Borussia Dortmund Fit mit Tuchel

Nach dem Sieg gegen Porto zeigt sich: Borussia Dortmund ist in einer exzellenten Form. Das liegt auch am Trainingsprogramm von Coach Tuchel - ein Vorteil im Duell um die Meisterschaft mit dem FC Bayern.

Von , Dortmund


Thomas Tuchel schien nicht so genau zu wissen, welche Gefühle nun stärker waren nach diesem eher biederen 1:0-Sieg seiner Mannschaft beim FC Porto. Er sei "mit der Leistung heute gar nicht zufrieden", sagte der Trainer von Borussia Dortmund, "wir haben lange gespielt wie ein Orchester, das den Rhythmus nicht findet, Passspiel und Raumaufteilung waren mangelhaft".

Dass der BVB gegen die zuvor stark eingeschätzten Portugiesen derart ungefährdet ins Achtelfinale einzog, beeindruckte aber auch Tuchel. Trotz der fußballerischen Probleme habe sein Team "den Biss und die Ordnung nicht verloren", sagte der Trainer. Auch wenn dem BVB nicht jede Partie so spektakulär gelingt wie beim 2:0 im Hinspiel - die Ergebnisse stimmen derzeit. Sieben von acht Pflichtspielen im Jahr 2016 hat der BVB gewonnen und dabei nur zwei Gegentreffer zugelassen. "Es ist ein Riesenschritt, den wir da gemacht haben, ich glaube, da können wir stolz drauf sein", sagte Marcel Schmelzer in Anspielung auf die vielen Gegentore in der Hinrunde.

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Dortmund siegt in Porto: Lockerer Ausflug in die Drachenhöhle
Auch Spiele zu gewinnen, in denen es fußballerisch nicht so gut läuft, ist ein elementarer Wesenszug eines echten Spitzenteams. Nach 23 Minuten führte Dortmund gegen Porto 1:0. "Mit dem frühen Tor sind wir relativ schnell in die richtige Spur geraten", sagte Mats Hummels, der sich in der Halbzeit wegen Schmerzen am Hüftbeuger auswechseln ließ: "Wenn es ein Finale gewesen wäre, hätte ich mich durchgebissen." Musste er aber nicht. Neven Subotic kam in die Partie und fügte sich nahtlos ein. Hummels war anschließend "sehr zuversichtlich, dass es Sonntag wieder geht". Dann spielen die Dortmunder gegen 1899 Hoffenheim. Auch die Auswechslung von Ilkay Gündogan in der Pause war eher eine Vorsichtsmaßnahme.

Beim BVB, dessen Krise in der vorigen Saison auch mit massiven Verletzungsproblemen zu tun hatte, wird derzeit mit großer Aufmerksamkeit in die Körper der Profis hineingehört. Das ist ein Verdienst Tuchels, unter dessen Einfluss Hummels und Gündogan auch ihre Gewichtsprobleme in den Griff bekommen haben. "Belastungssteuerung" ist eines seiner Lieblingswörter, und es gibt derzeit wohl keinen Trainer, der diese Kunst besser beherrscht. Das wurde auch in Porto wieder deutlich.

Aubameyang, Reus: Im Schongang in die nächste Runde
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Aubameyang, Reus: Im Schongang in die nächste Runde

Gegenüber dem Spiel in Leverkusen vom vorigen Sonntag hatte Tuchel die Mannschaft auf fünf Positionen umgestellt, solche massiven Eingriffe sind beim BVB keine Seltenheit. Wegen der beiden Qualifikationsrunden in der Europa League, die die Dortmunder absolvieren mussten, hat kein Bundesligist in dieser Saison mehr Pflichtspiele absolviert. Und dennoch gibt es kaum Verletzte. Lukasz Piszeck musste in Porto wegen einer eher harmlosen Oberschenkelverhärtung pausieren, und Sokratis fiel aus, weil er in Leverkusen nach der neunminütigen Unterbrechung sofort in ein Sprintduell gehen musste und sich dabei einen Muskel zerrte. Alle anderen sind gesund.

Der Kader scheint so homogen wie lange nicht mehr

So kann Tuchel ständig rotieren, etablierte Leute wie Gonzalo Castro oder Shinji Kagawa wurden sogar zwischenzeitlich aus dem Kader gestrichen, vorigen Sonntag in Leverkusen saß Marco Reus zunächst auf der Bank, in der Startelf stand der junge Christian Pulisic. Nach der Winterpause sind plötzlich Moritz Leitner und Nuri Sahin echte Alternativen, unersetzlich sind eigentlich nur Pierre-Emerick Aubameyang und Henrich Mchitarjan- zwei Spieler, die ohnehin fast nie verletzt sind.

Im Winter hieß es noch, der BVB brauche dringend Verstärkungen, um die Leistungsdichte zu erhöhen. Inzwischen scheint es, als sei der Kader homogen wie lange nicht. Viele Spieler können auf ganz unterschiedlichen Positionen eingesetzt werden, jeder bekommt seine Einsatzzeiten und wenn einer eine Pause braucht, ist auch das kein großes Problem.

Das könnte sich in der entscheidenden Phase der Saison auszahlen. Der FC Bayern litt unter Pep Guardiola immer darunter, dass im April, wenn die ganz wichtigen Spiele auf dem Kalender stehen, entscheidende Profis ausfielen. Auch jetzt rätseln sie in München, warum sich so viele ihrer Spieler schwere Muskelverletzungen zuziehen. Bei allen Vorteilen, die der FC Bayern gegenüber der Konkurrenz hat - solche Sorgen sind den Dortmundern in dieser Saison fremd.

Im Video: Marco Reus kritisiert BVB-Spielweise

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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
hakmak 26.02.2016
1. in anderen Jahren
hätte diese Performance für den ersten Tabellenplatz gereicht... dieses Jahr sind aber die Bayern noch besser. iIch drücke die Daumen für die Euro Liga.
siebke 26.02.2016
2. ???
Nicht rätseln.........einfach den noch Trainer von Bayern fragen ??
bobby.dittmann 26.02.2016
3. Kein Meisterschaftsduell
Alle BVBFans wissen, na gut, fast alle BVBFans wissen, dass es dieses Jahr zu keinem Duell mehr um die Meisterschaft kommen wird. Selbst wenn der BVB alle Spiele gewinnt - was natürlich auch nicht passieren wird - ist es unwahrscheinlich das Bayern überhaupt so viele Punkte liegen lassen wird... Die Bayern werden vielleicht ein, zwei Spiele unentschieden spielen, eventuell das direkte Duell verlieren (allerdings nach dem Hinspiel muss da auch einiges zusammen kommen), aber mehr passiert da nicht.
marathoni 26.02.2016
4. Sollten die Bayern stolpern
könnte es tatsächlich nochmal spannend werden. Aber mir fehlt der Glaube daran, vor allem wenn man wie gegen Juve gesehen hat zu welchen offensiven Leistungen der FCB trotz der vielen Verletzten in der Lage ist. Ich denke der BVB wird den Rest der Saison im Abstand von 5-12 Punkte hinter den Münchner oszillieren. Das macht aber nichts so kann man sich dank eines bequemen 15 Punkte Polsters auf den dritten Platz ganz auf die Europa League und den Pokal fokussieren.
lupy 26.02.2016
5. als
hatte ich Herrn Tuchel nicht zugetraut, die Mannschaft auf den zweiten Tabellenplatz zu bringen und wohl für die Champions-League zu qualifizieren. Wenn die Mannschaft sich nun durch Pokal und Europa-Liga kämpfen muss zeigt sich, welche Qualität sie besitzt. Wenige Verletzte bei guten Erfolgen lassen hoffen. Den Rest besorgen die Schiedsrichter ;)
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