Ex-DDR-Star Ducke: Der gefürchtete Individualist

Von Christian und Martin Henkel

Peter Ducke war gefürchtet: nicht nur weil der ehemalige Stürmer aus fast allen Lagen traf. Er war auch ein Charakterkopf, bei den Mitspielern nicht immer beliebt. Mit seiner selbstbewussten Art und seiner spektakulären Spielweise begeisterte er sogar Pelé.

Die Aufnahme in den Kreis der weltgrößten Fußballer veranlasste der König der Sportart höchstselbst. Pelé, "O Rei", sah Peter Ducke zweimal auf einer Südamerikareise spielen und urteilte danach: "Dieser Mann gehört zu den zehn Besten der Welt." Das war der Adelsschlag für einen, den es im DDR-Fußball kein zweites Mal gab.

Legendär war Duckes Ruf. Sie nannten ihn den "Schwarzen Peter". Von Gegnern wurde er gefürchtet, bei Carl Zeiss verehrt. Sein älterer Bruder Roland hatte ihn nach Jena gelockt, mit beiden erlebte der Club seine besten Jahre. Und legendär waren Duckes Tore: Der Führungstreffer für die DDR 1963 gegen England (1:2) im Wembley-Stadion oder das Tor aus spitzem Winkel gegen die Tschechoslowaken (1:1) im selben Jahr. "Der Torhüter hat nur ungläubig geschaut", so Ducke später, "aber meine Tore waren eigentlich alle spektakulär."

Allein mit solchen Sätzen löste er Schrecken aus. Nichts fürchtete die DDR so sehr wie Individualisten. Aber Ducke war fürs Kollektiv nicht zu haben.

Er war eigensinnig, spielte nur selten ab - und traf doch aus allen Lagen: 153-mal in Ligaspielen, 18mal für sein Land. Schon im Knabenalter versuchten sie ihn einzugliedern. Bei Schönebeck, wohin der Vater die Familie nach dem Krieg aus dem Sudetenland geführt hatte, setzten sie ihn einmal auf die Bank, "weil ich zu viel gefummelt hatte". Aber ohne ihn funktionierte nichts, "da haben sie den kleinen Ducke reingeholt - und es lief wieder".

Trotz Benz und 80.000 Mark blieb Ducke in der DDR

Später revoltierten Auswahlkollegen gegen Ducke. Es kam zur Aussprache, der Stürmer wurde gesperrt. Aber er änderte sich nicht, er blieb der "Schwarze Peter" - auch nach dem Karriereende. Als Pensionär fuhr er 1980 mit einem West-Auto auf das Clubgelände von Carl Zeiss und musste dafür seinen Vereinsausweis abgeben. Möglich, dass sie deshalb sogar froh gewesen wären, hätte er sich in den Westen abgesetzt. Gelegenheiten gab es genug. Einmal tauchte ein Vertreter von Werder Bremen auf. Der hatte vorm Hotel einen Mercedes geparkt und 80.000 Mark ins Handschuhfach gelegt. Ein unmissverständliches Angebot. Ducke widerstand: "Ich war ein DDR-Kind, ich hatte doch alles."

Ein anderes Mal klopfte Olympique Marseille an, wieder lehnte er ab. Da war er schon 34 und die guten Tage vorüber - so wie auch die wenigen schlechten: der doppelte Schien- und Wadenbeinbruch 1966 und die Meniskusverletzung kurz vor der WM 1974, die er deshalb nur als Ersatzspieler erlebte. Drei Jahre später trat er ab.

Als Peter Ducke vor ein paar Jahren auf die Einschätzung von Pelé angesprochen wurde, antwortete er mit einem Satz, der erklärt, warum er immer zu groß gewesen ist für ein zu kleines Land: "Was die Südamerikaner in die Wiege gelegt bekommen, das hatte ich auch."

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1. Einer der größten ...
andre-gidde@t-online.de 24.12.2011
... Fußballer, dass meine ich nicht nur als Jenenser. Peter Ducke wäre zu jeder Zeit und in jeder Mannschaft der Welt ein ganz großer gewesen. Er hatte für den FC Carl Zeiss den gleichen Stellenwert wie Gerd Müller für die Bayern.
2. Ein Großer
langenscheidt 24.12.2011
Der Zusammenhang zwischen WM 74 und P. Ducke wird nur beiläufig erwähnt. Ohne Ducke war die DDR bei dieser WM stark. Mit Ducke noch stärker. Die Zwischenrunde mit den Ergebnissen mit Brasilien und Argentinien wären andere geworden.
3. Einer besten in den 60-ern
detlefronaldo 24.12.2011
Zitat von sysopPeter Ducke war gefürchtet: Nicht nur, weil der*ehemalige Stürmer aus fast allen Lagen traf. Er war auch*ein Charakterkopf, bei den Mitspielern nicht immer beliebt. Mit seiner selbstbewussten*Art und seiner spektakulären Spielweise begeisterte er sogar Pelé. Ex-DDR-Star Ducke: Der gefürchtete Individualist - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805577,00.html)
4. Und?
registereduser 24.12.2011
Keine Rede und kein Bild von Jürgen Sparwasser? Jürgen Sparwasser (http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Sparwasser)
5. Er war der Bessere
detlefronaldo 30.05.2012
Zitat von registereduserKeine Rede und kein Bild von Jürgen Sparwasser? Jürgen Sparwasser (http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Sparwasser)
Ducke war nicht nur der bessere Stürmer, er war talentierter im technischen Bereich, einfallsreicher im Dribbling, antrittsschneller und hat seinen Ruhm nicht nur durch ein Tor errungen. Vor seiner Verletzung 1966 gab es in Europa keinen Besseren. Jack Charlton sagte sinngemäß, er habe gegen alle Großen gespielt, aber gegen einen so explosiven Stürmer wie den jungen Peter Ducke noch nicht. Wäre er in Hamburg oder München aufgewachsen, hätte er heute den Status eines Uwe Seeler oder Rudi Völler. Das ist das Pech vieler herausragender DDR-Fußballer.
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Buchtipp

Peter Ducke
Geboren: 14. Oktober 1941 in Bensen (heutiges Tschechien)
Vereine: SC Motor/FC Carl Zeiss Jena (1959-1977)
Oberligaspiele: 352 (153 Tore)
Länderspiele: 67 (15 Tore)
Erfolge: Meister (1963, 1968, 1970), FDGB-Pokalsieger (1960, 1972, 1974), Oberliga-Torschützenkönig (1963), "Fußballer des Jahres" (1971), Olympia-Bronze (1972)