Büskens-Rauswurf in Fürth: Risse in der Hack-Ordnung

Von

Fürths Präsident Helmut Hack (Mitte): Nicht mehr unumstritten Zur Großansicht
DPA

Fürths Präsident Helmut Hack (Mitte): Nicht mehr unumstritten

"Wir stehen zum Trainer", sagte Club-Präsident Hack über Mike Büskens. Kurz darauf feuerte er ihn. Die irrationale Entlassung bei Greuther Fürth zeigt: Ohne Hack geht gar nichts. Zeitgemäß ist dieser Absolutismus in der Bundesliga nicht mehr.

Helmut Hack, der mächtige Fürther Präsident, wirkte nicht verlegen. Dabei musste er einen sonderbaren 180-Grad-Schwenk in der Trainerfrage erklären. Noch am Samstagabend hatte er sich nach der 0:1-Niederlage in Düsseldorf klar zu Mike Büskens bekannt ("Wollen die Saison mit dem Trainer zu Ende spielen"). Am Mittwochmittag setzte er ihn vor die Tür.

90 Stunden zwischen Bekenntnis und Beurlaubung, wie passt das zusammen? "Die Prozesse im Fußball laufen weiter", sagte Hack. Ach so.

Tatsächlich gibt es keine rationale Erklärung für die Freistellung von Büskens. Weil kaum einer weiß, was man Büskens vorwirft. Niemand, der die bisherigen Auftritte des grandios unterfinanzierten Aufsteigers gesehen hat, kann auch nur die leiseste Hoffnung haben, dass ein anderer Trainer mehr aus einer Mannschaft herauskitzeln kann. das Team hat - abgesehen vom blamablen 0:3 daheim gegen Mainz und dem Spiel in Düsseldorf - 20 Spiele lang alles gegeben. Und gerade deswegen gezeigt, dass es einfach nicht für die erste Bundesliga reicht.

Hack fädelt Fehleinkauf ein

"Neue Impulse", habe er setzen wollen, ließ Hack am Mittwoch wissen. Anders gesagt: Er wollte sich nach dem Abstieg nicht vorwerfen lassen, er habe nicht alles probiert. Das kann man verstehen. Schließlich trägt der Präsident gehörige Mitschuld an den Fehlkonstruktionen im Kader.

Für die elf Sommer-Neuzugänge gab der Verein 2,5 Millionen Euro aus - der Löwenanteil ging dabei für Djiby Fall drauf (angeblich eine Million Euro), was für Fürther Verhältnisse das ist, was der Martinez-Transfer für den FC Bayern ist. Der Angreifer hat bislang zwei Bundesligaeinsätze absolviert. Wer ihn dort oder im Training beobachtete, fragte sich, welche Sportart der Mann eigentlich betreibt.

Büskens hat ihn dennoch monatelang verteidigt. Schließlich hatte Hack höchstselbst den Transfer eingetütet. Büskens wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wie bereits am Ende der vergangenen Saison, als Manager Rachid Azzouzi zum FC St. Pauli ging. Büskens stand plötzlich ohne seinen Vertrauten da. In den Jahren zuvor hatte Hack Azzouzi als Manager kaum zur Entfaltung kommen lassen - und ihm im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" noch nachträglich eine Ohrfeige verpasst. "Es war klar, dass er Zeit braucht, bis er hier die finale Verantwortung übernehmen kann. Wir sind ein kleiner Club, der hohe betriebswirtschaftliche Kompetenz braucht." Offensichtlicher wurde wohl selten ein leitender Angestellter abgewatscht.

Ein Vielarbeiter, der Fehler macht

In Fürth gibt es dennoch nur leise Kritik an Hack. Zu genau wissen die Fans, dass der Club ohne "den Helmut" noch heute im Amateurbereich spielen würde. Hack hat den gestrauchelten Traditionsverein durch seriöses Wirtschaften und eine unverrückbare sportliche Identität zu einem bewunderten Modell im deutschen Fußball gemacht. Er ist persönlich integer und tritt öffentlich zurückhaltend und bescheiden auf. Aber er hat große Probleme, Macht zu delegieren. Und selbst einer wie Hack, der annähernd 24 Stunden am Tag zu arbeiten scheint, macht Fehler.

Als Azzouzi weg war, dürfte sich Büskens das erste Mal gefragt haben, ob es nicht ein Riesenfehler gewesen war, dass er nach dem Aufstieg den Vertrag verlängert hatte. Mit einer jungen eingespielten Mannschaft wollte man das Wagnis Bundesliga angehen, ohne den bewährten Fürther Weg zu verlassen und finanzielle Risiken einzugehen. Dass das ein gewagtes Unterfangen sein würde, war allen Beteiligten klar. Zu unerfahren ist die Mannschaft, zu dürftig die individuelle Qualität auf mehreren Positionen. Büskens hat seinen Teil der Verabmachung eingehalten. Er hat nie teure Transfers gefordert, nie die grotesken Trainingsbedingungen kritisiert, nie öffentlich gemacht, dass im Verein nichts, aber auch gar nichts ohne Hack geht.

Dass eine derart absolutistische Vereinsstruktur in der ersten Liga an ihre Grenzen stößt, ist dann auch die eigentliche Botschaft der Büskens-Entlassung.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Da kann einem
schalkefan 21.02.2013
der Mike ja nur leid tun - und alle Trainer die unter den Hopp´s, Hack´s und Tönnies´dienen dürfen. Da muß das Schmerzensgeld für die Trainer aber hoch sein!
2. ...
Wunderläufer 21.02.2013
"Und selbst einer wie Hack, der annähernd 24 Stunden am Tag zu arbeiten scheint, macht Fehler" Vielleicht gerade deshalb!?
3. Büskens
Caimann 21.02.2013
Herr Hack hat keine Ahnung von Fussball. Diese Mannschaft, auch wenn sie bei S04 gewonnen hat, ist nicht bundesligareif. Das konnte man beim Start der BuLI in die neue Saison schon beobachten. Der einzige der bundesligareife hat ist Asamoah, alles andere ist nur Durchschnitt und damit kannst du nicht bestehen. Jetzt den Trainer für die desolate Situation verantwortlich zu machen ist doch eine Farce. Herrn Hack kann ich nur raten "Schuster bleib bei deinen Leisten". Der nächste Trainer wird, wenn er denn aufmuckt, auch wieder abgesägt werden. Ich habe das Gefühl Herr Hack betrachtet den Fussballverein wie seine Märklin Eisenbahn, damit darf nur er spielen.
4. optional
Bruder der Zeit 21.02.2013
diese Entlassung ist schwierig zu betrachten. auf der eine Seite wird Fürth keinen besseren Trainer als Mike Büskens finden. Auf der anderen Seite plant man vielleicht jetzt schon mit der 2. Liga und es ist fraglich ob Büskens mit in diese gegangen wäre. In Gelsenkirchen jedenfalls pfeiffen die Spatzen seinen Namen jetzt mehr den je von den Dächern. Und da die Familie noch in GE wohnt, ist es doch das naheliegend das der Mike nachhause kommt.
5. Kissinger
clemong 21.02.2013
Viel interessanter ist Kissinger auf dem Foto. Sieht auf jeden Fall kompetenter aus als der Hack...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik WM-News
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 11 Kommentare

Themenseiten Fußball

Tabellen