Hoffenheim und Hertha BSC Europa League lockt kaum Zuschauer an

Hertha spielt nach acht Jahren wieder Europa League, und für Hoffenheim ist es das erste Jahr im Europapokal. Für die Fans der Klubs kein Grund zu großer Freude - beiden Teams droht ein halbleeres Stadion.

Leeres Olympiastadion vor dem Europa-League-Duell gegen Bilbao
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Leeres Olympiastadion vor dem Europa-League-Duell gegen Bilbao


Am Abend wartet Athletic Bilbao auf Hertha BSC (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Ein attraktiver Gegner in der Europa League, der Bundesligist spielt vor heimischer Kulisse im Olympiastadion, Stürmer Vedad Ibisevic spricht von Vorfreude. "Wir sind aufgeregt", sagt der Bosnier. Der Wermutstropfen: Herthas Comeback nach achtjähriger Europokal-Pause wollen nur wenige Fans im Stadion sehen.

Der Ticketverkauf verlief schleppend, 25.000 Zuschauer werden erwartet. Das ist wenig, sogar für das Berliner Olympiastadion, das in der jüngeren Vergangenheit selten ein Zuschauermagnet war und deshalb auch beim Klub eher unbeliebt ist.

"Trotz weniger Zuschauern kann man viel Spaß haben und unser Ziel erreichen: weiterkommen", sagt Ibisevic. Die weiteren Gruppengegner der Hertha heißen Luhansk aus der Ukraine und der schwedische Klub Östersund - mehr Fans dürften bei diesen deutlich weniger klangvollen Gegnern nicht ins Olympiastadion kommen. Das Weiterkommen ist das Ziel.

Volle Tribünen gegen Bayern München - so voll wird es gegen Braga nicht
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Volle Tribünen gegen Bayern München - so voll wird es gegen Braga nicht

Auch in Hoffenheim wird die Gruppenphase der Europa League eher schlecht angenommen. 14.000 Karten wurden für das Heimspiel gegen Sporting Braga (19 Uhr) bisher verkauft. Zuletzt hatte der Klub Bayern München vor heimischer Kulisse geschlagen, knapp 30.000 Fans feierten den Sieg - nun die triste Europapokalstimmung.

Viele Anhänger der TSG hatten sich die erste Europa-Teilnahme des Klubs anders vorgestellt und auf die Champions League gehofft. Nach Platz vier im Vorjahr spielte das Team in den Playoffs zur Königsklasse, unterlag dort aber dem FC Liverpool. Statt in der CL-Gruppenphase auf Top-Teams wie Real Madrid oder Manchester United zu treffen, wird Hoffenheim nach Braga noch gegen Basaksehir aus der Türkei und den bulgarischen Vertreter Rasgrad spielen. Das klingt - bei allem Respekt - nach Trostpreisen.

Trainer Julian Nagelsmann versucht dennoch gute Stimmung zu verbreiten. "Das ist trotzdem ein Feiertag" sagt der Coach. Auch für seine Elf sollte der Einzug in die K.o.-Phase machbar sein.

Größere Vorfreude herrscht in Köln. Der Klub ist nach 25 Jahren wieder im Europapokal dabei und der erste Gegner klingt nach Champions League: FC Arsenal. 20.000 Kölner werden in der englischen Hauptstadt erwartet. Das Problem: Dem FC stehen nur 3000 Auswärtstickets zur Verfügung. Zumindest offiziell. Der Rest des Anhangs hofft auf zurückgegangene Kartenkontingente der Arsenal-Fans. Diese könnte es durchaus geben, zumal der Premier-League-Klub ohne Mesut Özil und weitere Top-Spieler antritt - auch das beschreibt den Stellenwert der Europa League.

So könnte es ein gefühltes Heimspiel für die Kölner werden, weswegen besonders die Verantwortlichen des FC Arsenal besorgt sind. Sollten Köln-Fans im Heimblock der Engländer auftauchen, drohen Stadionverweise, teilte der Verein mit.

jan



insgesamt 28 Beiträge
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77fun 14.09.2017
1. Vorboten der Übersättigung
Das ist erst der Anfang. Viele Fans haben einfach keine Lust mehr auf das Theater, zu dem Fußball mehr und mehr verkommt. Dazu trägt nicht zuletzt die absolute Kommerzialisierung auf dem Rücken der Fans bei. Zudem kann man ja alle Spiele bequem auf der Couch kucken. An halbleere Stadien werden wir uns gewöhnen müssen.
Poco Loco 14.09.2017
2. Vom Flaschensammeln....
....wird man wohl kaum ein Ticket für das Spiel erwirtschaften können:-D, aber mal "Spaß" beiseite, ich gehe davon aus, dass das Geld, vor allem in Berlin mit über 40 % Einwohnern die an der Armutsgrenze leben, auch nicht mehr so locker sitzt. Viele sind von steigenden Mieten und gleichbleibend geringen Einkommen betroffen. Der Fußball mit seinen Stars und den Milliardensummen für Spielereinkäufe und Fernsehrechte, entfernt sich immer mehr vom Fan. Schon nächste Saison wird man kein Spiel mehr im Free-TV sehen können und braucht für jeden Wettbewerb eine anderen Decoder im Wohnzimmer, für die natürlich monatliche Kosten anfallen. Da sagen sich viele, ihr könnt mich mal, ich brauch mein Geld für Wichtigeres.
grommeck 14.09.2017
3. Jeder Hype ist irgendwann vorbei, so auch beim Fußball
Vielleicht kommen dann alle mal wieder von ihrem hohen Ross runter.
Crom 14.09.2017
4.
Die EL gehört abgeschafft und die CL aufgestockt.
gnarze 14.09.2017
5. Sorry
Aber Bilbao und Braga haben natürlich nicht die Strahlkraft von Barca oder ManU, EL hin oder her, aber das ist das Los dieses Wettbewerbes, die Namen sind nicht so klangvoll wie bei der CL, die Belastung ist aber genau so hoch. Schon einige Clubs (Augsburg, Mainz, Freiburg) haben sich an diesem Wettbewerb verhoben, der nur wenig Renomee verspricht, finanziell sowieso nicht wirklich attraktiv ist. Selbst in Wembley gestern blieben viele Sitze leer.
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