Gladbachs Remis gegen Lazio: Favres verrücktes Höllenspiel

Von , Mönchengladbach

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Sechs Tore, drei Elfmeter: Die Europa-League-Partie zwischen Gladbach und Lazio Rom war ein Spektakel. Das Spiel zeigt deutlich, wie weit der Weg der Borussia zu einer Spitzenmannschaft noch ist - und dass Trainer Lucien Favre noch immer die richtige Strategie sucht.

Führung, Rückstand, Ausgleich, erneute Führung, wieder Ausgleich, diesmal in der allerletzten Sekunde. Es war beste Unterhaltung, was Borussia Mönchengladbach und Lazio Rom beim 3:3 (0:1) in der Zwischenrunde der Europa League dem Publikum boten.

Es war ein Spiel, wie Gladbachs Trainer Lucien Favre es hasst.

Der Tüftler unter den Trainern liebt es, wenn eine Partie exakt einem Plan folgt. Seinem Plan. Wenn alle seine Spieler genau das umsetzen, was er ihnen zuvor mitgegeben hat. Solche Spiele enden dann gerne 1:0 für Borussia Mönchengladbach.

Aber an diesem Abend widersetzte sich die Partie vor allem in der zweiten Halbzeit allen Matchplänen dieser Welt. Am Ende standen sechs Tore, drei Elfmeter, ein Platzverweis, zwei Pfostenschüsse. "Es war ein verrücktes Spiel", sagte Favre danach. Das hatte er schon am vergangenen Samstag gesagt, als sein Team gegen Bayer Leverkusen in der Liga ebenfalls ein turbulentes 3:3 hingelegt hatte. Verrückte Spiele sind für die Zuschauer attraktiv. Für Favre sind sie die Hölle.

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Europa League: Bittere Tore in der Nachspielzeit

So musste Sportdirektor Max Eberl anstelle des Trainers nach diesem "Wellental der Gefühle" die positiven Dinge heraussuchen, die dieses dramatische Match für die Gastgeber bereitgehalten hatte. "Es hat sich gezeigt, dass wir mit einem europäischen Spitzenteam mithalten können", sagte Eberl: "Lazio hat uns keineswegs an die Wand gespielt."

Damit machte der Sportdirektor den aktuellen Tabellenachten der Bundesliga allerdings kleiner, als er ist. Vor allem aber machte er den Gegner größer, als er sich in Mönchengladbach präsentierte. Der Zweite der Serie A, ohnehin schon durch das Fehlen seiner Führungsspieler Miroslav Klose und Stefano Mauri geschwächt, bot an diesem eiskalten Winterabend eine für italienische Verhältnisse geradezu erschreckend naive Abwehrleistung. Im Zweikampfverhalten gingen die Lazio-Innenverteidiger im Strafraum dermaßen ungeschickt zur Sache, dass dem russischen Referee Sergej Karasev nichts anderes übrig blieb, als dreimal auf Elfmeter für die Borussia zu entscheiden.

Das Spiel zeigte auch deutlich auf, wie weit der Weg der Gladbacher zu einer echten Spitzenmannschaft noch ist. Ein Top-Team hätte die Schwächen der Italiener cool ausgenutzt und ein überzeugendes 3:0 oder 4:1 nach Hause gebracht. Favres Elf jedoch lud die Römer durch "einfachste Fehler" (Eberl) immer wieder zu beinahe identisch aussehenden Gegentoren ein. Eine simple Flanke in den Strafraum reichte bereits aus, um die Borussen-Abwehr in höchste Unordnung zu versetzen. Dreimal nutzten dies die Lazio-Stürmer, von der Gladbacher Innenverteidigung vollständig allein gelassen, eiskalt aus.

Wobei die taktische Maßnahme von Favre, den versierten Außenverteidiger Tony Jantschke nach innen ins Mittelfeld zu ziehen, ihren Anteil an den Gegentreffern hatte. Die Lücke, die Jantschke so auf seiner angestammten Abwehrseite hinterließ, vermochte sein Ersatz, der Österreicher Martin Stranzl, nicht zu schließen. Und Stranzl, bewährter Innenverteidiger, fehlte dafür in der Abwehrmitte.

Alle Vorteile liegen jetzt bei den Italienern

Trotzdem wäre der Österreicher beinahe der Mann des Abends gewesen. Wenn er nach einem souveränen Elfmetertor zum 1:0 (16. Minute) nicht seinen zweiten Strafstoß (70.) gegen Lazio-Torwart Marchetti vergeben hätte. Und wenn er eine Minute später nicht den Pfosten, sondern das Tor getroffen hätte. "Ich fühlte mich beim zweiten Strafstoß genauso sicher wie beim ersten", sagte der 35-Jährige anschließend. Den dritten Gladbacher Elfmeter (83.) schoss dann aber sicherheitshalber mit Torben Marx ein anderer.

Die Chancen im Rückspiel am kommenden Donnerstag (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stünden "noch genau wie vor dem Spiel bei 50:50", bemühte sich Stranzl nach der Partie um Zweckoptimismus. Und auch Eberl machte mit dem Argument, die Borussia sei in dieser Saison international auswärts ja bisher noch ungeschlagen, in Zuversicht. Tatsächlich hat das Team zum Beispiel in der Champions-League-Qualifikation beim 2:1-Sieg bei Dynamo Kiew bewiesen, dass es auch auf fremden Plätzen bestehen kann. Aber die Vorteile liegen jetzt bei Lazio.

Man müsse jetzt, so Eberl, "schnell den Kopf wieder klar kriegen", das Negativerlebnis des späten Ausgleichs "abhaken und die Fehlersuche abblocken". Schon am Samstagnachmittag muss Gladbach in der Liga zum Auswärtsspiel beim Hamburger SV (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) antreten, 40 Stunden nach Abpfiff der kräfteraubenden Partie gegen Lazio. Eine Kuriosität der Terminplanung der Liga. Doch selbst diesem Umstand konnte Stranzl noch etwas Positives abgewinnen: "Dadurch haben wir auch gar keine Zeit zum Grübeln."

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Gladbach
Sebastian2212 15.02.2013
Zitat von sysopSechs Tore, drei Elfmeter: Die Europa-League-Partie zwischen Gladbach und Lazio Rom war ein Spektakel. Das Spiel zeigt deutlich, wie weit der Weg der Borussia zu einer Spitzenmannschaft noch ist - und dass Trainer Lucien Favre noch immer die richtige Strategie sucht. Europa League: Gladbach spielt 3:3 gegen Lazio Rom - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/europa-league-gladbach-spielt-3-3-gegen-lazio-rom-a-883539.html)
Hat den Abgang von 3 absoluten Leistungsträgern zu verkraften...die Mannschaft ist jung, sie ist international unerfahren...kurz sie ist keine Spitzenmannschaft (auch dank Bayern, Dortmund und Schalke, die mal wieder einen Konkurrenten auseinander gekauft haben statt im Ausland zu wildern)... Das Spiel jedenfalls sehr ansehnlich...und von Gladbacher Seite deutlich besser als was beisielsweise der BVB vorletztes und letztes Jahr in Europa geboten hat (2x Schluss nach der Gruppenpahse)...da hieß es eine junge Mannschaft muss noch lernen... Das gilt genauso für Gladbach!
2. nett
critique 15.02.2013
Erwähnenswert gut fand ich die Leistung des Schiedsrichters. Unaufgeregt, konsequent und den Arsch in der Hose 3x für eine Mannschaft auf den Punkt zu zeigen. Der Rest war für den neutralen Zuschauer sehr kurzweilig.
3. optional
philip2412 15.02.2013
Kann mir bitte jemand die Frage beantworten,warum Arango die 11m nicht schießt ?
4. optional
steellynx 15.02.2013
Warum sollte jemand, der aus 25 Metern einen Freistoß trifft ein besserer Elfmeterschütze sein? Sonst könnt man auch fragen, warum man nicht einfach den mit dem stärksten Schuß schießen lässt, der Ball wird dann immerhin schneller. - - - Weiterhin, ein Artikel, genau die selbe Art, gab es doch schon vor einigen Monaten hier. Inhalt der selbe, Text und Anlaß etwas anders. Wirkt ein bißchen wie Recycling.
5.
Andr.e 15.02.2013
Zitat von Sebastian2212(auch dank Bayern, Dortmund und Schalke, die mal wieder einen Konkurrenten auseinander gekauft haben statt im Ausland zu wildern)...
Ich find das auch immer blöd. Alle guten Mannschaften kaufen immer die guten Spieler. Das machen die nur um die Konkurrenz zu schwächen. Siehe Dante, siehe Reus, siehe... die ollen Bankdrücker...
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