Erkrankter Barcelona-Profi: Abidal hat Spenderleber erhalten

Barcelonas Verteidiger Éric Abidal hat eine neue Leber. In einer langen Operation wurde dem französischen Nationalspieler ein Teil des Spenderorgans seines Cousins eingesetzt. Ob die Transplantation erfolgreich war, ist noch nicht abzusehen.

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Fußballprofi Abidal: "Er ist unersetzlich für uns"

Hamburg - Der französische Nationalspieler Éric Abidal vom Champions-League-Sieger FC Barcelona lebt seit Dienstag mit einer Spenderleber. Dies teilte Trainer Pep Guardiola am Rande des 4:0 (2:0)-Sieges gegen den FC Getafe am Dienstagabend mit. Der Spender war Abidals Cousin Gerard, der einen Teil seines gesunden Organs zur Verfügung stellte. "Beide erholen sich", sagte Vereinspräsident Sandro Rosell, der 32-jährige Fußballer und der Spender hätten die Operation gut überstanden.

"Eric und sein Cousin Gérard sind in der Tat gestern in Barcelona operiert worden und im Moment ist alles ok", schrieb Abidals Ehefrau Hayet auf der Facebookseite des Profis. "Er möchte allen danken für eure Nachrichten, eure Unterstützung und all die Kraft, die ihr ihm gebt." Laut Informationen spanischer Medien soll die Operation neun Stunden gedauert haben.

"Mir wurde nur gesagt, dass die Operation fast abgeschlossen ist und die nächsten Stunden kritisch werden", hatte Guardiola direkt nach der Begegnung gesagt: "Es war eine sehr lange OP, und wir müssen sehr vorsichtig sein." In Anlehnung an Abidals Rückennummer hatte sich die gesamte Fan-Gemeinde im Camp Nou in der 22. Spielminute erhoben und applaudiert.

Wie lange Abidal den Katalanen noch fehlen wird, ist unklar. Guardiola äußerte sich jedoch zuversichtlich über eine baldige Rückkehr: "Ich bin sicher, dass er zurückkommt. Er ist unersetzlich für uns."

Nach Krebserkrankung Lebertumor entfernt

Die Erkrankung von Abidal hatte Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans in ganz Europa bewegt. Dem Verteidiger Abidal war im März 2011 nach einer Krebserkrankung ein Lebertumor entfernt worden. Das Krebsgeschwür wurde entfernt - und entgegen der medizinischen Prognosen brauchte Abidal nicht einmal zwei Monate, um wieder auf dem Platz zu stehen. Bei Barcelonas Champions-League-Triumph war es Abidal, der den Pokal in die Höhe stemmen durfte. Im Januar dieses Jahres hatten sich beide Seiten auf eine Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Vertrags bis mindestens 30. Juni 2013 geeinigt.

Mitte März hatte Barcelona dann bekannt gegeben, dass sich der 32-Jährige einer Leber-Transplantation unterziehen werde. Dass Abidal einen Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld gefunden hat, der bereit war, ihm sein Organ zu spenden, ist für den Franzosen ein Glücksfall. Denn die Zahl der Eintragungen auf den Listen der Spendebedürftigen nimmt zu, die Wartezeiten werden länger: "Es gibt mehr Patienten als Organe. Das ist ein Problem", sagt Nadine Körner von der Deutschen Stiftung Organtransplantation DOS.

Dabei bestimmen spezielle medizinische Kriterien die Zuteilung für eine neue Leber. "Man kann die Wartezeiten für eine neue Leber deshalb nicht voraussagen. Das ist bei Nieren anders, da muss sich ein Patient etwa fünf bis sechs Jahre gedulden."

Ob Abidal während bei der EM in Polen und der Ukraine für die französische Nationalmannschaft auflaufen wird, ist noch nicht abzusehen - aber Mut könnte ihm der Fall des Kroaten Ivan Klasnic machen: Er war 2007 der erste Fußballspieler weltweit, der nach einer Nierentransplantation in eine der höchsten Spielklassen des Profisports zurückgekehrt ist.

psk/jar/sid

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Das Gute
Stelzi 11.04.2012
Das Gute an einer Leber Spende ist, es reicht in der Regel ein Leberlappen aus. Der wächst oft im Empfänger dann auf die benötigte Grösse und beim Spender wieder nach - wenn denn alles klappt, keine Komplikationen wie eine Abstossung, aufreten. Für den Spender ist die Operation aber durchaus riskant, da schwere Blutungen auftreten können. Deshalb Hut ab für diesen Akt der Nächstenliebe!
2.
Marcel GX 11.04.2012
Danke für die Erläuterung, die eigentlich in den Artikel gehört hätte. Mir jedenfalls war das so nicht bekannt.
3.
Stäffelesrutscher 11.04.2012
Zitat von Marcel GXDanke für die Erläuterung, die eigentlich in den Artikel gehört hätte. Mir jedenfalls war das so nicht bekannt.
Es soll da mal jemanden namens Prometheus gegeben haben, der das täglich erleben durfte. Auf jeden Fall: alles Gute für die beiden!
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Organspende und Organtransplantation
Postmortale Organspende in Zahlen
Jeden Tag sterben laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) drei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan registriert sind. Nach Rückgang und Stagnation in den Jahren 2008 und 2009 ist die Zahl der Organspender 2010 gestiegen. 4205 Organe wurden gespendet. Dennoch warten jährlich 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ.
Hirntod
Der mit dem Tod des Individuums identische endgültige Ausfall aller Funktionen von Groß- und Kleinhirn und Hirnstamm (Organtod des Gehirns), wobei die Kreislauffunktion unter Umständen noch durch künstliche Beatmung aufrecht erhalten werden kann. Besondere Bedeutung hat die Diagnose des Hirntods für die Organentnahme zum Zweck der Transplantation.
Warteliste
Die Wartelisten registrieren alle Patienten, die ein neues Organ benötigen und transplantiert werden können. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Die Transplantationszentren geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) im niederländischen Leiden.
Zustimmungslösung
In Deutschland gilt eine Zustimmungslösung: Hier muss zu Lebzeiten, zum Beispiel per Organspendeausweis, das ausdrückliche Einverständnis zur Organentnahme nach einem Hirntod gegeben werden. Ist dies nicht der Fall, müssen die Angehörigen entscheiden - auf Grundlage des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen.
Widerspruchsregelung
In Ländern wie Österreich, Spanien und Belgien ist jeder Bürger potentieller Organspender - es sei denn, man hat der Organspende zu Lebzeiten schriftlich widersprochen oder die nahen Angehörigen sind dagegen. Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) macht sich gemeinsam mit anderen Landeskollegen, unter anderem dem bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), auch in Deutschland für eine "erweiterte Widerspruchslösung" stark. Danach sollen die nahen Angehörigen eines Toten befragt werden und ein Einspruchrecht bekommen.
Entscheidungregelung
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Amtskollege Volker Kauder machen sich für die Entscheidungslösung stark. Danach fordert der Staat jeden Bürger einmal im Leben, etwa bei der Führerscheinprüfung oder bei der Ausstellung des Passes, zu einer Entscheidung für oder gegen eine Organspende auf.
Transplantationsgesetz
Gesetz vom 5.11.1997 in der Fassung vom 4.9.2007, das die Entnahme und Verpflanzung (Transplantation) von Organen regelt. Abschnitt 2, "Entnahme von Organen und Geweben bei toten Spendern", legt fest, dass eine Organentnahme nur dann zulässig ist, wenn der Tod des Organspenders nach Regeln, die dem Erkenntnisstand der medizinischen Wissenschaft entsprechen, durch zwei Ärzte festgestellt ist. Mindestvoraussetzung für eine Organentnahme ist die Diagnose des Hirntods. Hat der Spender zu Lebzeiten keine Entscheidung über eine Organspende getroffen, können auch Angehörige einer Organentnahme zustimmen. Das Transplantationsgesetz enthält außerdem umfassende Bestimmungen zur Organvermittlung und ein Verbot des Organhandels.
Eurotransplant
Eurotransplant ist eine gemeinnützige Stiftung und als solche seit 1967 für die Vermittlung aller Organe zuständig, die in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kroatien und Slowenien verstorbenen Menschen zum Zweck der Transplantation entnommen werden. Die Organe werden nach festgelegten Kriterien vergeben. Entscheidend für die Vergabe sind die Kriterien Verträglichkeit, Erfolgsaussicht, Wartezeit und Dringlichkeit.
Ein Mensch kann acht Menschenleben retten
Nach dem Hirntod können einem Menschen bis zu acht Organe oder Organteile entnommen und transplantiert werden: zwei Lungenflügel, zwei Nieren, die Leber, das Herz, die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm.

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