Hamburg - Hannovers Trainer Mirko Slomka hatte schon vor dem Anpfiff Zeichen gesetzt. Mit Jan Schlaudraff, Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue hatte er drei Angreifer nominiert - ein überdeutliches Signal an den Gegner, wer im Spiel das Sagen haben wollte. Auf dem Platz setzten seine Spieler dies dann auch lange Zeit genauso um wie vom Coach geplant: 96 dominierte seine Europa-League-Partie gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner, erreichte am Ende aber doch nur ein 2:2 (1:0)-Unentschieden gegen den FC Kopenhagen. Damit muss der Bundesligist angesichts des schweren Restprogramms in der Vorrunden-Gruppe B um das Erreichen der K.o.-Runde bangen.
Als Mittelfeldspieler Sergio Pinto zehn Minuten vor dem Abpfiff mit einem satten Distanzschuss das 2:1 mitten in eine dänische Druckphase hinein erzielt hatte, schien der Erfolg für die Gastgeber sicher zu sein. Aber der gerade erst eingewechselte César Santin machte die Siegesträume von 96 eine Minute vor Schluss wieder zunichte. "Das war besonders ärgerlich", machte Slomka aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "In machen Szenen fehlte uns noch die internationale Erfahrung."
Christian Pander hatte 96 in der 29. Minute 1:0 in Führung gebracht. Und wie man es bei dem technisch so versierten Außenverteidiger vermuten könnte, war es denn auch ein echter Kunstschuss, mit dem er Hannover die Führung brachte. Pander nahm einen fahrlässig gespielten Querpass der dänischen Gäste 20 Meter vor dem Tor auf und schnippelte den Ball zur Überraschung von Kopenhagens Keeper Johan Wiland ins kurze Eck. Viele können so etwas nicht.
Die Führung hätte zur Halbzeitpause allerdings noch höher ausfallen können. Die drei Stürmer hatten mehfach Gelegenheit, das Resultat in die Höhe zu schrauben. Die größte Chance ließ Schlaudraff kurz vor dem Seitenwechsel liegen, als er allein aufs dänische Tor zulief und am starken Keeper Wiland scheiterte. Schlaudraff war ansonsten sehr agil, lauf-und anspielbereit, er verursachte ständig Unruhe in der Kopenhagener Defensive - einer der Stärksten im 96er-Trikot.
Schleichend wurden die Dänen stärker
Wobei es allerdings in der ersten Hälfte schwerfiel, aus der Mannschaft der Gastgeber einen Spieler hervorzuheben - das gesamte Team präsentierte sich über weite Strecken hochkonzentriert, sicher in der Defensive mit schnellen Angriffen nach vorne. Die Mannschaft war gegenüber der zuletzt eher schwachen Vorstellung in der Bundesliga beim 0:2 in Köln nicht wiederzuerkennen. Kopenhagen, immerhin ein Team mit Champions-League-Erfahrung, kam fast eine Stunde lang zu keiner einzigen Torchance. Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler verlebte zunächst einen ausgesprochen ruhigen Abend.
Das blieb auch in der zweiten Halbzeit zunächst so. Ganz langsam, schleichend beinahe drehte sich die Partie, die Dänen übernahmen das Kommando, entwickelten Druck. Zu Chancen reichte es allerdings bis zur 65. Minute nicht. Bis zum Ausgleich. Ein Eckball der Kopenhagener kam in den Fünf-Meter-Raum, Zieler versuchte den Ball zu erreichen und griff daneben. N'Doye war zur Stelle. Den Treffer muss sich die junge Torwart-Hoffnung ankreiden. Auch beim zweiten Gegentreffer wirkte Zieler zumindest unglücklich. Santin überwand ihn mit einem Tunnel.
In der Tabelle der Vorrundengruppe liegt Hannover mit fünf Punkten aus drei Spielen punktgleich mit Tabellenführer Standard Lüttich (fünf Punkte) auf Rang zwei. Kopenhagen mit vier Zählern lauert dahinter. Selbst der ukrainische Vertreter Poltawa, der bisher nur einen Punkt gesammelt hat, ist noch nicht ganz abzuschreiben. 96 muss sowohl nach Lüttich als auch nach Kopenhagen noch reisen.
Lange Zeit zum Durchschnaufen bleibt der Mannschaft von Mirko Slomka ohnehin nicht: Am Sonntag wartet der nächste Härtetest. Dann reist Bundesliga-Dominator Bayern München nach Hannover.
Hannover 96 - FC Kopenhagen 2:2 (1:0)
1:0 Pander (29.)
1:1 N'Doye (65.)
2:1 Pinto (80.)
2:2 Santin (89.)
Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz (72. Rausch) - Pinto - Stindl, Pander - Schlaudraff (73. Stoppelkamp) - Ya Konan, Abdellaoue (84. Lala)
FC Kopenhagen: Wiland - Thomsen, Ottesen, R. Sigurdsson, P. Bengtsson - Bolaños, Grindheim (84. Santin), Claudemir, Delaney - P. Diouf (70. Oviedo), N'Doye
Schiedsrichter: Duhamel (Frankreich)
Zuschauer: 41.000
Gelbe Karten: - / Grindheim, Delaney
aha/dpa/sid
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