Erfolg im Stadtderby: Asamoah schießt St. Pauli zum Sieg beim HSV

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Hamburg ist braun-weiß: Der FC St. Pauli hat erstmals seit 34 Jahren wieder beim HSV gewonnen. Matchwinner im Stadtderby war Gerald Asamoah, der per Kopf traf. Die Gastgeber spielten dominant, wurden aber für ein halbes Dutzend vergebener Großchancen bestraft.

dapd

Hamburg - Von dem Hamburger Derby am 16. Februar 2011 werden sie sich noch in vielen Jahren erzählen. Die Fans des HSV werden an ein Spiel zurückdenken, in dem ihre Mannschaft so viele Großchancen vergeben hat, wie selten zuvor. Den Anhängern des FC St. Pauli wird die Partie in Erinnerung bleiben, weil ihr Team erstmals seit fast 34 Jahren wieder beim Stadtrivalen gewonnen hat. Und verantwortlich dafür, dass den HSV-Fans wochenlanger Spott gewiss sein dürfte, war ein Mann: Gerald Asamoah, der in der 59. Minute zum 1:0 (0:0)-Endstand für St. Pauli traf.

"Das ist etwas besonderes. Wir wussten, dass wir eine Chance haben", sagte Asamoah, dessen Team durch diesen Sieg auf Platz elf kletterte und als beste Mannschaft der bisherigen Rückrunde nun schon neun Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat. "Die Jungs werden schon das eine oder andere Bierchen auf den Derby-Sieg trinken. Aber der Erfolg war glücklich und wir bleiben ganz konzentriert", sagte St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski.

HSV-Sportdirektor Bastian Reinhardt war hingegen völlig bedient: "Das ist der bitterste Moment, seit ich beim HSV bin. Wir hatten genügend Chancen, das Spiel zu gewinnen." Und HSV-Kapitän Heiko Westermann ergänzte: "Die Enttäuschung ist riesig."

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Hamburger Derby: HSV versagt, Asamoah trifft
Der Frust des Heimteams war aufgrund der ersten Stunde des nachgeholten Derbys nachvollziehbar, in der der HSV vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena hoch überlegen gewesen war. Von Beginn an dominierte die Elf von Trainer Armin Veh, doch die Versuche von Zé Roberto (4.), Guy Demel (6.) und Änis Ben-Hatira (14.) waren noch zu ungenau für das Tor von Benedikt Pliquett, der überraschend den Vorzug vor Stammkeeper Thomas Kessler erhielt. "Er hat es sich verdient", begründete Stanislawski die Maßnahme. Das erste Mal auszeichnen konnte sich Pliquett in der 16. Minute, als er gegen Westermann in höchster Not zur Ecke klärte.

HSV vergibt in kürzester Zeit ein halbes Dutzend Großchancen

Und der FC St. Pauli? Das Stanislawski-Team bot in der Offensive überhaupt nichts, Entlastungsangriffe endeten frühzeitig in der HSV-Abwehr. Allein ein Schuss von Asamoah (40.), der zur Ecke geblockt wurde, sorgte für so etwas wie Gefahr in der Defensive der Gastgeber, die kurz vor der Halbzeitpause drei große Chancen vergaben. Zunächst köpfte Ruud van Nistelrooy aus rund sieben Metern völlig freistehend in die Arme von Pliquett (41.), dann schlenzte Ben-Hatira einen Ball von der Strafraumgrenze knapp am rechten Lattenkreuz vorbei (43.), und schließlich war Pliquett gegen Mladen Petric zur Stelle (44.).

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich an der Rollenverteilung nichts. Der HSV war weiter klar überlegen, aber es blieb dabei: Die Gastgeber konnten selbst beste Chancen nicht nutzen. Zé Roberto traf aus halblinker Position freistehend vor Pliquett nur das Außennetz (49.), dann klärte St. Paulis Verteidiger Carlos Zambrano im letzten Moment vor dem einschussbereiten van Nistelrooy (55.). Nach der anschließenden Ecke parierte Pliquett den Schuss von Joris Mathijsen einen Meter vor der Linie mit dem Fuß (57.).

Die HSV-Führung war eigentlich nur eine Frage der Zeit - doch das Tor fiel auf der anderen Seite. Eine Ecke von Max Kruse verlängerte Fabian Boll mit der Fußspitze in den Fünfmeterraum, wo Asamoah aus einem Meter zum 1:0 für St. Pauli einköpfte.

Das Gegentor war ein Schock für den HSV, der sich von diesem Rückschlag nicht mehr erholte. Zwar waren die Gastgeber auch in der Folge überlegen, klare Chancen konnte sich das Heimteam aber nicht mehr erspielen. Im Gegenteil: Weil der HSV am Schluss alles riskieren musste, ergaben sich für die Gäste gute Konterchancen, die sie aber nicht zu einem zweiten Treffer nutzen konnten. Die beste Möglichkeit vergab der eingewechselte Marius Ebbers, der an HSV-Torhüter Frank Rost scheiterte (77.).

Am Ende bejubelte St. Pauli den ersten Derbysieg beim HSV seit dem 2:0 im damaligen Volksparkstadion am 3. September 1977. HSV-Sportchef Reinhardt fand dafür seine eigenen Worte: "Wenn ich sehe, wie die Paulianer hier in unserem Stadion feiern, könnte ich kotzen."

Hamburger SV - FC St. Pauli 0:1 (0:0)
Tor: 0:1 Asamoah (59.)
Hamburger SV: Rost - Demel, Westermann, Mathijsen, Aogo - Jarolim, Zé Roberto - Ben-Hatira (72. Pitroipa), Jansen (46. Elia) - van Nistelrooy (72. Guerrero), Petric
FC St. Pauli: Pliquett - Thorandt, Gunesch, Zambrano, Volz - Boll (89. Bruns), Lehmann - Kruse, Takyi (58. Ebbers), Bartels - Asamoah (71. Daube)
Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Demel (2), Jarolim (7), Zé Roberto (4) - Daube (1), Zambrano (5)

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Das war's wohl für Reinhardt und Veh
Koltschak 16.02.2011
Wer mit diesem Potenzial des HSV nichts erreicht und wenn die Mannschavft nicht in der Lage ist, ihr Potenzial abzurufen, dann ist es Zeit für Konsequenzen. Leider gibt es zur Zeit keinen guten Trainer am Markt. Aber dieser HSV lässt einen nur erschauern. Glückwunsch an St. Pauli. Ihr habt zu Recht gewonnen. Macht in Dortmund dort weiter, wo ihr in Hamburg aufgehört habt. Und dem HSV ist nur zu einem radikalen Schritt zu raten. Sonst ward dat nix mehr! Nich in diesem un nich in den nächsten Jahren.
2. Jaaaaa!
AMC 16.02.2011
Ein Traum! HELLS BELLS! HELLS BELLS! Beste Rückrundenmannschaft bis dato. Zu geil: Gladbach schlecht, Köln schlecht, HSV schlecht? Oder ist es doch eher wie im CL-Finale letztes Jahr: 100 Millionen % Ballbesitz interessieren NULL...es sind die Tore, die das Spiel entscheiden! Wer wirklich noch glaubt, dass St.Pauli um den Abstieg spielt, hat keine Ahnung. Ich sage: das tragen nun andere unter sich aus! SANKT PAULI!
3. Zivilisation an der Müllverbrennungsanlage
Achim 16.02.2011
»HSV-Sportchef Reinhardt fand dafür seine eigenen Worte: "Wenn ich sehe, wie die Paulianer hier in unserem Stadion feiern, könnte ich kotzen."« Dann tu's doch. Und verkneift euch nächstes Mal die famose Idee mit dem Rasenverlegen im Februar. Hat euch ja nichts genützt ... Pauli hat sich jetzt den Sieg geholt, den das Team sich schon in der Hinrunde am Millerntor verdient hatte.
4. nö
antonwitt 17.02.2011
einfach nur geil - im Volksparkstdion zu gewinnen! Großkotz gegen Kiez - Hamburg gegen Altona/Dänemark/Preußen! Spitze. Da hat auch die mutwillige Verlegung (ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt!) nicht genützt! Hells Bells gegen Söldnertruppe! Und hoffentlich kotzen sich die HSVer (H-eute S-chon V-erloren)mal so richtig aus, vielleicht kriegen sie dann ja noch die Kurve für einen oberen Platz in den Rängen und schaffen es endlich den Verein wieder in Hamburg zu etablieren.
5. nö
antonwitt 17.02.2011
einfach nur geil - im Volksparkstadion zu gewinnen! Großkotz gegen Kiez - Hamburg gegen Altona/Dänemark/Preußen! Spitze. Da hat auch die mutwillige Verlegung (ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt!) nicht genützt! Hells Bells gegen Söldnertruppe! Und hoffentlich kotzen sich die HSVer (H-eute S-chon V-erloren)mal so richtig aus, vielleicht kriegen sie dann ja noch die Kurve für einen oberen Platz in den Rängen und schaffen es endlich den Verein wieder in Hamburg zu etablieren.
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