BVB-Sieg in der Europa League In Gedanken schon bei Schalke

Der Sieg in der Europa League stand früh fest. Und so fieberten die Fans von Borussia Dortmund bereits dem Derby gegen Schalke 04 entgegen. Trainer Thomas Tuchel nutzte das Spiel gegen einen harmlosen Gegner für Experimente.

Von , Dortmund


Irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit brach das Derbyfieber im Dortmunder Westfalenstadion aus. Henrich Mchitarjan hatte gerade das 4:0 erzielt, der BVB spielte gut, aber die Partie gegen FK Qäbälä aus Aserbaidschan war zu einseitig, um emotional mit der Vorfreude auf das große Spiel gegen den FC Schalke am Wochenende konkurrieren zu können. Also sangen die Leute, "Wir wollen den Derbysieg!" oder "Scheiß Essnullvier".

Auch Trainer Thomas Tuchel freute sich nach der Europa-League-Partie auf die fiebrige Derby-Atmosphäre, für ihn steht das erste Spiel als BVB-Trainer gegen Schalke 04 an. Er habe ja schon einige Nachmittage "mit einer besonders dichten Atmosphäre, mit einer positiv aufgeladenen Stimmung" beim BVB erlebt, sagte er, könne sich aber vorstellen, "dass das jetzt noch ein bisschen intensiver wird".

Tuchel wollte dann aber doch noch ein bisschen über den 4:0-Sieg in der Europa League sprechen. "Es ist eine andere Anspannung in der Gruppenphase gegen so einen relativ unbekannten Gegner", sagte er. Er freute sich, dass sein Team mit der "nötigen Aufmerksamkeit mit dem nötigen Respekt für den Gegner und mit dem nötigen Hunger" gespielt habe.

Der Lohn für diese seriöse Arbeit ist eine sehr frühzeitige Qualifikation für die K.o.-Phase. "Es ist schön zu wissen, dass wir weiter sind", sagte Ilkay Gündogan, wobei diese Gewissheit nur eines von vielen kleinen positiven Details ist, die in den Tagen vor dem Derby ein leuchtendes Bild der Dortmunder Zuversicht ergeben.

Im Herbst wird oft über die Doppelbelastung der Europapokalteilnehmer gejammert, in den Dortmund Saisonverlauf passte der Termin am Donnerstagabend aber ziemlich gut. Das Team hatte das Highlight eines Pflichtspiels und bescherte sich ein nettes Erfolgserlebnis, ohne sich wirklich verausgaben zu müssen. Zudem haben die sensiblen Offensivspieler Marco Reus, Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang jeweils getroffen, was gut ist für ihr Selbstvertrauen.

Tuchel experimentiert

"Ich wollte unbedingt noch mein Tor machen", berichtete Aubameyang nach dem Abpfiff, es kursierten ja schon Scherze, der Stürmer befinde sich in einer Krise, weil er am vorigen Wochenende in Bremen mal ein ganzes Spiel lang ohne Treffer geblieben war. Diese kleine Durststrecke hat er umgehend beendet.

Trainer Tuchel nutzte die Gelegenheit für ein ungewöhnliches Experiment mit seinem Spielsystem: Bei gegnerischem Ballbesitz bestand die Defensivreihe in der ersten Halbzeit aus einer Viererkette mit Lukasz Piszczek, Sven Bender, Mats Hummels und Marcel Schmelzer. Bei eigenem Ballbesitz wurde daraus eine Dreierkette mit dem großartig aufgelegten Bender als Libero, Hummels links und statt Piszczek rückte nun Matthias Ginter in die Kette. Ginter und Hummels sollten schon "über das Halbfeld Druck ausüben, wir dachten, dass wir so schneller auf die Grundlinie kommen", erläuterte Tuchel.

Derart unkonventionelle Lösungen sind auch bei Josep Guardiolas Münchnern häufig zu sehen, nun sucht Tuchel nach innovativen Wegen, den Raum möglichst gut mit möglichst passenden Spielern zu besetzen. "Das hat ganz gut geklappt hat", sagte er. Insgesamt bewältigten die Dortmunder diese Herausforderung mit der Ernsthaftigkeit und der Gelassenheit einer echten Spitzenmannschaft. "Es war nichts Spektakuläres - aber für uns war wichtig, dass wir gewinnen", sagte Gündogan. Nur mit einer neuen Sorge müssen sie sich herumplagen nach diesem netten Fußballabend.

Marco Reus, der nach seinen zahllosen Verletzungen der vergangenen 15 Monate endlich wieder richtig ins Rollen kommt, ließ sich in der Halbzeit mit einem Ziehen in der Leistengegend auswechseln. Hier hat Reus immer wieder Probleme, sein Einsatz am Sonntag ist fraglich. Aber Tuchel hat noch Hoffnung: "Es ist eine andere Stelle als die, an der die Beschwerden bisher waren. Es kann sein, dass er ausfällt; es kann sein, dass es klappt." Auch ohne Reus gehen die Dortmunder als klarer Favorit in das Derby, denn das Team funktioniert. Das hat das Spiel gegen Qäbälä noch einmal gezeigt.

Borussia Dortmund - FK Qäbälä 4:0 (2:0)
1:0 Reus (28.)
2:0 Aubameyang (45.)
3:0 Eigentor Zenjov (67.)
4:0 Mchitarjan (70.)

Borussia Dortmund: Weidenfeller, Piszczek, Ginter (62. Gündogan), Hummels, Schmelzer - Weigl, S. Bender, Castro, Mchitarjan, Reus (46. Januzaj) - Aubameyang (68. Ramos)
FK Qäbälä: Pietrzkiewicz - Vernydub, Stankovic, Santos, Ricardinho - Gai, Meza (76. Jamalov) - Dashdemirov, Antonov (69. Abel Pereyra), Dodo - Zenjov
Schiedsrichter: Delferiere (Belgien)
Zuschauer: 57.000
Gelbe Karten: Bender - Vernydub, Meza, Camalov



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Brummermann 06.11.2015
1. Einfallsreich
Das war schon einfallsreich aks nach dem 4 : 0 die Dortmunder Fans sangen Schalke 04, Schaöle 04. Und das wäre auch ein schönes Ergebnis für den kommenden Sonntag. Ich würde trotzdem Reus darußen lassen, auch wenn er sicherlich darauf brennen wird zu spielen. Tuchel sollte jedoch keinerlei Risiko eingehen, diese harmlose Schalker Mannschaft kann auch ohne Reus besiegt werden, das schafft der BVB im Schongang.
constantin_blanc 06.11.2015
2. @1
Keine Bundesligamannschaft gewinnt ein Spiel im Schongang. Dortmund nicht, Wolfsburg nicht und auch die Bayern nicht. Wenn man das nicht versteht, führt das nur dazu, dass man großartige Leistungen nicht mehr zu würdigen weiß, sondern sie einfach erwartet oder hinnimmt. Sieht man daran, wie viele Fanlager über Bayern sprechen, aber auch daran, welche Dummbatzreflexe nach jeder Gala von Dortmund greifen, hüben wie drüben: Gegner schwach, teurer Kader, Glück gehabt, konnte man erwarten...etc. Das wird der Leistung beider Manndchaften nicht gerecht.
diezwo 06.11.2015
3. Reus schonen
Ich würde Marco Reus auch lieber nicht spielen lassen. Er ist nun mal etwas empfindlicher als andere und der S04 wird ihn schon kaputt kriegen. Bei den Königsblauen geht man ja auch gerne mal auf die Knochen, gerade wenn man verliert. Und das wird gegen den BVB wohl so kommen...
Hank Hill 06.11.2015
4. Der Grund
für Schalkes tollen Bundesligastart ist in erster Linie Glück. Sie haben noch kein überzeugendes Spiel gezeigt, aber z.B. gegen Stuttgart, Hertha oder Darmstadt nur unverschämtes Glück gehabt. Fehlt dieses Glück dann sieht die Realität wie in den letzten 6 Spielen aus. Wenn man das Schalker Spiel gestern gesehen hat und auf die Bundesligatabelle schaut, dann muß die Bundesliga erschreckend schwach sein.
treime 06.11.2015
5. Als Fan eines Zweitligisten...
...rate ich dem BVB auch, Reus draussen zu lassen - vielleicht anstelle Auba sogar mit Ramos zu starten. Man weiß nie, wann die S04er den nächsten Spieler niedertreten. Seit die sogenannten S04 Fans bei Hahns Beinbruch "Auf wiedersehen" gesungen haben, als hätte er geschauspielert, ist S04 bei mir endgültig unten durch. Schade, das Sparta gestern nicht gewonnen hat.
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