Erich Ribbeck "Asamoah muss eingebürgert werden"

Im ersten Interview des neuen Jahres hat Erich Ribbeck seinen Gedanken zum Fußball freien Lauf gelassen. Wie meist geht es dabei um die letzte deutsche Fußball-Ikone, Lothar Matthäus. Aber auch Bernhard Dietz, die kritischen Fans, das liebe Geld und die Nationalmannschaft im multikulturellen Look beschäftigen derzeit den DFB-Teamchef.


Hamburg - DFB-Teamchef Erich Ribbeck hat Verständnis für die zunehmenden Unmutsäußerungen in deutschen Fußball-Stadien. "Das ist ein natürlicher Prozess, wenn immer mehr Geld im Spiel ist und hohe Erwartungen nicht erfüllt werden", sagte Ribbeck in einem Interview der Welt am Sonntag. Ribbeck fügte hinzu: "Manchmal wundere ich mich sogar, wie viel Geduld die Fans aufbringen, bis sie ihren Unmut äußern."

Erich Ribbeck: Wundern über die Geduld der Fans
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Erich Ribbeck: Wundern über die Geduld der Fans

Der Bewertung des ehemaligen Kapitäns der Nationalelf, Bernhard Dietz, dass der Fußball nur noch auf Geld fixiert sei, schloss sich Ribbeck an: "Wenn solche Aussagen kommen, denke ich nach. Ich würde gern einmal mit den Verantwortlichen der Bundesliga-Klubs ein Gespräch darüber führen, ob wir eigentlich noch gescheit sind und wo das alles enden soll."

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus steht bei Ribbeck für zukünftige Aufgaben weiter hoch im Kurs. Zwar wolle er nicht über seinen möglichen Nachfolger befinden, "aber ich halte ihn auf Sicht für geeignet, ein erstklassiger Trainer zu werden. Er hat Fußball-Sachverstand, eine Riesenerfahrung, kennt Zusammenhänge und weiß sich bei den Medien zu bewegen".

Eine Absage erteilt Ribbeck dem bei der Uefa angedachten Gehaltsstopp für Profis: "Das halte ich für undurchführbar. Der DFB geht einen besseren Weg. Er macht neuerdings Nachwuchszentren und genügend Rasenplätze zur Bedingung bei der Lizenz-Erteilung für die Profiklubs. Und wenn die dafür mehr Geld ausgeben müssen, sind sie vielleicht auch eher bereit, die eigenen Talente einzusetzen." Diese Talente können nach Meinung Ribbecks der Nationalauswahl ein multikulturelles Gesicht geben: So hat der dunkelhäutige Schalker Stürmer Gerald Asamoah offenbar gute Chancen, bald zum Kader zu gehören. Ribbeck: "Er kann ein Thema werden, denn er ist ein Riesentalent. Ich befürworte seine beantragte Einbürgerung sehr."



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