tabelle so anschaut, haben wir mit etwas Glück bald zwei Vereine samt ihren Problemfans weniger.
renee gelduin 16.04.2014
5.
Zitat von MindrockWenn man sich die Tabelle so anschaut, haben wir mit etwas Glück bald zwei Vereine samt ihren Problemfans weniger.
Ist mir neu, daß hier demnächst Vereine aufgelöst werden. Korrekterweise hieße es übrigens "samt ihrer Problemfans".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.