Dortmund in der Europa League Diese Trophäe muss noch her

Borussia Dortmund fehlt in der Vereinsgeschichte nur noch ein Triumph: der Finalsieg in der Europa League. Gegen Porto ist der BVB dem Ziel entscheidend näher gekommen - dank Nuri Sahin.

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Von , Dortmund


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Nuri Sahin wusste, dass er im Kader stehen würde, aber an einen Einsatz im Spiel gegen den FC Porto glaubte der 27-Jährige noch nicht. Die lange Pause, dann noch eine Mandelentzündung - Sahin wäre beinahe ohne Gepäck zum Stadion gefahren. Zum Glück gibt es Tugba Sahin. Die Ehefrau des Dortmunder Mittelfeldspielers ahnte, dass ihr Mann sein Comeback feiern würde. Dass es so gut gelingen sollte, dürfte aber auch sie überrascht haben.

Nach dem 2:0-Sieg, an dem Nuri Sahin entscheidenden Anteil hatte, spricht er von einem "Geistesblitz" seiner Frau, die ihm am Donnerstag die Tasche gepackt hatte. 355 Tage hatte Sahin aufgrund einer Sehnenreizung im Adduktorenbereich pausieren müssen, nicht mal in einem Testspiel war er zum Einsatz gekommen. Gegen den portugiesischen Klub merkte man davon nichts.

Im Video: Nuri Sahin über sein Comeback

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"Nuri hat das Zepter direkt in die Hand genommen und Erfahrung ausgestrahlt", sagt Sahins Kollege Julian Weigl, BVB-Trainer Thomas Tuchel zeigt sich "sehr, sehr glücklich, dass das so geklappt hat". Er lobt Sahins Stärken, die er bei seinem Comeback allesamt einbringen konnte: immer hellwach, ein gutes Gefühl für den Raum, passsicher. "Das war schön anzuschauen", sagt Tuchel: "Es ist eine große Leistung, sich nach so einer langen Zeit so auf den Platz zu stellen."

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Europa League: Reus' Rache
Fast ein Jahr lang sei er nicht einmal im Stadion gewesen, sagt Sahin nach der Partie. Die Spiele seiner Kollegen anzusehen, ohne mitmachen zu können, sei ihm "zu nah gegangen". Die tolle Rückrunde der vergangenen Saison, die Verabschiedung von Jürgen Klopp, die Entwicklung des neuen Fußballs: All das kannte er nur aus dem Trainingsalltag und dem Fernseher.

Umso erstaunlicher war dieses Fußballspiel, in dem er von Beginn an zentraler Bestandteil von Tuchels Strategie war. "Der Trainer hat eine Idee gehabt und er hat mich reingeschmissen", sagt Sahin. Und diese Idee bescherte den Dortmundern eine hervorragende Ausgangslage fürs Rückspiel.

Statt des 4-3-3-Systems der vergangenen Wochen ließ Tuchel ein 4-2-3-1 spielen. "Wir wollten mit einem zweiten Sechser einen Mann mehr im Spielaufbau haben", sagt Weigl, der gemeinsam mit Sahin diese Aufgabe übernommen hatte. Das klappte gut, "wir haben ihnen das Wertvollste weggenommen: den Ball". Wie schon bei den Siegen in Mönchengladbach und in Stuttgart im Pokal spielte die Strategie erneut eine entscheidende Rolle.

"Das Album vollenden - ihr habt's in den Händen"

Vor allem in der Defensive arbeitete das gesamte Team sehr konzentriert, erst in der letzten Minute hatten die Portugiesen eine halbwegs brauchbare Torchance. Die bisherige Rückrundenbilanz von nur zwei Gegentreffern in sechs Partien ist ohnehin hervorragend. "Wir haben ein paar Dinge verändert in unserer Balance und vielleicht ist auch einfach die Aufmerksamkeit gewachsen", sagt Tuchel. Hinzu kam diesmal eine neue, spürbare Begeisterung für die Europa League.

Vor der Partie hatten die Fans auf der Südtribüne eine beeindruckende Choreografie aufgeführt, in der sie den Wunsch äußerten, in dieser Saison endlich diesen Pokal zu gewinnen. Nur er fehlt noch in der Dortmunder Trophäensammlung. "Das Album vollenden - ihr habt's in den Händen", stand auf einem Banner. Der BVB kann der sechste Klub werden, der alle wichtigen europäischen Vereinswettbewerbe gewonnen hat. Kapitän Mats Hummels zeigt sich hinterher beeindruckt: "Das war nach dem Spiel auch Thema in der Kabine. Die haben in den acht Jahren, die ich hier bin, schon einige tolle Choreografien gezeigt, aber das heute war eine Steigerung."

Spätestens am Donnerstagabend hat sich der Klub auf die Europa League eingestimmt. "Das hier muss unser Wettbewerb werden", habe er seiner Mannschaft gesagt, verrät Tuchel. In der Liga hat die Borussia kaum noch Chancen, die Bayern abzufangen, im DFB-Pokal steht das Team im Halbfinale - aber diesen Titel hat der BVB schon dreimal gewonnen.

Zusammengefasst: Borussia Dortmund hat gegen den FC Porto zum Auftakt der Europa-League-Zwischenrunde das beste Europapokalspiel der Saison gezeigt. Nuri Sahin war dabei einer der Besten, obwohl er fast ein Jahr lang nicht mehr gespielt hat.



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insgesamt 5 Beiträge
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spon-1267197024778 19.02.2016
1. Nuuuuri
Schön das er wieder da ist, hat dem BVB erheblich gefehlt. Toller Sieg, überragende Choreo. In Stadion einfach Gänsehaut Feeling
n.a.max 19.02.2016
2. Im Gegensatz...
... zur Hinrunde wo die Abwehr auf mich den Eindruck hatte von einer Herde Kühe wenn die Klapperschlange kommt, zumindenst in den wichtigen Spielen, ist deren Leistung insbesondere gegen Porto hervorzuheben. Wenn der BVB seinen Lauf halten kann ist der Gewinn der Europa League möglich, die Konkurrenz sehe ich - im Moment - nicht.
gegenpressing 19.02.2016
3.
Na ja, Gemach, Gemach. Ein Schritt ja, der Weg zur Vervollständigung der Vitrine ist allerdings auch noch ziemlich lang!
lofi 19.02.2016
4.
Zitat von gegenpressingNa ja, Gemach, Gemach. Ein Schritt ja, der Weg zur Vervollständigung der Vitrine ist allerdings auch noch ziemlich lang!
Egal wie viele prominente Teams in der EL spielen, am Ende gewinnt oft Sevilla. Es sei denn der BvB nimmt den Wettbewerb genauso ernst wie es die Andalusier tun. Und da bin ich bei Tuchel relativ optimistisch.
tobo5824-09 19.02.2016
5. Unsere Nummer 18...
Zitat von spon-1267197024778Schön das er wieder da ist, hat dem BVB erheblich gefehlt. Toller Sieg, überragende Choreo. In Stadion einfach Gänsehaut Feeling
Es gab einige schöne Momente gestern Abend im Westfalenstadion. Neben Toren und Sieg auch die Choreo, einige feine Spielzüge mit Szenenapplaus, und nicht zuletzt, dass Marco Reus nach diesem bitterbösen und rotwürdigen Foul wieder aufstehen konnte. Aber ungelogen der schönste (und überraschendste) Moment war für mich, als Nobby Dickel bei Bekanntgabe der Aufstellung rief: "Und nach 355 Tagen endlich wieder auf dem Platz. Unsere Nummer 18: Nuri..." SAHIN. Und was für ein Spiel hat er gemacht! Immer anspielbar; gutes Pressing; tolle Passquote. Von Porto bin ich reichlich enttäuscht und habe weder erwartet, dass die sich so einigeln noch dass sie dem Gegner so auf die Socken geben.
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