Hamburg - Schalke-Manager Horst Heldt hat die Trennung von Trainer Huub Stevens noch vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale am Dienstag gegen Mainz (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) verteidigt. Die Führung des Bundesligisten habe "nicht mehr daran geglaubt, dass wir dieses wichtige Spiel gegen Mainz in der jetzigen Konstellation bewerkstelligen können", sagte Heldt auf einer Pressekonferenz in Gelsenkirchen. Die Mannschaft sei unter Stevens in der Bundesliga-Hinrunde "komplett hinter den Erwartungen" geblieben.
Auch wenn es in der Champions-League-Qualifikation gut gelaufen sei: "Die Bundesliga ist unser tägliches Brot", sagte Heldt. "Nach einem sehr gutem Anfang haben wir einen schleichenden Prozess des Abstiegs erlebt. Die Ergebnisse der vergangenen Wochen haben uns in diesem Schritt bekräftigt." Man habe deshalb keine andere Lösung gesehen, als Stevens zu beurlauben. Nach zuletzt sechs sieglosen Ligaspielen in Serie geht Schalke als Tabellensiebter in die Winterpause.
Als Nachfolger des Niederländers wurde, wie angekündigt, der bisherige U-17-Trainer Jens Keller präsentiert. "Wir haben großes Vertrauen, dass Jens das hinbekommt", sagte Heldt. Keller werde bis zum Ende der Saison die Verantwortung tragen, über die Zeit danach wolle der Verein später entscheiden.
Ursprünglich habe der Verein mit Stevens im Winter-Trainingslager über die Zukunft beraten wollen, bestätigte Schalkes Manager. Stevens Vertrag lief eigentlich noch bis zum Saisonende. Nach dem 1:3 gegen den SC Freiburg ließ sich laut Heldt eine Entscheidung aber nicht mehr herauszögern. "Ich habe mir nach dem Spiel meine Gedanken gemacht und sie dem Vorstand mitgeteilt. Die waren mit meinen Ideen einverstanden, und so habe ich noch spät am Abend Jens Keller angerufen", sagte Heldt. Keller habe ihm sofort seine Bereitschaft signalisiert.
Keller will sein Konzept erst später vorstellen
Bei einem intensiven Gespräch am Sonntagmorgen habe man Huub Stevens über den Schritt informiert. "Er trägt die Entscheidung mit", sagte Heldt, der Stevens und seinem ebenfalls beurlaubten Assistenztrainer Markus Gisdol für ihre Arbeit dankte. Stevens habe sich in der Nacht bereits selbst Gedanken über das weitere Vorgehen gemacht, für ihn habe das Wohl der Mannschaft Priorität, betonte Heldt. "Wir sind im Guten auseinandergegangen."
Keller, der zuvor unter anderem kurze Zeit Chefcoach beim VfB Stuttgart gewesen war, leitete bereits das erste Training auf Schalke. "Die Jungs haben die Neuigkeiten sehr gut aufgenommen. Sie sind absolut fokussiert auf das Spiel gegen Mainz", sagte der neue Trainer. Er werde sich nun Videos anschauen und seine Gedanken machen, wie er die Mannschaft für das letzte Spiel des Jahres einstellen wolle. Ein Konzept wolle er der Öffentlichkeit aber erst später präsentieren.
"Die Spieler sind jetzt in der Pflicht am Dienstag", sagte Heldt, "auch wenn wir wissen, dass die Zeit für den Trainer und die Mannschaft kurz ist." Gisdols Beurlaubung kurz vor dem Pokalspiel begründete der Manager damit, dass man von Anfang an klare Hierarchien haben wollte - "das wäre mit Markus nicht möglich gewesen".
Stevens hatte seine zweite Schalker Amtszeit als Nachfolger des an einem Burnout erkrankten Ralf Rangnick am 27. September 2011 begonnen und die "Königsblauen" als Tabellendritte in die Champions League geführt. Stevens hatte den Verein aus Gelsenkirchen bereits von 1996 bis 2002 trainiert, sein größter Erfolg war der Gewinn des Uefa-Pokals 1997. Zudem holte er mit dem Team zweimal den DFB-Pokal. Wegen dieser Triumphe wählten ihn die Fans des Clubs 2004 zum "Jahrhunderttrainer".
Die Trennung von Stevens ist der dritte vorzeitige Trainerwechsel in der laufenden Bundesliga-Saison. Zuvor mussten Felix Magath beim VfL Wolfsburg und Markus Babbel bei 1899 Hoffenheim vorzeitig gehen.
psk/dpa
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