BVB-Sieg gegen Atalanta Unkontrollierter Erfolg

Dortmund hat sein Europa-League-Hinspiel gegen Atalanta gewonnen - offenbarte allerdings wieder Probleme bei der Chancenkreation und in der Defensive. Aber: Solange Michy Batshuayi trifft, reicht das zum Siegen.

Dortmunder Jubel
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Die Blitzreaktion: In der ersten Minute der Nachspielzeit fiel Mario Götze der Ball an der Strafraumgrenze nach einer verunglückten Abwehraktion Atalantas vor die Füße. Der 25-Jährige hatte nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, sich für eine Aktion zu entschieden - und entschied richtig. Direkt spielte Götze den Ball zurück in den Strafraum zu Michy Batshuayi, der den Siegtreffer für den BVB erzielte.

Das Ergebnis: Nach zwei Remis und vier Niederlagen in der Champions League hat der BVB gegen Atalanta Bergamo seinen ersten Sieg in der laufenden Europapokalsaison gefeiert. Borussia Dortmund gewann das Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals 3:2 (1:0). Hier geht's zur Meldung.

Die erste Hälfte: Dortmund ging zwar in Führung, war aber keineswegs die spielbestimmende Mannschaft. Warum der BVB trotzdem zur Pause vorne lag? Der Gastgeber war im Abschluss präziser. Atalanta brachte seine vier Versuche allesamt nicht aufs Tor. Gerade der Kopfball aus kurzer Distanz von Mattia Caldara hätte drin sein müssen (13. Minute). Christian Pulisic vergab zunächst die größte Chance der Borussia (23.), André Schürrle machte es besser, als ihm ein scharfer Ball von Lukasz Piszczek erst zu weit wegsprang, er den Ball dann aber noch ins Tor grätschte (30.).

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Dortmunds Sieg gegen Atalanta: Ein Auf und Ab

Die zweite Hälfte: Das bisschen Kontrolle, das Dortmund in Form der Führung zunächst noch hatte, gab das Team dann schleunigst auch noch her. Josip Ilicic traf doppelt, (51., 55.) stand vor dem ersten Tor allerdings im Abseits. Michy Batshuayi erzielte erst den Ausgleich (65.) und dann kurz vor Schluss den Siegtreffer (90.+1) - jeweils nach Zuspiel des eingewechselten Götze.

Doppelter Kontrollverlust: Die erste Hälfte zeigte, wie sehr sich das Dortmunder Spiel in dieser Saison verändert hat. Atalanta hatte bis zur Pause knapp 55 Prozent Ballbesitz. Vor nicht allzu langer Zeit wäre das für einen Tabellenachten der Serie A zu Gast in Dortmund völlig undenkbar gewesen. In der zweiten Hälfte kippten die Spielanteile zwar (68 Prozent Ballbesitz BVB), dann aber offenbarte Dortmund wieder mal eine extreme Anfälligkeit in der Defensive - und gab das Heimspiel innerhalb weniger Minuten auf diesem Weg aus der Hand.

Atalantas Jubel nach dem Ausgleich
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Atalantas Jubel nach dem Ausgleich

Der Wendepunkt: Es war bemerkenswert, wie sehr sich das Dortmunder Spiel mit der Einwechslung von Götze verwandelte. Plötzlich gab es wieder Tempo, Kreativität, überraschende Ideen. Die Drangphase in den Minuten nach dem Wechsel ließ dann zwar zwischenzeitlich auch wieder nach. Dennoch war es kein Zufall, dass Götze beide Tore vorbereitete.

Gekommen, um zu treffen: Drei Spiele, fünf Tore. Der Einstand von Michy Batshuayi im Trikot des BVB kann sich sehen lassen. Ganz nebenbei ist der Belgier nun auch der erfolgreichste Torschütze in der laufenden Europapokalsaison, den der BVB zu bieten hat. Für den FC Chelsea hatte Batshuayi in der laufenden Spielzeit schon zwei Champions-League-Tore erzielt - bei einem Startelfauftritt und drei Kurzeinsätzen.

Lahko noc: Das ist slowenisch und heißt "Gute Nacht". Die wird Jeremy Toljan nur wegen des Siegs haben, nicht aber wegen seiner Leistung und schon gar nicht wegen des starken slowenischen Angreifers der Gäste. Zweimal sah Toljan aus kürzester Distanz zu, wie Ilicic ein Tor erzielte. Erst verschätzte sich Toljan bei einer Flanke, dann war er bei einem Abpraller einen Schritt später als sein Gegenspieler. Auch in anderen Moment ließ Ilicic den jungen Dortmunder Verteidiger schlecht aussehen.

Josip Ilicic (l.), Jeremy Toljan
AP

Josip Ilicic (l.), Jeremy Toljan

Fazit des Spiels: Dortmund ist seit sechs Spielen ungeschlagen, hat die vergagenen drei Pflichtspiele gewonnen. Aber wie zuletzt in der Bundesliga leistete sich den BVB auch in der Europa League schwere Defensivfehler (wie gegen Köln) und wusste offensiv nur selten zu überzeugen (wie gegen den HSV). Aber wieder mal war es Michy Batshuayi, der sein neues Team rettete (wie bisher immer). Auf Dauer kann das aber nicht funktionieren. Für anhaltenden Erfolg muss Dortmund wieder mehr Kontrolle übernehmen - über die eigene Spielweise und über die Defensivarbeit.

Borussia Dortmund - Atalanta Bergamo 3:2 (1:0)
1:0 Schürrle (30.)
1:1 Ilicic (51.)
1:2 Ilicic (56.)
2:2 Batshuayi (65.)
3:2 Batshuayi (90.+1)
Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Toljan - Weigl (81. Dahoud)- Pulisic (85. Isak), Castro, Reus (62. Götze), Schürrle - Batshuayi
Atalanta Bergamo: Berisha - Rafael Toloi, Caldara (85. Palomino), Masiello - Hateboer, de Roon, Freuler, Spinazzola - Cristante - Ilicic, Gomez (76. Gosens)
Zuschauer: 62.000
Schiedsrichter: Stefanski
Gelbe Karten: Weigl, Piszczek, Schürrle, Batshuayi - Cristante, Hateboer



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gibmichdiekirsche 16.02.2018
1. Seit sehr langer Zeit...
Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich heute Polizei in voller Ausrüstung (Helme, Schutzkleidung, Schlagstöcke usw.) innerhalb des Westfalenstadions gesehen. Hintergrund: Viele der auch ansonsten recht aggressiv auftretenden Atalanta-Fans hatten einen Block auf der Nord(70) "gekapert", in dem sie nichts verloren hatten. In Folge wurden Borussen (auch uns), die Karten für eben diesen Block hatten, natürlich nicht mehr eingelassen und in einen anderen Block "umgeleitet". Da musste man dann hoffen, dass die auf gut Glück eingenommenen Plätze nicht vergeben waren bzw. die eigentlichen Platzinhaber sich kulant zeigten (was bei uns der Fall war). Wohl aus Deeskalationsgründen ist die Polizei wieder abgerückt. Schade. Die Atalanta-Fans haben ansonsten ihr Team in starker Weise unterstützt, aber solche Sachen müssen nun wirklich nicht sein. Auch nicht, wenn man von einem ganzen Pulk auf der Toilette stehend angemacht wird mit Worten wie "vaffagangulo, Dortmund stronzo" usw. Ich übersetze das nicht, weil es der Moderation mit Recht nicht gefallen dürfte. Man benutze eine Suchmaschine, wenn man's denn wissen will... Zum Spiel: Atalanta spielte aus einer soliden Defensive heraus ein sehr ansehnliches Umschaltspiel. Vermutlich wäre der Zahn bereits gezogen gewesen, wenn der BVB zur Halbzeit das 2:0 gemacht hätte, was durchaus möglich und verdient gewesen wäre. So kamen sie sehr mutig und engagiert aus der Kabine und überrumpelten den BVB ca. 10-15 Minuten lang mit ihren Kontern. Natürlich auch begünstigt durch einige Fehler und leichte Ballverluste im BVB-Aufbauspiel. Aber gut, dass und wie der BVB dagegen hielt und das Spiel erneut drehte. Massgeblich dafür verantwortlich: Ein sehr gut aufgelegter und starker Götze. Daneben hat sich neben dem Doppeltorschützen auch André Schürrle besonders verdient gemacht. Auffällig war, dass beide Außenverteidiger ihre offensiven Qualitäten viel zu wenig einbrachten - vielleicht lag das an Stögers Matchplan. Und wenn Piszczek dann doch einmal Dampf nach vorne machte, wurde es sogleich gefährlich. Für mich kein Zufall, dass nach Kagawas Ausfall erst mit Götze strategisch wertvolles Spiel zustande kam. Vorher spielte Reus im zentralen offensiven Mittelfeld, und das ist nun mal nicht seine beste Position. Summa: Das Aufbäumen nach dem Rückstand war beachtlich gut, alle Chancen fürs Rückspiel sind noch da. Sowohl rechnerisch als auch taktisch. Denn nun ist Bergamo gefordert, offener zu agieren und das dürfte dem BVB in die Karten spielen. Ein letztes: Die "Schuld" oder "Verantwortung" bei den Gegentoren lag am wenigsten bei den beteiligten Abwehrspielern (z.B. Toljan) im Strafraum. Die entsprechenden Bälle hätten erst har nicht so gefahrbringend dort ankommen dürfen, und darüber sollten sich die heute in der Defensivarbeit alles andere als überzeugenden Castro und Weigl weit mehr Gedanken machen als ihre Hintermänner.
fallobst24 16.02.2018
2. Hmm
War verdient, aber letztlich knapp und glücklich. Und das alles zu Hause gegen den 8. der italienischen Liga. Naja, hoffen wir für den deutschen Fußball, dass Dortmund das Rückspiel konzentrierter angeht. Mir sah das zu chaotisch und zu verunsichert aus. Stöger hat nach 2 Monaten bei solch einem Kader nur das Minimalste geschafft, wobei es relativ zu Bosz ja eine Rettung ist und im Vergleich zu Tuchel 2. Liga-Niveau. Jetzt ist das nicht mehr zu ändern, aber wie man überhaupt (insbesondere in Dortmund) nur den Gedanken formulieren kann, dass Stöger über die Saison hinaus vielleicht Trainer bleiben könnte, verstehe ich beim besten Willen nicht.
gammoncrack 16.02.2018
3. Das ist alles noch nicht das gelbe vom Ei.
Erfreulich die Sequenz von Spielen ohne Niederlage, aber ich habe fast immer den Eindruck "von mehr Glück als Verstand". Vermutlich werden sie das auch im Rückspiel benötigen. Die Auswärtstore von Bergamo tun schon richtig weh. Diebisch würde ich mich allerdings freuen, wenn Arsenal die CL verpasst und der BVB drin ist. Dann hat sich Auba ja den richtigen Verein ausgesucht.
hansa54 16.02.2018
4. Borussia Dortmund
ist wohl die einzige deutsche Mannschaft im Wettbewerb? Hat denn RBL auch gespielt?
gammoncrack 16.02.2018
5. Was ist Ihr Problem?
Zitat von hansa54ist wohl die einzige deutsche Mannschaft im Wettbewerb? Hat denn RBL auch gespielt?
http://www.spiegel.de/sport/fussball/europa-league-rb-leipzig-siegt-bei-der-ssc-neapel-a-1193785.html
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