Europa League Schalke verpasst das Halbfinale trotz furioser Aufholjagd

Auch der letzte Bundesligist ist aus dem Europapokal ausgeschieden: Schalke sah nach drei Toren gegen Ajax bereits wie der Sieger aus. Trotz Überzahl kassierte S04 aber in der Verlängerung noch den entscheidenden Auswärtstreffer.

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Der Traum, im 20. Jubiläumsjahr des Uefa-Cup-Siegs von Mailand einen weiteren internationalen Triumph feiern zu können, ist beendet: Der FC Schalke 04 hat nach einem 3:2 n.V. (2:0, 0:0) gegen Ajax Amsterdam das Halbfinale der Europa League verpasst. Leon Goretzka (53. Minute), Guido Burgstaller (56.) und Daniel Caligiuri (101.) hatten die aktuelle Generation der "Eurofighter" zunächst nach einer spektakulären Aufholjagd jubeln lassen. Nick Viergever (111.) und Amin Younes (120.) sorgten schließlich aber für die nächste Wende. Ajax Amsterdam gelang als erstem niederländischen Team der Sprung ins EL-Halbfinale.

Schalke-Trainer Markus Weinzierl musste auf der rechten Defensivseite umstellen: Thilo Kehrer fehlte gelbgesperrt, Coke ist in der Europa League nicht spielberechtigt. Sascha Riether kam deshalb gegen Ajax zu seinem erst sechsten Saisoneinsatz. Auch die zuletzt angeschlagenen Benedikt Höwedes und Sead Kolasinac rückten wieder in die Schalker Startelf, die Weinzierl im Vergleich zur 1:2-Niederlage in Darmstadt auf insgesamt sechs Positionen verändert hatte.

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Schalkes Aus in Europa: Drama in Gelsenkirchen

"Wir haben 90 Minuten Zeit, um das Ding noch zu drehen", sagte Weinzierl vor der Partie. Sein Team wirkte in der Anfangsphase allerdings weniger geduldig: Schon nach 40 Sekunden hatte Goretzka die erste Großchance zur Führung, drückte eine Hereingabe von Sead Kolasinac aber am Tor vorbei. Noch knapper scheiterte Maximilian Meyer in der zweiten Minute, sein Flachschuss von der Strafraumgrenze traf nur den rechten Pfosten.

Amsterdam wird besser, wenige Chancen in Hälfte eins

Diese erste Druckphase der Gelsenkirchener überstand Ajax schadlos und fand anschließend deutlich besser in die Partie. Der Tabellenzweite der niederländischen Eredivisie hatte die größeren Spielanteile, weitere zwingende Einschussgelegenheiten erarbeitete sich vor der Pause aber keines der beiden Teams.

Amsterdams Hakim Ziyech prüfte immerhin mit einem Freistoß Schalke-Keeper Ralf Fährmann (13.), Außenverteidiger Nick Viergever setzte zu einem verunglückten Fallrückzieher an (24.), dazu wurde ein Abseitstreffer von Bertrand Traoré zu Recht zurückgepfiffen (32.). Schalke spekulierte auf Umschaltsituationen, schloss seine wenigen Angriffe aber nicht präzise genug ab. Goretzka (15./19.) und Meyer (35.) zielten jeweils deutlich zu hoch.

Auch nach Wiederbeginn kontrollierte Ajax zunächst das Geschehen, ehe Schalke sich mit einem Doppelschlag spektakulär zurückmeldete: Zunächst traf Goretzka nach einem Doppelpass mit Guido Burgstaller aus halbrechter Position (53.) zur Schalker Führung, kurz darauf schloss der Österreicher selbst ab. Burgstaller verwertete eine Kolasinac-Hereingabe zum 2:0 (56.), Höwedes hatte den Ball zuvor gut durchgelassen.

Schalke ab der 80. Minute in Überzahl

Dem Bundesligisten gelang es nach diesen beiden Treffern endlich, die Gäste unter Druck zu setzen. Die nächste Chance auf den dritten Treffer entschärfte aber Ajax-Keeper André Onana, der eine Hereingabe von Daniel Caligiuri aufmerksam abfing (79.). Schalke agierte die letzten zehn Minuten sogar in Überzahl, Joël Veltman sah in der 80. Minute Gelb-Rot. Ein weiterer Treffer gelang in der regulären Spielzeit aber nicht mehr, Höwedes verpasste in der Nachspielzeit knapp das mögliche dritte Tor (90.+4). Das Duell ging in die Verlängerung.

Dort hatte weiter der FC Schalke 04 die besseren Möglichkeiten. Meyer agierte in der 99. Minute zu unentschlossen, der eingewechselte Johannes Geis setzte einen Schuss aufs Tornetz. In der 101. Minute köpfte Daniel Caligiuri Schalke 04 zunächst zum umjubelten 3:0 ein. Zu diesem Zeitpunkt stand der FC Schalke im Halbfinale.

Wiederum zehn Minuten später setzte aber Ajax den entscheidenden Treffer des Abends: Nick Viergever überwand mit viel Glück Ralf Fährmann, Matija Nastasic hatte den Ajax-Spieler am eigenen Fünf-Meter-Raum angeschossen, der Ball sprang von Viergevers Fuß ins Netz (111.). Amin Younes besiegelte das Schalker Aus schließlich in der 120. Minute.

Schalke 04 - Ajax Amsterdam 3:2 n.V. (2:0, 0:0)
1:0 Goretzka (53.)
2:0 Burgstaller (56.)
3:0 Caligiuri (101.)
3:1 Viergever (111.)
3:2 Younes (120.)

Schalke: Fährmann - Riether (112. Avdijaj), Höwedes, Nastasic, Kolasinac - Bentaleb, Stambouli (54. Huntelaar) - Caligiuri, Goretzka (84. Geis), Meyer - Burgstaller
Ajax: Onana - Veltman, Sanchez, de Ligt, Viergever - Ziyech, Schöne (74. Van de Beek), Klaassen - Kluivert (61. Dolberg), Traoré (82. Tete), Younes
Schiedsrichter: Ovidiu Hategan (Rumänien)
Gelbe Karten: Burgstaller, Kolasinac, Nastasic - Viergever, Ziyech
Gelb-Rote Karte: Veltman (80.)



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insgesamt 5 Beiträge
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RudolfSommer 21.04.2017
1. Glück ab, bzw. voll verdient!
Klar ist das bitter, in der Verlängerung kurz vor Schluss auszuscheiden, aber Ajax hätte im Hinspiel locker mit 4 Toren Unterschieden gewinnen können, nein müssen, dann wäre der Fisch schon vor einer Woche geputzt gewesen. Die Holländer haben nie aufgegeben, und selbst mit 10 Mann das Spiel gedreht, Hut ab! Und wenn ich nach dem Spiel Kommentare höre (wie den von Ingo Anderbrügge), dass S04 noch über die Liga in die EL kommen kann, kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln: Restprogramm: Red Bull (H), Lev (A), Freib (A), HSV (H), Ingolstadt (A). Wenn Sie in diesen 5 Spielen 9 Pkte holen, können sie dem lieben Gott danken aber diese 9 Pkte werden nie und nimmer für Platz 7 (geschweige denn für Platz 6) reichen. Vielleicht war "Shopping Hotte" und v.a. Jens Keller (dieser beweist es ja seit Monaten bei Union Berlin) doch nicht sooo schlecht wie sie immer gemacht wurden.
starboy 21.04.2017
2. Nix Drama
So kopflos wie sich die gesamte Mannschaft kurz vor dem 1-3 verhalten hat war peinlich. Erst verdaddeln die vorne den Ball und die Kontrolle über das Spiel und 10 Sekunden später brennts hinten lichterloh. Der Warnschuss wird nicht gehört und so fällt noch einige Sekunden später das Tor. Das war der Anfang vom Ende. Aus der Traum!!!
kepplerd 21.04.2017
3. Selber Schuld
Man führt in der Verlängerung 3:0 in Übrerzahl und schafft es wirklich noch auszuscheiden. Tut mir Leid aber mein Mitleid hält sich in Grenzen. Alles was Schalke machen musste, ist ein Tor zu verhindern. Wenn ihnen das in Überzahl nicht gelingt, sind Sie wahrlich selber Schuld.
dhanz 21.04.2017
4.
Zitat von starboySo kopflos wie sich die gesamte Mannschaft kurz vor dem 1-3 verhalten hat war peinlich. Erst verdaddeln die vorne den Ball und die Kontrolle über das Spiel und 10 Sekunden später brennts hinten lichterloh. Der Warnschuss wird nicht gehört und so fällt noch einige Sekunden später das Tor. Das war der Anfang vom Ende. Aus der Traum!!!
Sehe ich als S04-Mitglied genau so. Man schafft es immer wieder, in wenigen Augenblicken mit dem Ar..sch das einzureißen, was man sich vorher mit den Händen mühevoll aufgebaut hat. Letztendlich ist die Truppe momentan nur BuLi-Mittelmaß. Als Fan (und Mitglied) kann man sich jetzt darauf freuen, das in der nächsten Saison die unseligen Sonntagspiele und die EL-Gruppenspiele gegen "unaussprechliche" Mannschaften ausfallen. Evtl. tut es auch der Mannschaft einmal gut, sich nur auf die BuLi-Spiele konzentrieren zu müssen. Noch eine Prognose: In der nächsten Saison heiß der Trainer auf Schalke Roger Schmidt.
aurichter 21.04.2017
5. Ich habe das Spiel nicht gesehen,
aber dafür sehr intensiv über SpOn Liveticker verfolgt, dabei nach dem 3:0 schon gedacht ich müsste nach meinem vernichtenden Kommentar aus dem Hinspiel jetzt Abbitte leisten! Hätte ich furchbar gern gemacht, aber Pustekuchen, etwas Wahres stekte doch wohl in der Vermutung, dass S04 im Rückspiel nichts reisst. Ich befürchte auch, dass der Herr Weinzierl in der nächsten Saison nur als TV Experte zu sehen sein wird u.a. bei Himmel TV. Der Tabellenplatz zeigt es nur all zu deutlich, die Mannschaft ist nur unterer Durchschnitt und es ist doppelt bitter, dass Gladbach sich nicht durchsetzen konnte, denn denen wäre der Slrung in das HF mit Sicherheit gegen Ajax gelungen. Aber an diesen internationalen Vergleichen sieht man nur zu deutlich, dass die Bundesligisten weit entfernt sind vom guten Fußball. Abwehrarbeit wird geopfert zugunsten der Schönspielerei. Dann wird man sehen, was Vereine wie S04 und B04 ohne Einnahmen aus Europa noch zustande bringen.
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