Olympique im Europa-League-Finale Für Marseille brennt selbst Zidane

25 Jahre ist Olympique Marseilles größter internationaler Triumph her. Nun steht der Klub wieder in einem europäischen Finale. Viele Franzosen hoffen auf einen Sieg gegen Atlético Madrid - und sorgen sich um die Sicherheit.

AFP

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Dem Lokalrivalen die Daumen drücken? Davon hält Zinedine Zidane überhaupt nichts. Vor dem Europa-League-Finale zwischen Atlético Madrid und Olympique Marseille sagt der Real-Madrid-Coach: "Ich vibriere für Marseille." Und: "Es gibt nur einen Verein, dem ich die Daumen drücke. Ich glaube fest, dass sie es schaffen."

Überrascht sein wird bei Atlético wohl kaum einer über diese Aussage. Die sportliche Rivalität zwischen Real und Atlético in den vergangenen Jahren war nicht zu übersehen. Oder können Sie sich vorstellen, dass sich der FC St. Pauli über Erfolge des HSV freut?

Für Zidanes Verbundenheit spricht jedoch vor allem seine Herkunft: Der französische Welt- und Europameister ist in Marseille geboren worden, und auch wenn er nie für "OM" gespielt hat, war er schon in frühester Jugend glühender Anhänger des Hafen-Klubs von der französischen Mittelmeerküste. Und er ist damit nicht alleine.

"Lange andauernde Liebesgeschichte"

Der Einzug ins Europa-League-Finale (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird von vielen Franzosen gefeiert. Staatspräsident Emmanuel Macron, Nationaltrainer Didier Deschamps - alle sind sie vor dem Duell mit Atlético große Marseille-Fans. Nachdem PSG es in der Königsklasse wieder einmal nicht ins Endspiel geschafft hat, muss nun OM den nationalen Fußball-Stolz verteidigen.

Der Einzug des Klubs ist eine Überraschung, der größte internationale Erfolg des Klubs liegt schon 25 Jahre zurück: Damals gewann Marseille die Premierensaison der Champions League 1:0 gegen AC Mailand. Das Tor hütete damals Fabien Barthez, in der Abwehr spielte Marcel Desailly, Kapitän war Deschamps. Und im Sturm spielte Rudi Völler. Kein anderes französisches Team war bislang in der Königsklasse erfolgreich.

"Wir haben eine lange andauernde Liebesgeschichte mit europäischen Wettbewerben", sagt Marseille-Trainer Rudi Garcia: "Wir wollen es unseren berühmten Vorgängern nachmachen, auch wenn wir wissen, dass es schwierig wird." Die Außenseiterrolle Marseilles, das 2004 zuletzt in einem europäischen Finale stand (Niederlage gegen Valencia), würde einen Sieg am Mittwoch "zur Sensation" machen.

Gustavo, Payet, Thauvin - Marseille hat spannende Spieler

Sicher, Atlético Madrid stand in den vergangenen sechs Jahren dreimal in europäischen Endspielen, zweimal sogar in der Champions League (die das Team jedoch beide verlor). 2010 und 2012 gewannen die Spanier die Europa League. Allzu klein machen muss sich Olympique Marseille jedoch nicht.

Der aus der Bundesliga bekannte Brasilianer Luiz Gustavo führt ein strenges Defensivregiment, für die genialen offensiven Momente ist Dimitri Payet verantwortlich, der auch bei der EM 2016 brilliert hatte. Und dann ist da noch Florian Thauvin, der seine wohl bislang beste Saison spielt und bereits 22 Tore in der Liga geschossen hat.

Für Atlético wird es das letzte Spiel, bevor sich der Klub wieder einmal neu erfinden muss. Falcao, Diego Forlán: Regelmäßig verlassen Stars den Verein, nun steht mit dem Franzosen Antoine Griezmann ein weiterer Schlüsselspieler vor dem Absprung. Er ist sich angeblich mit dem FC Barcelona einig, 100 Millionen steht in der Ablöseklausel seines Vertrags festgeschrieben.

Furcht vor Fan-Ausschreitungen

Auch die Zukunft des Mannes, der in den vergangenen Jahren dafür gesorgt hat, dass die Mannschaft die Abgänge kompensieren konnte, ist ungewiss: Über Trainer Diego Simeones Abschied wird seit Wochen spekuliert. Im Finale wird der emotionale Trainer übrigens nicht an der Seitenlinie stehen - er war nach einem Ausraster im Halbfinale gegen Arsenal gesperrt worden. Dennoch gilt das Team als Favorit.

Unterstützung kann Marseille von seinen Fans erwarten. Das Finale findet in Lyon statt, eine knapp drei Stunden lange Autofahrt von der Mittelmeerstadt entfernt. 15.000 Anhänger werden erwartet. Welches Team ein Heimspiel haben wird, ist nicht schwer zu beantworten. Dennoch bereitet der Spielort den französischen Behörden Kopfzerbrechen.

Denn die Fangruppen von Lyon und Marseille gelten als verfeindet. Zuletzt kam es bei Duellen der beiden Klubs zu heftigen Krawallen, Sitzschalen wurden aus der Verankerung gerissen und als Wurfgeschosse benutzt. 1250 Polizisten sollen das Spiel nun sichern, Wasserwerfer und Hubschrauber werden eingesetzt.

"Es muss ein Fußballfest vor, während und nach dem Spiel werden, an dem auch Frauen und Kinder problemlos teilnehmen können", hat sich Marseille-Coach Garcia gewünscht. "Ich hoffe, das alles im Rahmen bleibt und nichts zerstört wird", ergänzte OM-Verteidiger Adil Rami.

Für gute Stimmung könnten die Marseille-Verantwortlichen selber sorgen. Mit dem größten Erfolg seit 1993.

Mit Material von sid, dpa, Reuters und AP



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